„Gratis-Tablets sind für den digitalen Wandel nicht genug“

Nach OECD-Kritik am Digitalisierungsstand in Österreich wird auch der Ruf nach kostenloser Hardware für Schulkinder wieder lauter. Kritik dazu kommt von der Fachgruppe UBIT Wien

Ein auf die Entwicklung angepasster Lehrplan und digital affines Lehrpersonal sind die eigentlichen Dinge, die wir brauchen, nicht bloß digitale Lehrmittel
Martin Puaschitz, Obmann der Wiener Fachgruppe für Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT)

Wien (OTS) - Laut dem aktuellen Länderbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schneiden die ÖsterreicherInnen bei den IT-Kenntnissen nur durchschnittlich ab. Um diesem Umstand entgegenzuwirken, soll die Digitalisierung der Schulbildung vorangetrieben und Schulkinder mit kostenlosen Laptops und Tablets versorgt werden. Laut der Wiener Fachgruppe für Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT) brauche es aber effektivere Maßnahmen und vor allem gut ausgebildete IT-Fachkräfte, nicht nur Hardware und digitale Grundkenntnisse. Dazu Fachgruppen-Obmann Martin Puaschitz: „Gratis-Tablets sind ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch eindeutig zu wenig, um Österreich im digitalen Bereich nachweislich voranzubringen.“ 

Am Montag wurde von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) der Österreich-Länderbericht präsentiert. Neben den positiven Aussagen über den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes sieht die OECD jedoch klaren Handlungsbedarf in Sachen Digitalisierung. Vor allem das allgemein schwache IT-Bildungslevel der Bevölkerung wird darin bemängelt. Die Gegenmaßnahmen sollten bereits im Schulalter ansetzen und unter anderem beinhalten, den Kindern digitales Know-how zu vermitteln.

Von Regierungsseite wurde dazu erneut die Forderung nach gratis Laptops und Tablets für alle Schulkinder aufgegriffen. Für die Wiener Fachgruppe für Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT) würde die kostenlose Hardware aber nicht das Problem lösen. „Ein auf die Entwicklung angepasster Lehrplan und digital affines Lehrpersonal sind die eigentlichen Dinge, die wir brauchen, nicht bloß digitale Lehrmittel“, erklärt Martin Puaschitz, Obmann der Fachgruppe UBIT Wien. Dazu muss neben Informatik auch auf die Fächer Mathematik, Naturwissenschaften und Technik ein stärkerer Fokus gelegt werden.

Die Regierung hat mit der „Digital Roadmap“ bereits einige Ansätze vorgelegt, die in diese Richtung gehen und eine Verbesserung der Ausbildung für Pädagoginnen und Pädagogen vorsehen. Laut Puaschitz müssen diese nun aber auch zeitnah umgesetzt werden. Auch die OECD schlägt als Maßnahme konkrete Zeitpläne und messbare Zielvorgaben dieser Roadmap vor, um die Umsetzung voranzutreiben und Qualität zu garantieren. 

Digitales Know-how: Jetzt!

Darüber hinaus braucht es nach Angaben der Fachgruppe vor allem Spezialisten, um den digitalen Wandel in Österreich zu pushen und den Anschluss nicht zu verlieren, anstatt nur allgemeine digitale Grundkenntnisse. „Vor allem für Wien hat der Software- und IT-Bereich bereits eine große wirtschaftliche Bedeutung. So erzielt die Branche aktuell einen Spitzenwert von rund 2,7 Prozent der gesamten Wiener Wertschöpfung“, weiß Puaschitz und ergänzt: „Digitales Know-how auf höchstem Level wird also immer wichtiger, doch schon jetzt ist IT-Expertise Mangelware.“

Laut Umfragen fehlen aktuell 3.000 IT-Fachkräfte allein in Österreich, Tendenz steigend. Laut der EU-Kommission wird es bis 2020 europaweit sogar eine Lücke von rund einer Million Arbeitskräfte in der IT-Branche geben. Daher plädiert die Fachgruppe dafür, neben der digitalisierten Schule auch Maßnahmen zu setzen, um diesem Bedarf rasch und konsequent entgegenzuwirken. Ein dringendes Anliegen der Branche wäre hier die Erhöhung der Studienplätze im Informatik-Bereich, anstatt diese wie bei der TU Wien und Universität Wien zu kürzen. Aber nicht nur Akademiker sind gefragt, auch Lehrlinge werden in diesem Bereich gesucht.

Durch die Ausbildung on-the-job bietet die Lehre sowohl für Unternehmen als auch für den Auszubildenden oftmals sogar mehr Vorteile als ein Studium, so die Fachgruppe. Zudem können diese viel früher mit ihren Fähigkeiten eingesetzt werden. „Die Digitalisierung wartet nicht auf uns, bis wir endlich soweit sind. Wir müssen uns jetzt anpassen, damit wir die Chancen nutzen“, betont Puaschitz zum Schluss und verweist auch auf die Aussage der stellvertretenden OECD-Generalsekretärin Mari Kiviniemi, die vor den Gefahren des langsamen Wandels warnte: "The winner takes it all." 

Über die Fachgruppe UBIT Wien

Die Fachgruppe UBIT Wien ist im Bereich der Wirtschaftskammer die Standesvertretung der Wiener Unternehmensberater, Buchhalter und IT-Dienstleister. Mit rund 20.000 Mitgliedern zählt sie zu den größten Fachgruppen Österreichs. Als Servicestelle und Informationsnetzwerk bietet die Fachgruppe ihren Mitgliedern regelmäßig branchenspezifische Informationsveranstaltungen und Weiterbildungsseminare.

Das rasche Wachstum der Fachgruppe UBIT Wien spiegelt einerseits die zunehmende Bedeutung jeder einzelnen UBIT-Berufsgruppe wider, andererseits ist es auch Ausdruck des Strukturwandels bei den Unternehmen: Rund 70 % der UBIT-Mitglieder arbeiten als Ein-Personenunternehmen und fast die Hälfte der Unternehmen ist in den letzten fünf Jahren gegründet worden. Die UBIT-Mitglieder sind zudem bereits für rund 15 Prozent der Wiener Wirtschaftsleistung verantwortlich. Die Dienstleistungen und Beratungstätigkeiten der UBIT-Mitglieder bilden eine wichtige Basis für die Sicherung und Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts Wien.

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