- 12.05.2017, 17:57:49
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OÖNachrichten-Leitartikel: "Wahl 2017 - es kann nur einen geben", von Wolfgang Braun
Ausgabe vom 13.5.
Utl.: Ausgabe vom 13.5. =
Linz (OTS) - Wer in den vergangenen 24 Stunden Aussagen hoher
ÖVP-Politiker gelesen oder gehört hat, muss sich verwundert die Augen
reiben. Neuwahlen seien der einzige Weg, weil die Menschen die Nase
voll von dieser Regierung hätten, wetterte etwa der Tiroler
Landeshauptmann Günther Platter. Seine Parteikollegen argumentierten
ähnlich - und irgendwie hörte sich das alles an, als ob die
Bundesregierung ein Naturereignis wäre und die ÖVP nur durch
unglückliche Zufälle oder höhere Gewalt in diese Koalition gerutscht
ist.
So redet man, wenn man schon im Wahlkampftunnel steckt. Das gilt
nicht nur für die ÖVP. Auch Kanzler Christian Kerns Angebot an
Sebastian Kurz, die Koalition als Reformpartnerschaft fortzusetzen,
ist in erster Linie ein taktischer Schachzug, um der ÖVP das Etikett
Regierungs-Sprengmeister anheften zu können.
Vergangene Woche sind sich Kern und Kurz zufällig bei einer
Unternehmenseröffnung in Pasching in die Arme gelaufen. Da war
bestenfalls eisige Höflichkeit, und jeder, der es miterlebt hat,
konnte spüren: Es kann nur einen geben.
Die Ausgangslage für den Wahlkampf ist spannend wie selten. Alle
Umfragen, die die Volkspartei mit einem Abstand von rund zehn
Prozentpunkten abgeschlagen hinter SPÖ und FPÖ sahen, sind nun
Makulatur.
In der ÖVP hofft man auf den Kurz-Effekt. Daher werden die
Parteigranden auch den meisten Forderungen von Kurz nach mehr
Durchgriffsmöglichkeiten bei der Listenerstellung etc. nachgeben. Der
junge Außenminister hat nun für ein paar Monate freie Hand. Aber die
Akzeptanz dieser erweiterten Macht wird nur halten, wenn Kurz liefert
- und tatsächlich Kanzler wird.
In der SPÖ wiederum sind wichtige Landesparteien wie die Wiener und
die oberösterreichische SPÖ mit eigenen Problemen beschäftigt. Das
kann ein entscheidendes Handicap sein. Kanzler Christian Kern muss
darauf hoffen, dass nichts schneller zusammenschweißt als eine
Bedrohung von außen.
Die Freiheitlichen machen die Wahl zum Dreikampf um das Kanzleramt.
Allerdings hat der blaue Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache
zwischen Kern und Kurz ein
Frischeproblem.
Kern und Kurz sind beide Politiker, die eine Ära begründen können.
Und beide
wissen, dass sie dazu wohl nur diese eine Chance im Herbst 2017 haben
werden.
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