OTSconnect: „Kenne deine digitalen Kontakte, um sie zu begeistern“

Branchenfrühstück von APA-OTS zu Digital Relations – Experten sehen individuelle Ansprache und aktivierende Inhalte als Rezepte im Kampf um die Aufmerksamkeit

Wien (OTS) - „Wie macht man Friends und Follower zu echten Fans?“ – diese Frage stellte OTSconnect an die Expertenrunde der Podiumsdiskussion heute, Mittwochvormittag, im Wiener Radiokulturhaus. Social Media- und Kommunikationsprofis gaben Anregungen und Inputs, wie Medien und Kommunikatoren in einer informationsüberfluteten Welt die Aufmerksamkeit auf sich lenken und halten können.

Josef Sawetz, Marketing- und Kommunikationspsychologe an der Universität Wien, charakterisierte zu Beginn die Basis für die Kommunikation und Information in der digitalen Welt – nämlich das menschliche Gehirn. Dieses habe sich seit der Steinzeit biologisch nicht weiterentwickelt, „unsere Hardware ist also nicht gemacht für diese extrem vernetzte Welt mit einem enormen Reichtum an Informationen“. Die Reaktion darauf sei ein „Software-Update“: „Das Gedächtnis wird weniger wichtig, schnelle Wahrnehmung und Selektion sind die bedeutenderen Fähigkeiten und rücken in den Vordergrund.“ So würde der Mensch laut Sawetz immer schneller und oberflächlicher in seinen Entscheidungen, was wichtig ist, wohin die Aufmerksamkeit gerichtet wird und womit er sich näher beschäftigt. Darüber hinaus spielen Emotionen eine größere Rolle bei dieser Art der Entscheidungsfindung.

Wie also stellt man hohe Relevanz und emotionale Ansprache für Fans und Follower her? Die Zielgruppe sollte selbst in der Redaktion sitzen, waren sich Hanna Herbst, stellvertretende Chefredakteurin von VICE Austria, und missMEDIA-Geschäftsführer Jochen Hahn einig. „Wir sind eine junge Redaktion, schreiben darüber, was uns interessiert, und merken, dass das auch die Leser interessiert. Von oben herab zu kommunizieren geht sowieso schon längst nicht mehr“, so Herbst. Auch Stefanie Kukla, Gründerin des erfolgreichen Mode-Start-ups >KUKLA<, bekräftigte: „Um Blogger Relations kümmert sich – mittlerweile Vollzeit – eine Mitarbeiterin von mir, die zu den Digital Natives gehört und ständig mit unseren Kontakten kommuniziert.“

Vor allem auch das intelligente Auswerten von Daten über die User und deren Verhalten und Vorlieben sei mittlerweile eine Pflicht und biete riesige Chancen für heutige Medien. Dieser „neue Weg“ würde dazu führen, dass Redaktionen viel mehr für die Leser relevante Inhalte produzieren könnten, konkretisierte Jochen Hahn: „Welche Inhalte funktionieren und warum? Wir saugen das auf, was wir von den Userinnen bekommen und machen Storys daraus. Dadurch ändert sich das ganze Medium.“

Florian Jungnikl-Gossy von der STANDARD Verlagsgesellschaft bekräftigte ebenfalls die Wichtigkeit, die vorhandenen Daten über User intelligent zu verwerten: „Manche User kommen zehnmal pro Tag auf unsere Seite, manche einmal. Wer kommt über welches Gerät, wer über die App, wer über Facebook – das Ziel ist, für jeden das bestmögliche Erlebnis zu bieten.“

„Schaffst du kein Engagement auf deiner Seite, hast du keine Interaktionen und wirst nicht gesehen“, warnte Hahn. Ein Rezept dafür seien sehr eng auf die immer stärker zersplitterten Zielgruppen abgestimmte Channels, etwa „missMUM“ für junge Mütter. „Hier erzeuge ich viel höhere Interaktionen mit passenden Inhalten als auf der allgemeinen miss-Page. Und dadurch werde ich von Facebook automatisch höher gerankt, somit öfter ausgespielt und erreiche viel mehr interessierte Userinnen.“

Einen Tipp, die steinzeitlich geprägten Gehirne der Leser, aber auch Redaktionen, zu erreichen, hatte die Podiumsrunde für die Vertreter der Kommunikationsbranche: Bilder und andere optisch ansprechende und unterhaltsame Inhalte mit journalistischen Themen zu verknüpfen. Seien es Grafiken, Videos, Bilder oder animierte GIFs – „Das Gehirn liebt es, mit Bildern verwöhnt zu werden. Das spart Zeit und Energie, denn das Gehirn ist der größte Energieverbraucher im Körper und von Natur aus faul“, erläuterte Psychologe Sawetz. Und Jochen Hahn bestätigte: „Wenn durch ein unterhaltsames Element zehnmal mehr User meine journalistischen Inhalte sehen, dann hat mein Medium Erfolg.“ 

Die gesamte Veranstaltung ist hier nachzuhören.

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Über OTSconnect

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