• 15.05.2017, 13:49:52
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Gesundheitsforum PRAEVENIRE: Thematischer Abschluss und Seitenstettener Manifest

Unterzeichnetes Manifest

Seitenstetten/Wien (OTS) - Am dritten Tag des Gesundheitsforums
PRAEVENIRE ging es bei dem ersten Panel um die aktuellen Themen
Rehabilitation und Reintegration. Zu Beginn sandte Alois Stöger, BM
für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, eine Videobotschaft. In
seinen Grußworten betonte er die Relevanz der Rehabilitation und
Reintegration von chronisch Kranken in den Arbeitsmarkt: „Arbeit ist
ein wichtiger Faktor um in unserer Gesellschaft selbstbestimmt leben
zu können.“ Deshalb sei es ein wesentliches politisches Ziel, die
Rehabilitation zu stärken um Menschen nach dem Motto „Rehabilitation
statt Pension“ wieder, in einem Maß, das ihrer Gesundheit zuträglich
ist, in ihren jeweiligen Betrieb einzugliedern. Stöger wies auf die
Regierungsinitiative „Fit2Work“ hin, die Arbeitnehmer mit
gesundheitlichen Problem zur Thematik berät. Er freute sich über die
Impulse, die vom Gesundheitsforum PRAEVENIRE ausgehen.

Rehabilitation, Reintegration und Schnittstellenprobleme

Es folgten unter anderem Impulse von Univ.-Prof. Dr. Richard
Crevenna. Dieser sprach über Geschichte und aktuellen Stand der
Rehabilitation: „Ambulant hinken wir deutlich nach. Eine wirkliche
Wiedereingliederung wird erst möglich sein, wenn wir auch ambulante
Strukturen schaffen. Genauso müssen wir Awarness für die Prävention
und Rehabilitation schaffen und verhindern, dass es zu
Schnittstellenproblemen kommt. Ein Patient muss von allen Seiten die
Selben Informationen bekommen, um die Sicherheit zu erhalten, die er
braucht, um wieder ins Leben zurückzukehren.“

Arbeitsmedizinerin Dr. Eva Höltl, Erste Bank AG, referierte über die
möglichen Pitfalls bei den Schnittstellen des Rehabilitationssystems
und nahm Bezug auf das kurz vor der Umsetzung stehende
Teilzeitwiedereingliederungsgesetz: „Es wird sehr viel Geld in die
innerbetriebliche Prävention investiert. Wir verfügen aber über wenig
Evidenz darüber, welche konkreten Maßnahmen in diesem Bereich
zielführend sind. Unternehmen sind insgesamt ein äußerst
interessantes Setting für Prävention, weil in ihnen sehr
unterschiedliche Menschengruppen zusammen kommen. In der Praxis
verfügen wir ab Juli 2017 bei der Wiedereingliederung mit dem
Teilzeitwiedereingliederungsgesetz über vielversprechende Ansätze.
Die große Herausforderung wir es sein, die Schnittstellen zwischen
Arbeitsmarkt und Gesundheit zu definieren und zu bearbeiten.“

Prim. Dr. Andreas Winkler, Ärztlicher Leiter der
innovationsorientierten Klinik Pirawarth, erzählte eine prägnante
Fachgeschichte der Rehabilitation und ihres Zusammenhangs mit
gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen:
„Rehabilitation gibt es erst seit ca. 100 Jahren und sie war immer
ein Spiegel der gesellschaftlichen Zustände. Sie hat das sogenannte
Kurwesen abgelöst.1918 wurde die erste Einrichtung für
Weltkriegsverletzte eröffnet. In den 1970er Jahren wurden die
Hochgeschwindigkeitstrauma von Verkehrsverletzten die Herausforderung
in der Rehabilitation. Aktuell beginnt sich das Fach auf die
demografischen Entwicklungen einzustellen und einen Schwerpunkt auf
geriatrische und psychiatrische Rehabilitation zu setzen. “

Internationale Experten über „Real World Evidence“

Im Anschluss diskutierte Dr. Armin Fidler mit internationalen
Experten über „Real World Evidence“ und komplexe Datenanwendungen.
Tünde Szabo, unabhängige Gesundheitsökonomin, benannte die Probleme
zur aktuellen Lage der Big-Data-Anwendungen: “Within a day we collect
more information than our ancestors in the 16th century did in a
whole lifetime. This information is the future. That is what we can
agree on. But I think a big question on Big Data is who will use the
information and interpret it. In public discourses we are always
talking about an undefined “we” that will make sense of all this
data. At the moment big private companies like Facebook and Google
are mining all this data. We have to define what to do with the data,
how to protect it and how to interpret it. Public officials and we as
a society should define this processes right now and agree on data
policies”, so Szabo. In der Diskussion, kristallisierten sich als
Problemfelder die Datensicherheit, die Standardisierung bei der
Datenerhebung und die Frage der Zugänglichkeit der Daten durch
kommerzielle Firmen heraus.

Prof. Dr. Éva Orosz, Eötvös Loránd Universität Budapest, wies auf das
Spannungsverhältnis zwischen individuellen Rechten der Patienten und
der uneinheitlichen Lage zu den Erhebungsmöglichkeiten von Daten hin:
“The crucial point of data usage is the protection of the data of
individual patients. We have to secure that medical data is just used
by medical professionals like doctors. Also science should be able to
use individual patients’ records for analysis and research, but in an
anonymized way to protect the data of the patient. However, to make
decisions based on real world evidence, policy makers need big
amounts of aggregated data. A big issue here is data standardization.
We can just aggregate and further interpret data, when we implement
scientific methods of standardization first.” Am Ende der
Diskussionsrunde bat Fidler die Experten ihre Wünsche und Hoffnungen
zu Big Data auszudrücken.

Dr. Klaus Schuster, Policy Lead Region Europe, Hoffmann-La Roche
Ltd., sah in Big Data die Möglichkeit zu verstärkter Kooperation im
Gesundheitswesen: “My expectation is that big data will enable us to
truly individualize therapy for many disease entities. My second
expectation is that the sharing of data and collaboration in data
mining and interpreting will bring all stakeholders in the health
system closer together, which itself is a big opportunity for a
sustainable HC system.” Tünde Szabo sprach sich für eine aktivere
Rolle der Geundheitsexperten in digitalen Umgebungen aus:“We health
experts should be influencers for health care decisions such as
prevention and vaccination, as well as seeking proper oncology care
instead of alternative medicine right at the place where people shape
their minds. We should be present on Twitter and Facebook because
that is where the people are.”

Zum Schluss betonte Orosz ihre Hoffnung, dass durch die
Vereinheitlichung der Datensätze ein europaeinheitliches
Informationssystem zu Krebs in Reichweite sei:

“My expectation is that we will find an actor, be it public policy
makers, institutions or others, who will lead the process of creation
of a European comprehensive system on cancer.”

Datenevidenz bei Wissenschaft, Forschung & Innovation

Am Nachmittag widmete man sich in einer Session zunächst dem
weitläufigen Themenfeld von Wissenschaft, Forschung und Innovation.
Daten und deren Funktion im Gesundheitswesen spielten hierbei eine
große Rolle. Konkret ging Prof. Dr. Ansgar Weltermann auf deren
Beitrag zu einer besseren Medizin der Zukunft ein: „Gerade in der
Onkologie ist die Medizin bereits so komplex, dass nur mehr der
spezifische Experte in der Lage ist, einen komplexen Tumorpatienten
optimal zu behandeln. 2013 haben in Oberösterreich onkologische
Experten gemeinsam mit ihren Spitalsträgern ein Tumorzentrum
gegründet, in dem Patienten unabhängig von dem Spital in dem sie
aufgenommen werden, nach einheitlichen Kriterien diagnostiziert und
behandelt werden. Hierzu wurden zwischenzeitig mehr als 40
medizinische Leitlinien entwickelt. Diese werden im Schnitt alle 6
Monate aktualisiert und sie lassen uns auf ein großes Datenfeld
schauen. Wir verwenden dabei eine Datenbank und benutzen diese auch
zur Zertifizierung. In weiterer Folge können wir die Daten auch mit
anderen – national und international – vergleichen“, so Weltermann.
In England werden längst konkrete Outcome Zahlen eines spezifischen
Chirurgen zu einer spezifischen Operation veröffentlicht. „Davon sind
wir in Österreich noch weit entfernt“, ergänzte Weltermann.
Dr. Nikolas Popper, wissenschaftlicher Leiter der dwh GmbH und Leiter
von Dexhelpp, knüpfte an und ergänzte: „Wir müssen schauen, schnell
vorhandene Möglichkeiten der Datenanalyse und Modellierung aus
unterschiedlichen Disziplinen zusammen zu bringen und so aus den
Daten, die wir haben wirklich Mehrwert zu gewinnen, nur so können wir
sinnvoll etwas weiterbringen“.

Prof. Dr. Reinhard Riedl, Leiter des Fachbereichs Wirtschaft an der
Berner Fachhochschule, griff dann die Themen Government und Digital
Skills auf: „In der Schweiz will man nicht abhängig sein. Daher hat
man sich zu einem nationalen Forschungsplan zu Big Data entschieden
und verfolgt das Ziel einer nationalen Dateninfrastruktur. Beides
hat unweigerlich mit dem Gesundheitswesen zu tun. Da dies einer der
wichtigsten Anwender der angewandten Datenwissenschaft ist, sind
genau hier die besonders großen Probleme“, so Riedl, der auch der
Ethik in diesem Zusammenhang große Bedeutung beigemessen hat und eine
innigere Reflexion mit Daten einer Überregulieren gegenüber
präferieren würde.

Über das Gesagte reflexierten anschließend u.a. Peter Halwachs,
Geschäftsführer der LISA Vienna, Mag. Jan Pazourek, Generaldirektor
der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse (NÖGKK) und Dr.
Johannes Pleiner-Duxneuner, Medical Director bei Roche Austria.

„Eine wichtige Rolle spielen auch Politik und Gesetzgeber. Derzeit
kommen vier europäische Verordnungen in die Umsetzung. Die
Datenschutzgrundverordnung, die Clinical Trial Regulation, die
Medizinprodukteverordnung und die In-vitro-Diagnostika Verordnung.
Bei der nationalen Umsetzung ist darauf zu achten, dass wir die
Bedürfnisse aller Akteure im System, also auch jene von Industrie und
Wissenschaft, beachten“, so etwa DI Peter Halwachs.

Später ging man in einer Podiumsdiskussion der onkologischen
Versorgung heute und morgen auf den Grund. Dabei wurde das
„Seitenstettener Manifest zur zukünftigen onkologischen Versorgung
Österreichs“ präsentiert, das Diskussionsanregungen formuliert, um
das aktuell hohe Niveau der onkologischen Versorgung auch morgen noch
garantieren zu können. Zahlreiche Experten haben ihren Input dafür
geliefert und ihre Unterschrift daruntergesetzt. So auch Univ.-Prof.
Dr. Michael Gnant, der den Dialog der letzten Tage sehr begrüßte und
hervorhob: „Den Geist von Praevenire auch nach außen zu tragen ist
worum es letztlich geht. Es ist wichtig, dass diese bedeutsamen
Anliegen weitergetragen werden – zu jenen, für die sie letztlich
gemacht sind – die Patienten“, so Gnant.

PRAEVENIRE bedankt sich bei folgenden Unterstützern...

...für ihren Inhaltlichen Beitrag:
Alois Mock Institut, AM PLUS, Berner Fachhochschule, Berufsverband
Österreichischer Dermatologen, Berufsberband Österreichischer
Psychologinnen, Bruck an der Mur, Darm Plus, Satteins, Haslach,
Georg, Institut für Atemwegs und Lungenerkrankungen GmbH,
Guntramsdorf, MedUni Wien, Institut für spezifische Prophylaxe und
Tropenmedizin der MedUni Wien, OBGAM, Österreichische
Apothekerkammer, Österreichischer Apothekerverband, ÖBSV, ÖGKH,
Österreichische Gesellschaft für Nephrologie, ÖGPMR, ÖGVAK,
Pöggstall, Sierning, Stockerau, vfwf

...für ihren finanziellen Beitrag:
Baldinger und Partner, Celgene, Daiichi-Sankyo, Gilead, Industriellen
Vereinigung, Klinik Pirawarth, MedUni Wien, MSD, Österreichischer
Apothekerverband, ÖBSV, Roche, Vamed

Ziel des PRAEVENIRE Gesundheitsforums ist es auch in diesem Jahr,
vorhandenes Wissen in Zusammenarbeit mit nationalen und
internationalen Experten in Programme zu übersetzen, deren Umsetzung
einen direkten Nutzen für die Bevölkerung stiftet. Die
Erfolgsindikatoren der Umsetzung werden gemeinsam von Experten und
den Vertretern der Gemeinde bestimmt. Dieses Jahr werden die
Themenbereiche Onkologie sowie der Bewegungs- und Stützapparat
behandelt.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WDM

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