1. Umfrage zu Menstruation unter Jugendlichen zeigt eklatante Wissenslücken

1.100 Jugendliche zu Wissensstand und Einstellung zum Thema Menstruation befragt: 17% der Mädchen und 34% der Jungen wissen nicht, was Menstruation bedeutet

Dass Mädchen sich mit ihren Schmerzen oft allein gelassen fühlen und Hemmungen haben, mit jemandem darüber zu sprechen, führt nicht nur zu einer Isolierung der Betroffenen, sondern stellt auch einen deutlichen Einschnitt in ihre Lebensqualität und schulische Leistung dar
Bettina Steinbrugger, Co-Gründerin der erdbeerwoche
Das zeigt akuten Handlungsbedarf von Seiten der Schulen, mehr Aufklärung zu diesem Thema zu bieten. Deshalb haben wir das Projekt erdbeerwoche@school gestartet und sprechen bewusst Mädchen und Jungen damit an, da ein echter Tabubruch nur gelingen kann, wenn beide Geschlechter ausreichend über das Thema Bescheid wissen
Bettina Steinbrugger, Co-Gründerin der erdbeerwoche
Aus unserer täglichen Aufklärungsarbeit wissen wir, dass die Periode noch immer für viele Mädchen ein großes Schreckensthema darstellt – entgegen der aktuell propagierten offenen und positiven Einstellung zu Menstruation. Der aktuelle „Menstruationshype“, in dem die weibliche Regel u.a. auf Social Media zunehmend enttabuisiert und als etwas Positives wahrgenommen wird, betrifft vorwiegend erwachsene Frauen. Junge Mädchen erleben die Regel hingegen nach wie vor überwiegend negativ, was meist auch mit einem negativen Körpergefühl einhergeht
erdbeerwoche-Co-Gründerin Annemarie Harant

Wien (OTS) - Soeben veröffentlichte die erdbeerwoche, die österreichische Plattform für das Thema Menstruation und nachhaltige Frauenhygiene, die Ergebnisse einer anonymen Umfrage unter 1.100 Jugendlichen zw. 13 und 17 Jahren zu Wissensstand und Einstellung rund um Menstruation und Monatshygiene. Dies ist die erste repräsentative Umfrage zu diesem Thema unter österreichischen Jugendlichen. Die Ergebnisse sind überraschend und zum Teil schockierend: 

Einstellung: „Menstruation ist peinlich!“

  • 60 % der Mädchen geben an, eine negative Einstellung zu ihrer Menstruation zu haben.
  • 70% der Jungen finden das Thema Menstruation unwichtig und peinlich.

Aus unserer täglichen Aufklärungsarbeit wissen wir, dass die Periode noch immer für viele Mädchen ein großes Schreckensthema darstellt – entgegen der aktuell propagierten offenen und positiven Einstellung zu Menstruation. Der aktuelle „Menstruationshype“, in dem die weibliche Regel u.a. auf Social Media zunehmend enttabuisiert und als etwas Positives wahrgenommen wird, betrifft vorwiegend erwachsene Frauen. Junge Mädchen erleben die Regel hingegen nach wie vor überwiegend negativ, was meist auch mit einem negativen Körpergefühl einhergeht,“ so erdbeerwoche-Co-Gründerin Annemarie Harant. 

Viel schlimmer als bei der Einstellung sieht es beim Wissensstand aus. Die Umfrage, welche in anonymisierter Onlineversion erfolgte, hatte zum Zweck, zu durchleuchten, inwiefern der schulische Aufklärungsunterricht das Thema Menstruation und Monatshygiene ausreichend behandelt. Fazit: Es herrscht enormer Aufholbedarf! 

Wissensstand: Über 50% bei Basis-Menstruationswissen „durchgefallen“

  • 85% der Mädchen und 88% der Jungs fühlen sich ausreichend über das Thema Menstruation informiert, haben aber eklatante Wissenslücken. So wissen 17% der Mädchen und jeder 3. Junge nicht, was Menstruation eigentlich bedeutet.
  • 53% der Jungen glauben außerdem, Menstruation diene der Verhütung.
  • Rund die Hälfte der Mädchen kann mit Begriffen wie Menstruationszyklus oder Zykluslänge nichts anfangen. Bei den Jungen sind es teilweise bis zu 80%.

Besonders schockierend: Mehr als die Hälfte der Mädchen weiß nicht, wann ein Tampon spätestens gewechselt werden muss. Die meisten Mädchen haben noch nie vom toxischen Schocksyndrom (TSS) gehört und nur 13% können den Begriff erklären.  

Regelschmerzen: trauriger (Schul-)Alltag für nahezu alle Mädchen

  • 88% der Mädchen geben an, unter Menstruationsbeschwerden zu leiden.

Die häufigsten Beschwerden sind Kopfschmerzen, gefolgt von Stimmungsschwankungen. Jedes 3. Mädchen leidet unter Bauchkrämpfen. Nur die wenigsten Mädchen würden sich jedoch bei massiven Regelschmerzen in der Schule einem Lehrenden anvertrauen. Gleichzeitig wissen junge Mädchen oft nicht, was sie gegen die Beschwerden tun und an wen sie sich wenden können. Nur 10% der Befragten wenden sich an den Schularzt, mehr als 60% würden ausschließlich mit einem Familienmitglied darüber sprechen und 20% verheimlichen ihre Beschwerden. „Dass Mädchen sich mit ihren Schmerzen oft allein gelassen fühlen und Hemmungen haben, mit jemandem darüber zu sprechen, führt nicht nur zu einer Isolierung der Betroffenen, sondern stellt auch einen deutlichen Einschnitt in ihre Lebensqualität und schulische Leistung dar,“ meint Bettina Steinbrugger, Co-Gründerin der erdbeerwoche. Besonders brisant: Jedes 3. Mädchen hat so starke Regelschmerzen, dass es deshalb schon mal dem Unterricht fernbleiben musste. „Das zeigt akuten Handlungsbedarf von Seiten der Schulen, mehr Aufklärung zu diesem Thema zu bieten. Deshalb haben wir das Projekt erdbeerwoche@school gestartet und sprechen bewusst Mädchen und Jungen damit an, da ein echter Tabubruch nur gelingen kann, wenn beide Geschlechter ausreichend über das Thema Bescheid wissen,“ so Steinbrugger.  

Das Projekt erdbeerwoche@school: Pilotschulen gesucht!

Das Projekt erdbeerwoche@school hat sich zum Ziel gesetzt, eine flächendeckende Aufklärung rund um das Thema Menstruation und Monatshygiene an Schulen in Gang zu setzen. Dabei soll eine innovative digitale Lernplattform kombiniert mit physischem Anschauungs- und Lehrmaterial entwickelt werden, mit dem Ziel, Lehrende dabei zu unterstützen, Jugendlichen die notwendigen Inhalte rund um Menstruation und Monatshygiene zu vermitteln. Im Herbst starten die ersten Pilotworkshops an österreichischen Schulen, danach soll das Projekt auf Deutschland ausgeweitet werden. Interessierte Schulen und PädagogInnen sind eingeladen, sich an office@erdbeerwoche.com zu wenden.

Entsorgungs-Skandal: 83% der benutzten Tampons und Binden landen im (Schul-)WC

  • 73% der Mädchen benutzen hauptsächlich Binden, 44% verwenden Tampons
  • Mehr als jedes 3. Mädchen kennt die Menstruationskappe, aber nur 2% nutzen eine
  • 83% der Mädchen werfen Monatshygieneprodukte nach Gebrauch in die Toilette

Dass mehr als 4/5 aller Mädchen gebrauchte Hygieneprodukte anstatt im Mülleimer in der Toilette entsorgen, ist nicht nur eine ökologische, sondern auch eine ökonomische Katastrophe. Konventionelle Tampons und Binden enthalten oftmals Plastik sowie Chemikalien und zersetzen sich nicht nach dem Runterspülen. Sie landen direkt im Abwasser und sind für die Kläranlagen äußerst kostenintensiv. So müssen oftmals spezielle Zerkleinerer eingebaut werden, die die Anlagen vor so genannten Feststoffen wie Tampons und Binden schützen. „Dem wäre leicht vorzubeugen, wenn Mädchen einerseits über diese Problematik aufgeklärt würden und andererseits die Scham verlieren, ihre Hygieneartikel auch außerhalb der Toilette in einem Mülleimer zu entsorgen. Denn auf die Frage, warum sie dies täten, antworteten fast 20%, dass es keinen Mülleimer direkt neben der Toilette gäbe und 25%, dass ihnen die Entsorgung in Mülleimern außerhalb des WCs peinlich wäre.“ Angesichts dieser Zahlen erscheint es fast logisch, dass sich nur jedes 3. Mädchen bisher Gedanken zu den Umweltauswirkungen von Monatshygieneprodukten gemacht hat.  

Fazit: massiver Aufklärungsbedarf gegeben

Die Ergebnisse der Umfrage legen zum Teil massive Lücken im Basiswissen über Menstruation offen – sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen. Dies lässt darauf schließen, dass Menstruation nicht ausreichend oder nicht adäquat im Unterricht behandelt wird. Gewisse Themen wie der richtige Umgang mit Menstruationsprodukten oder die gesundheitlichen bzw. ökologischen Auswirkungen dieser Produkte finden großteils überhaupt keine Erwähnung. Schockierend ist außerdem die überwiegend negative Einstellung der befragten Jugendlichen zum Thema Menstruation. Insgesamt lassen die Ergebnisse darauf schließen, dass Menstruation noch immer ein massives Tabuthema in unserer Gesellschaft darstellt – insbesondere bei Jugendlichen. Der Aufklärungsbedarf ist hoch und die Art der Vermittlung dieser Themen muss dringend überarbeitet werden. Mit dem Projekt erdbeerwoche@school möchte die erdbeerwoche diese Aufklärung vorantreiben und zur Enttabuisierung der Menstruation beitragen. 

Über die erdbeerwoche und erdbeerwoche@school

Die erdbeerwoche ist die erste Bewusstseinsplattform für das Thema Menstruation und nachhaltige Monatshygiene im deutschsprachigen Raum und verfolgt eine Vision: das Tabu der Menstruation zu brechen und die Frauenhygiene zu revolutionieren. Über die Jahre zeigte sich durch die Aufklärungsarbeit der erdbeerwoche, dass für einen nachhaltigen Bewusstseinswandel vor allem an einer Stelle angesetzt werden muss: Bei Jugendlichen in der Zeit der Pubertät, wo die meisten Mädchen ihre Regel bekommen. Das Projekt erdbeerwoche@school hat sich daher zum Ziel gesetzt, eine flächendeckende Aufklärung rund um Menstruation und Monatshygiene an Schulen in Gang zu setzen. Dabei soll eine innovative digitale Lernplattform kombiniert mit physischem Anschauungs- und Lehrmaterial entwickelt werden, mit dem Ziel, Lehrende dabei zu unterstützen, Jugendlichen die notwendigen Inhalte rund um Menstruation und Monatshygiene zu vermitteln. 

Links und Quellen:

Mehr Infos zum Projekt erdbeerwoche@school

10 wichtige Fakten zu Menstruation

Toxisches Schocksyndrom

Tampons und Feuchttücher legen die Pumpen lahm (Mainpost)

Rückfragen & Kontakt:

Rückfragehinweis und Bildmaterial:
Mag. Bettina Steinbrugger, erdbeerwoche GmbH, Lindengasse 56/18-19, 1070 Wien
Tel.: +43 (650) 84 31 400, mail: office@erdbeerwoche.com, web: www.erdbeerwoche.com

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