Naturkatastrophen: Veränderte Natur vs. Gewohnheitstier Mensch

Wien (OTS) - Die Natur verändert sich, Extremwetterereignisse werden auch in Österreich immer häufiger. Vorbeugende Maßnahmen werden deshalb immer wichtiger, erklärten Experten des österreichischen Versicherungsverbandes VVO, des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) in einer gemeinsamen Pressekonferenz. Doch der Mensch ist und bleibt ein Gewohnheitstier. 

Waldbrände, Trinkwasserknappheit und ein Tornado: Die Rede ist nicht von einem Sommer in Kalifornien, sondern von den österreichischen Extremwetterereignissen im Jahr 2016. Österreich wird wesentlich häufiger von Naturkatastrophen heimgesucht, als vielen bewusst ist. Die Zahl der Naturkatastrophen wird zudem in den kommenden Jahren immer weiter zunehmen. Gefährdet sind dabei nicht nur einzelne Regionen, sondern alle Bundesländer – von Vorarlberg bis ins Burgenland. „Extremwetterereignisse machen Präventivmaßnahmen immer wichtiger“, betont VVO-Präsident Generaldirektor KR Mag. Dr. Othmar Ederer. Weltweit kann man klar einen steigenden Trend bei den Schäden durch Naturkatastrophen erkennen: So werden aktuell die weltweiten Schäden aus Naturkatastrophen für das Jahr 2016 mit 168,5 Mrd. Euro beziffert, das waren 70 Prozent mehr als im Jahr 2015. „Auch in Österreich muss man derzeit ca. alle drei Jahre mit einer Naturkatastrophe in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro versicherten Schäden rechnen.“

„Nachher ist man immer klüger…“

Die österreichische Bevölkerung fühlt sich von Naturkatastrophen zunehmend bedroht. Das zeigt die neueste Erhebung des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit), welches seit dem Jahr 2013 die persönliche Gefahreneinschätzung der Österreicher in Bezug auf Naturkatastrophen erhebt. Demnach fühlen sich aktuell rund 73 Prozent der österreichischen Bevölkerung durch Naturkatastrophen gefährdet (2015: Rund zwei Drittel). Doch obwohl sich die Österreicher immer stärker bedroht fühlen, scheint das „Gewohnheitstier“ im Menschen dennoch im Vordergrund zu stehen. „Trotz zunehmendem Bedrohungsgefühl und zunehmender tatsächlicher Bedrohung stagniert der Grad der Vorbereitung auf mögliche Naturkatastrophen bzw. ist teilweise sogar leicht rückläufig“, erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV. Einen großen Teil der Verantwortung zur Vorbeugung von Schäden durch Naturkatastrophen sehen viele bei den Behörden. Rund 42 Prozent der Österreicher sind der Ansicht, dass diese für Vorsorgemaßnahmen einzig zuständig sind. Die aktuelle KFV-Erhebung zeigt allerdings zugleich auch, dass Personen, die bereits von Naturkatastrophen betroffen waren, sich eher selbst auf zukünftige Extremwetterereignisse vorbereiten. Wer in den letzten zehn Jahren einmal selbst von einer Naturkatastrophe betroffen war, verfolgt das Thema aufmerksamer, zeigt sich informierter bzw. sucht aktiver nach Informationen und hat Präventivmaßnahmen getroffen. „Nachher ist man natürlich immer klüger. Besser ist es aber, es gar nicht erst zu einem Schaden kommen zu lassen“, so Thann.

ISDR: neues UN-Projekt startet in Österreich

„Die Auswirkungen des Klimawandels betreffen unterschiedlichste Bereiche und Branchen, daher sind neue Formen der Zusammenarbeit notwendig“, so Dr. Michael Staudinger (Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik). „Zum Beispiel können Maßnahmen im Städtebau, wie Grün- und Wasserflächen, die Hitze in den Städten deutlich mildern. Eine gute Planung, basierend auf fundierten wissenschaftlichen Daten, ermöglicht effiziente Anpassungs- und Schutzmaßnahmen. Wir sind derzeit dabei, ein ambitioniertes Programm der Vereinten Nationen zur Reduktion des Katastrophenrisikos (UN-ISDR) auch in Österreich zu etablieren. Bei UN-ISDR arbeiten Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft, Prävention, Krisen- und Katastrophenmanagement zusammen und es besteht ein weltweiter Erfahrungsaustausch erfolgreicher Maßnahmen zum Schutz vor Extremereignissen.

Wussten Sie, ...

  • … dass die Wahrscheinlichkeit für Frostschäden an Obstbäumen deutlich gestiegen ist? Wegen der immer wärmeren Frühlingsmonate treiben die Pflanzen immer früher aus und reagieren somit empfindlicher auf Kaltlufteinbrüche. Zum Beispiel ist die Blüte von Marille, Apfel und Kirsche in Österreich mittlerweile um durchschnittlich zehn Tage früher als vor 20 Jahren. Massive Schäden in Obstkulturen sind die Folge, wie im Frühling 2017 und 2016.

  • … dass wir in Österreich und weltweit in der jüngsten Vergangenheit die wärmsten Jahre seit Messbeginn erlebt haben?

    - In Österreich sind die fünf wärmsten Jahre der 250-jährigen Messgeschichte der ZAMG (in dieser Reihenfolge): 2014, 2015, 1994, 2016, 2007.

    - Weltweit fanden die zehn wärmsten Jahre der Messgeschichte im Zeitraum 1998-2016 statt. Das weltweit wärmste Jahr war 2016, das den Rekord von 2015 gebrochen hat (2015 wiederum hat damals den Rekord von 2014 überboten).
  • … dass die meisten Hitzerekorde in Österreich aus der jüngsten Vergangenheit stammen und bereits in fünf Monaten mindestens 35°C gemessen wurden? Die jeweiligen Monats-Hitzerekorde sind:

    • Mai: 35,0°C in Horn (N) am 30.5.2017
    • Juni: 38,6°C in Waidhofen/Ybbs (N) am 20.6.2013
    • Juli: 39,7°C in Dellach/Drautal (N) am 27.7.1983
    • August: 40,5°C in Bad Deutsch-Altenburg (N) am 8.8.2013
    • September: 36,0°C in Potschach (N) am 1.9.2015
  • … dass es in Österreich durchschnittlich pro Jahr etwa fünf Tornados gibt? Am 15. April 2017 entstand während eines Gewitters bei Kaisersdorf (B) für kurze Zeit ein Tornado. Über Schäden am Boden liegen keine Meldungen vor. Am 21. Juli 2016 entstand im Raum Karlstein an der Thaya (N) ein kurzer aber heftiger Tornado. Das Schadensbild ließ auf Windspitzen bis zu 220 km/h schließen.

  • … dass in Österreich rund 600 Erdbeben pro Jahr gemessen werden und durchschnittlich 40 Erdbeben pro Jahr von der Bevölkerung gespürt werden?
  • … dass man unter www.hora.gv.at feststellen kann, in welcher Gefahrenzone man lebt?
  • … dass auf www.zamg.at/warnungen alle Wetterwarnungen für jede Gemeinde Österreichs kostenlos zur Verfügung stehen?

  •  … dass die ZAMG auch die europäische Plattform für Wetterwarnungen www.meteoalarm.eu koordiniert?
  • … dass die Ergebnisse der bisher ausführlichsten Klimastudie für jedes einzelne Bundesland kostenlos zum Download zur Verfügung stehen? Das Projekt ÖKS15 entstand in einer Zusammenarbeit von ZAMG, Wegener Center für Klima und globalen Wandel (WEGC) und Z_GIS/Universität Salzburg im Auftrag vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft und den Bundesländern.  

    Link zu den Downloads

    Einige Sicherheitstipps für den Ernstfall:

    Mit gezielten Vorkehrungen soll sichergestellt werden, dass im Falle einer Naturkatastrophe die Grundversorgung der Hausbewohner für mindestens 10 Tage gewährleistet ist. 

    Vorausschauen

    • Informationen über die Gefahrenstufe des Wohngebietes einholen
    • wichtige Dokumente und eine Sicherungs-CD mit relevanten Daten gesammelt in einer Mappe verwahren
    • wichtige Telefonnummern auch handschriftlich notieren

    Vorbereiten

    • Notgepäck
    • Reparaturwerkzeug
    • Alternativen zu Strom: Gas-Kocher, Petroleumofen, Batterieradio, Notbeleuchtung
    • warme Decken/Schlafsack

    Vorräte anlegen (Angaben pro Person/Tag)

    • mind. 2,5 Liter reines Trinkwasser
    • 1 kg Lebensmittel (Kohlenhydrate, Eiweiß und Fette)
    • trocken, kühl, dunkel und frostsicher lagern
    • Vorräte bedarfsorientiert ergänzen (z. B. Säuglinge, Kleinkinder, Diabetiker, etc.)
    • Brennmaterial
    • Hausapotheke

    Richtig reagieren bei einem Zivilschutzalarm

    • Dauerton 3 Minuten = Warnung
    • Radio/TV einschalten, Nachbarn informieren, im Haus Schutz suchen, Anweisungen der Behörden beachten, nächste Schritte planen
    • Dauerton 1 Minute = Entwarnung

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Rückfragen & Kontakt:

VVO Versicherungsverband Österreich
Mag. Dagmar STRAIF
T.: 01/711 56-289
F.: 01/711 56-270
E.: dagmar.straif@vvo.at
www.vvo.at

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