Offener Brief an die Bildungsministerin, den Integrationsminister und die NR-Abgeordneten der Republik Österreich

Es gilt, Reformmaßnahmen dort zu setzen, wo Reformen wirklich notwendig sind.

Sehr geehrte Frau BM Mag.a Dr.in Sonja Hammerschmid!

Sehr geehrter Herr BM Sebastian Kurz!

Sehr geehrte Abgeordnete zum Nationalrat! 

Österreichs Schulwesen ist mit Integrationsaufgaben konfrontiert, die OECD-weit ihresgleichen suchen. Die Gründe dafür: Österreich ist seit vielen Jahren eines der führenden Einwanderungsländer Europas, eine ernstzunehmende Integrationspolitik wurde in Österreich aber erst um Jahrzehnte zu spät in Angriff genommen.

Schulen wurden bei ihren Integrationsaufgaben bisher weitestgehend alleingelassen. Dies veranlasst uns, Sie mit Nachdruck um tiefgreifende Maßnahmen zu ersuchen, die diesen Herausforderungen gerecht werden und dem Schulwesen die Möglichkeit geben, diese im Interesse der Jugend und einer Zukunft in Frieden und Wohlstand zu meistern. 

Um Ihnen die Dimension der Aufgaben vor Augen zu führen, mit denen Österreichs Schulen konfrontiert sind, weisen wir darauf hin, dass

  1. der Anteil der 15-Jährigen mit Migrationshintergrund in Österreich im letzten Jahrzehnt um über 50 % gestiegen ist,
  2. jeder zweite 15-Jährige mit Migrationshintergrund erst während seiner Schulzeit nach Österreich gekommen ist,
  3. der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die die Unterrichtssprache nicht als Umgangssprache sprechen, seit vielen Jahren von Schuljahr zu Schuljahr größer wird, und
  4. inzwischen fast jeder vierte Schüler außerhalb der Schule nicht oder zumindest nicht in erster Linie Deutsch spricht.

Österreichs Schulen ist nicht damit gedient, wenn sie mit denen Finnlands oder Südtirols verglichen werden, die diese Aufgaben nur in vergleichsweise mikroskopischer Größe kennen und mit finanziellen Ressourcen ausgestattet sind, von denen Österreichs Schulen nur träumen können. 

Die derzeitige Situation erlaubt kein weiteres Zuwarten:

  • In Österreich weisen 10-Jährige mit Migrationshintergrund in ihrem Leseverständnis einen durchschnittlichen Leistungsrückstand von fast zwei Jahren auf.
  • Fast jeder zweite 10-Jährige mit Migrationshintergrund erreicht die Bildungsstandards in Mathematik nicht oder nur teilweise.
  • Österreich zählt zwar zu den EU-Ländern mit der niedrigsten Dropout-Quote, das Risiko, die Schullaufbahn erfolglos abzubrechen, vervielfacht sich aber für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund.
  • Die Arbeitslosenquote 20- bis 29-Jähriger, die nach Österreich zugewandert sind, ist fast doppelt so hoch wie die der jungen Menschen, die in Österreich geboren sind.

Sie tragen aufgrund Ihres Ministeramts bzw. Ihres Mandats eine hohe Verantwortung für Österreichs Jugend und Zukunft. Wir appellieren an Sie, angesichts der Situation, die wir Ihnen mit diesem offenen Brief vor Augen geführt haben, Ihrer politischen Verantwortung gerecht zu werden.

Es gilt, Reformmaßnahmen dort zu setzen, wo Reformen wirklich notwendig sind. 

Für den Bundes-Schulgemeinschaftsausschuss: 

Harald Zierfuß, Bundesschulsprecher

Gernot Schreyer, Akad. FDL, Präsident des Bundesverbandes der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen Österreichs

Mag. Roland Gangl, Vorsitzender der BMHS-Gewerkschaft in der GÖD

Mag. Herbert Weiß, Vorsitzender der AHS-Gewerkschaft in der GÖD

Rückfragen & Kontakt:

Harald Zierfuß, Bundesschulsprecher

Gernot Schreyer, Akad. FDL, Präsident des Bundesverbandes der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen Österreichs

Mag. Roland Gangl, Vorsitzender der BMHS-Gewerkschaft in der GÖD

Mag. Herbert Weiß, Vorsitzender der AHS-Gewerkschaft in der GÖD

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0010