• 02.07.2017, 13:47:58
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Grüne Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek im Ö3-Sommergespräch: „Ich hoffe immer noch, dass Peter Pilz mit mir wahlkämpfen wird.“

Wien (OTS) - Im vierten Teil der Ö3-Sommergesprache in „Frühstück bei
mir“ äußerte sich heute die Spitzenkandidatin der Grünen Ulrike
Lunacek verhalten optimistisch, dass Peter Pilz doch keine eigene
Liste gründen möchte. Im Gespräch mit Ö3-Moderatorin Claudia Stöckl
sagte sie: „Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich hab‘ ihn auch angerufen,
ich hab‘ mit ihm gesprochen, wir haben ausgemacht – auch vergangenen
Mittwoch noch – dass wir uns Mitte oder Ende Juli noch einmal
zusammensetzen. Ich hoffe immer noch, dass Peter Pilz mit mir
wahlkämpfen wird.“

Den düsteren Prognosen, dass die Grünen im Fall einer Liste Pilz
nicht einmal mehr einen Einzug ins Parlament schaffen werden, will
sie keinen Glauben schenken: „Das kann und will ich mir nicht
vorstellen. Ich glaube es auch nicht. Ich bin immer noch
zuversichtlich und ich weiß, was ich kann. Ich weiß auch, was die
Grünen können. Wir haben jetzt auch Listen gewählt mit ganz vielen
neuen Leuten. In den letzten Monaten - wie oft mussten wir uns
anhören, das sind zu viele ‚Eisenhintern‘ und alte Funktionäre, die
beißen die Jungen raus. Und jetzt haben wir sozusagen viele
kompetente, jüngere Leute dabei – jetzt heißt es: Wir haben die alten
nicht gewählt.“ Der „Aufdeckungsbereich“ – wie Ulrike Lunacek
bekräftigte – sei auch durch andere abgedeckt. „Es gibt andere, die
das auch können. Gabi Moser und Werner Kogler, die haben das bisher
mit Peter Pilz gemeinsam gemacht und viel von ihm gelernt.“

Lunacek betonte im viertem Ö3-Sommergespräch - nach Bundeskanzler
Christian Kern (SPÖ), Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) und
FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache -, dass sie den drei
Kanzlerkandidaten, die viel an Aufmerksamkeit auf sich ziehen, „nicht
das Feld überlassen möchte. Ich bin eine Frau, die einzige Frau an
der Spitze, das wird mir helfen, auch als Feministin – als Frau, die
vor knappen 40 Jahren das Frauenhaus in Innsbruck aufgebaut hat. Ich
bin einiges auch an Härte gewöhnt und wir werden eine Kampagne
machen, bei der wir die Themen in den Vordergrund stellen.“

Der „Inszenierung des Privatlebens“, das in diesem Wahlkampf immer
wieder Thema ist, möchte die offen lesbisch lebende Politikerin kein
großes Gewicht geben: „Ich bin da sicher auch vorsichtiger. Außerdem
ist das so, dass meine Lebensgefährtin in Brüssel lebt und arbeitet,
die wird auch nicht die ganze Zeit hier sein. Sie ist sehr
zurückhaltend.“ In jedem Fall erzählte die 60-Jährige sehr offen über
das Kennenlernen ihrer peruanischen Partnerin, mit der sie bereits
seit 24 Jahren liiert ist: „Eigentlich haben wir uns vor 28 Jahren
kennengelernt, in Wien. Damals war die Weltkonferenz der
internationalen Lesben- und Schwulenorganisation. Rebecca, meine
Partnerin, war damals die Direktorin der einzigen Lesben- und
Schwulenorganisation in Peru“, erinnert sich Ulrike Lunacek an den
Beginn ihrer Beziehung mit der peruanischen Aktivistin. „Wir sind
dann 120 Schwule und Lesben aus der ganzen Welt ins KZ-Museum nach
Mauthausen gefahren. Bei der Fahrt dorthin sind Rebecca und ich
zufällig nebeneinander gesessen, und wir haben so viele Ähnlichkeiten
entdeckt und uns ein bisschen ineinander verliebt. Und am Weg zurück
waren wir dann in Stammersdorf bei einem Heurigen. Da hat sie mir
eine rote Rose geschenkt, ist aber am nächsten Tag zurück nach Peru.
Vier Jahre später haben wir einander erst wieder getroffen, wieder in
Wien. Da habe ich gemerkt, ich habe mich voll in sie verliebt und
mich von meiner damaligen Freundin getrennt.“ Das Bekenntnis zu ihrer
Homosexualität sei für sie auch politisch - derzeit steht ihr Kampf
für die „Ehe für alle“ im Mittelpunkt: „Den jungen Herrn Kurz, der
mit Regenbogenparaden aufgewachsen ist, habe ich schon oft
aufgefordert, er soll einfach ja sagen. Es tut nicht weh, kostet
nichts.“ Sie selber habe als Teenager akzeptiert lesbisch zu sein,
erzählte die grüne Spitzenkandidatin sehr offen im Ö3-Sommergespräch
in „Frühstück bei mir“: „Es war bei einem Frauenfest, da saßen dann
zwei und schmusten miteinander, und ich hab so hingeschaut und hab
mir gedacht: Warum bin ich da nicht schon früher auf die Idee
gekommen? Also ich hab für mich selber so eine Selbstverständlichkeit
dabei gehabt, auch mit dem Unverständnis, wie da irgendjemand was
dagegen haben könnte. Und das hat mir auch sehr geholfen. Ich
verstehe es bis heute nicht, warum da wer ein Problem damit hat.“

Die Fernbeziehung wird auch nach der Wahl bleiben - Lunaceks
Lebensgefährtin bleibt in Brüssel, wo sie für die Organisation
„Education International“ arbeitet, auch wenn Ulrike Lunacek ihr
EU-Mandat aufgeben wird und in den Nationalrat zurückkehrt. Sollte es
zur Verpartnerung kommen, dann wollen die beiden dafür nach Peru
gehen: „Dann kann auch die Familie meiner Lebensgefährtin dabei
sein.“ Nach der Politik möchte Lunacek auch Österreich verlassen -
zumindest für eine Zeit: „In zehn Jahren möchte ich eine Zeit lang in
Peru leben und Bücher vom Spanischen ins Deutsche übersetzen.“

Die Ö3-Sommergespräche in „Frühstück bei mir“

Derzeit sind die Spitzenkandidat/innen der Parlamentsparteien bei
Ö3-Moderatorin Claudia Stöckl in Ö3-„Frühstück bei mir“ zu Gast.
Polit-Persönlichkeiten zeigen sich ganz persönlich: Wie viel
Rampenlicht vertragen Österreichs öffentlichste Personen? Welche
privaten Seiten wollen sie verraten? Und wann regieren bei den
Entscheidern des Landes die Gefühle?

Ö3-„Frühstück bei mir“ – das große Interview der Woche,
Persönlichkeiten ganz persönlich – jeden Sonntag von 9.00 bis 11.00
Uhr im Hitradio Ö3 und zum Nachhören online auf oe3.ORF.at.

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