- 16.07.2017, 10:29:14
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Schnabl/Vladyka: Gift und Gülle verschmutzen das Wasser – Agrarwende notwendig
Schnabl/Vladyka: Gift und Gülle verschmutzen das Wasser – Agrarwende notwendig
Utl.: Schnabl/Vladyka: Gift und Gülle verschmutzen das Wasser –
Agrarwende notwendig =
St. Pölten (OTS) - Das Grundwasser ist in vielen Regionen stark
belastet, in manchen Teilen Österreichs ist Leitungswasser nicht mehr
trinkbar. Hauptursache sind Belastungen durch Nitrate aus der
Landwirtschaft: Es gelangt vor allem durch das Düngeverhalten der
Landwirte in den Boden. Sie bringen zu viel Gülle und Mist auf den
Feldern aus, Stickstoff bleibt als Nitrat im Boden. Da ist es
alarmierend zu hören, dass immer mehr Grundwasser-Messstellen zu hohe
Nitratwerte aufweisen. In Deutschland schätzen die Behörden, dass
Trinkwasser, das aufwändig gefiltert werden muss, um bis zu 50
Prozent teurer werden könnte.
Die Lage in Österreich ist vor allem im Osten des Landes ähnlich –
spezielle Filteranlagen verursachen Kosten in Millionenhöhe. In der
Region Lichtenwörth und Neufeld hat man sich auf ein Düngemanagement
geeinigt. Aber es gibt weitere Spannungen durch die
Bundesländer-Grenzlage: Denn anders als für ihr
niederösterreichisches Einzugsgebiet bestand rund um die
burgenländischen Grundwasserbrunnen bei Neufeld durchaus bereits ein
Grundwasserschongebiet. Die Vertreter der Wasserleitungsbranche
fordern jetzt eine Eindämmung der Düngerausbringung, weil sonst schon
bald die Kosten für die privaten Haushalte empfindlich steigen
könnten. Auf eine vierköpfige Familie kämen laut Umweltbundesamt
Mehrkosten von bis zu 134 Euro im Jahr zu.
„Es muss endlich eine Agrarwende erfolgen, um die Umwelt zu schützen
und die bäuerliche Landwirtschaft zu erhalten“, sagt der SPÖ NÖ
Landesparteivorsitzende Franz Schnabl. Außerdem müsse der Bund eine
verschärfte Düngemittelgesetzgebung erlassen, die auch dem
Gewässerschutz dient. Für Nitrat im Trinkwasser gibt es im
österreichischen Gesetz sehr strenge Regeln. 50 Milligramm pro Liter
dürfen es sein, nicht mehr. Aus gutem Grund: Nitrat soll auf lange
Sicht gesundheitsschädlich sein, bei Schwangeren und dem ungeborenen
Kind kann es Sauerstoffmangel auslösen.
Eine Lösung wäre, weniger zu düngen. Im Umweltministerium wird
derzeit an einem überarbeiteten "Aktionsprogramm Nitrat" gearbeitet,
das im Herbst beschlossen werden soll. Ziel sei es, die Belastung zu
reduzieren und dass die Landwirte einen engeren Spielraum für die
Düngung bekommen. „Bauern sollen nur noch gewisse Mengen zu gewissen
Zeiten auf ihren Feldern ausbringen dürfen. Im Osten, wo die
Situation ernster ist als im Westen, gibt es zusätzliche Auflagen“,
weiß die Vorsitzende des Umweltausschusses im niederösterreichischen
Landtag, LAbg. Christa Vladyka. Die Mitgliedstaaten der EU müssen
einen guten ökologischen Zustand aller Gewässer bis spätestens 2027
erreichen. Das fordert die europäische Wasserrahmenrichtlinie.
Grundwasser und Oberflächengewässer sollen demnach frei von
Schadstoffen und zu vielen Nährstoffen sein. „Der Handlungsbedarf ist
groß. Wir brauchen eine bundesweite Lösung mit Schongebieten und
einer Obergrenze von 170 Kilogramm Stickstoff pro Jahr auf einem
Hektar Land, um die alarmierend hohe Nitratbelastung nachhaltig
bekämpfen zu können“, sagt Vladyka: „Es wird in der Landwirtschaft zu
viel gedüngt, das Ausbringen von Dünger und Gülle auf den Feldern
muss strenger geregelt werden – gleichzeitig sollten aber die
Landwirte, die auf Alternativen setzen, besser unterstützt werden.“
Die hohen Nitratwerte im Grundwasser ziehen auch das Trinkwasser in
Mitleidenschaft. „Wir haben ein Recht auf sauberes und leistbares
Wasser. Es kann nicht sein, dass die VerbraucherInnen die Rechnung
für Überdüngung zahlen müssen und Trinkwasser sich stark verteuert –
das würde die Haushaltsbudgets noch mehr belasten. Gute
Trinkwasserqualität kann demnach nur ein Erfolg von Wasserversorgern
und Landwirten gemeinsam sein“, erklärt Schnabl: „Das
agrarindustrielle Geschäftsmodell muss ersetzt werden durch eine
Landwirtschaft unter ökologischen und ökonomischen Aspekten – die
Nitrate reduziert und einen eingeschränkten Einsatz von
Pflanzenschutzmitteln handhabt. Wir müssen auch im
Landwirtschaftsbereich ‚Start-ups‘ mit innovativen Ideen fördern und
unterstützen. “ Denn für Schnabl würde sonst der nächste Schritt –
nach einer enormen Preissteigerung bei Trinkwasser – die
Privatisierung sein: „Es gilt unsere Wasserressourcen auch für
künftige Generation zu sichern und zu schützen. Ein privater Konzern,
der den Renditeerwartungen seiner Aktionäre nachkommen muss, würde
aber niemals so nachhaltig in den Erhalt der Wasserqualität
investieren wie ein kommunales Unternehmen, das der Daseinsvorsorge
für die Bevölkerung verpflichtet ist. Die Verlierer wären die
Menschen, die mit sinkender Qualität und noch weiter steigenden
Preisen rechnen müssten.“
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