- 12.05.2017, 08:51:13
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PRAEVENIRE Gesundheitsforum Seitenstetten: Im Zeichen der Gesundheit

Seitenstetten (OTS) - Im Rahmen des 2. PRAEVENIRE
Gesundheitsforums wurden „Gesundheitskompetenz & Prävention“ sowie
„Diagnose & Therapie“ in den Bereichen Onkologie und Bewegungs- und
Stützapparat am 11. Mai als Themenschwerpunkte umfassend diskutiert.
Eine Videobotschaft der österreichischen Bundesministerin für
Gesundheit und Frauen, Dr. Pamela Rendi Wagner, stimmte die
Teilnehmer des PRAEVENIRE Gesundheitsforums auf den Tag ein. Sie
wünschte ihnen konstruktive Diskussionen und viel Erfolg bei der
Erarbeitung konkreter Projektpläne zur Umsetzung in den PRAEVENIRE
Partner-Gemeinden.
Tag zwei des diesjährigen PRAEVENIRE Gesundheitsforums Seitenstetten
begann mit der Eröffnung durch Dr. Armin Fidler, Vorsitzender des
PRAEVENIRE-Boards. Er betonte die Bedeutsamkeit der Stärkung von
Gesundheitskompetenz und Prävention in der Zukunft und freute sich
auf angeregte Diskussionen zu dem Thema. Im Rahmen einer Präambel
vollzog Prof. Dr. Viktor Mayer-Schönberger von der Universität Oxford
zunächst eine 360° Analyse zum Thema Gesundheitsversorgung. Unter dem
Schlagwort „Big Data“ legte er eine neue Sichtweise auf die Welt dar:
„Die Perspektive durch ‚Big Data‘ ermöglicht uns nichts Anderes als
bessere Entscheidungen zu treffen. Fakten sind dafür die beste
Entscheidungsgrundlage. Wir haben die Hoffnung aus der zusätzlichen
Datenmenge neue Erkenntnisse gewinnen zu können. Um die passenden
Antworten zu bekommen, müssen wir zunächst die richtigen Fragen
stellen. Die Hoffnung von Big Data ist damit verbunden, dass wir
diesen Prozess umkehren können und erst aus der Analyse der
gewonnenen Daten die Fragen stellen“, so Mayer-Schönberger eingangs.
Dr. Pamela Rendi Wagner, Bundesministerin für Gesundheit und Frauen,
betonte anschließend die Zielsetzung des PRAEVENIRE Gesundheitsforums
Seitenstetten, nämlich, den gesunden Menschen in der gesunden
Gesellschaft zu thematisieren und zu fokussieren: „Genau an dieser
Stelle setzen auch wir im Gesundheitsministerium mit unserer
Gesundheitspolitik an. Es geht uns darum, alle Menschen zu erreichen
- unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Einkommen oder sozialem
Status. Aus diesem Grund wurde 2011 der Prozess der Gesundheitsziele
Österreich ins Leben gerufen. Seither setzen wir erfolgreich
Maßnahmen in den verschiedensten Gesundheitsbereichen um. Der Prozess
garantiert, dass wir eine gesamtgesellschaftliche und
gesamtpolitische Sicht auf das Thema Gesundheit haben – so wie es
auch das Gesundheitsforum Seitenstetten tut“, so die
Gesundheitsministerin in ihrer Videobotschaft. Es folgten Impulse zu
den Themen Gesundheitskompetenz und Prävention, deren Stärkung auch
in den Gesundheitszielen verankert ist.
Im Anschluss sprach Gabriele Heinisch-Hosek, Bundesministerin a. D.
und Abgeordnete zum österreichischen Nationalrat über die Bedeutung
der Gesundheitskompetenz und unterstrich den Aufholbedarf im Bereich
Gesundheitskompetenz, den wir in Österreich haben: „In unserer
komplexen Lebenswelt steht uns Alles zur Verfügung und es wird
zunehmend schwieriger zu filtern, was uns gut tut und was nicht –
darüber hinaus, welchen Informationsquellen wir vertrauen können und
welchen nicht. Gesundheitskompetenz gehört zu den Soft Skills des 21.
Jahrhunderts. Das Vermögen, die Fülle an Möglichkeiten richtig zu
nutzen, trägt damit entscheidend zu unserer persönlichen Gesundheit
bei“, so Heinisch-Hosek.
Auch die Leiterin des Instituts für Outcome Research von der
Medizinischen Universität Wien, Dr. Tanja Stamm, wies in ihrem
Vortrag zum Thema Prävention auf Folgendes hin: „Die
Gesundheitswirkungen von regelmäßiger Aktivität sind wissenschaftlich
bestens belegt. Gesundheitskompetenz spielt im muskoloskelettalen
Bereich eine wichtige Rolle, es gibt jedoch kaum Studien dazu. Man
sollte folglich schon im Kindesalter damit starten, den Bewegungs-
und Stützapparat gesund zu halten. Es geht nicht nur um eine
Steigerung der körperlichen Fitness, sondern auch darum, das
Wohlbefinden zu steigern. Das Wissen über die Ergonomie, also wie man
korrekt bestimmte Bewegungen ausführt, trägt ebenso zur
Gesundheitskompetenz bei. Zusammenfassend möchte ich festhalten,
dass Mobilität und Selbstständigkeit entscheidende Faktoren für die
Lebensqualität in jedem Lebensalter sind.“
Den Themenblock Diagnose & Therapie im Bereich Onkologie eröffnete
Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant mit einem Impuls über den Stand der
Forschung beim Mammakarzinom. „Brustkrebs ist eine Volkskrankheit,
aber wir sind schlecht bei der Prävention. Früherkennung ist
schwierig, aber es ist wichtig, dass es ein
Brustkrebsfrüherkennungsprogramm gibt. Wir haben ein umfassendes
Betreuungsangebot und konnten Interdisziplinarität bei diesem
Krankheitsbild landesweit institutionalisieren. Es gibt z.B.
Tumorboards, wo jeder Patient im Team besprochen wird. Fast 80 %
aller PatientInnen werden in sogenannten Brustgesundheitszentren
behandelt, das könnte ein Vorbild für andere onkologische Fächer
werden. Die Inzidenz von Brustkrebs ist gleichbleibend, aber die
Mortalität hat sich gleichzeitig verringert, darauf können wir stolz
sein. Wir haben Brusterhaltungsraten von bis zu 90 % erreicht. Bis zu
30 % aller möglichen Brustkrebspatientinnen Österreichs nehmen an
klinischen Studien teil – das ist Weltrekord,“ so Gnant.
Danach folgte ein Impuls von Univ.-Prof. Dr. Thomas
Bachleitner-Hofmann, Leitung Peritonealkarzionose, Universitätsklinik
für Chirurgie MedUni Wien, über das Kolonkarzinom. Er führte aus:
„Das Kolonkarzinom steht in Österreich, die Häufigkeit betreffend,
bei Frauen an 2. Stelle und bei Männern an 3. Stelle, wobei die
Mortalität bei 50 % liegt. Dies stellt daher ein signifikantes
Gesundheitsproblem dar. Nur ein Fünftel der Patienten in Österreich
werden in einem frühen Stadium erkannt, der Rest der Patienten hat
zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen. Organisierte
Screenings gibt es nur im Burgenland und in Vorarlberg. Eine
Umsetzung dieser Screening Programme österreichweit würde wesentliche
Vorteile bringen: Senkung von Mortalität und Behandlungskosten.“
Anwesend war auch Dr. Alexander Biach, Vorsitzender des
Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, der bei einer Luncheon
Session über seine Pläne berichtete: „"Ich möchte auf fünf
Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems
eingehen: 1. 'Sozialversicherung gemeinsam' – ich erkenne den ganzen
Bereich als mannigfaltigen Bereich an, ich versuche so viele Akteure
wie möglich einzubinden, da man sonst Nichts erreichen kann. Die Zeit
des miteinander Arbeitens soll beginnen. 2. Man vergisst bei
Diskussionen meist darauf, worum es eigentlich geht, „das Wohl der
Menschen“ – das muss im Mittelpunkt aller Aktivitäten stehen. Das
Vertrauen der Menschen in Gesundheitsinstitutionen ist mit 80 % sehr
hoch, das sollte man nicht verspielen. 3. Wir benötigen einen
konkreten Umsatzplan, was Versorgungssicherheit und –struktur
betrifft. Der Bundeszielsteuerungsvertrag ist verlängert worden, als
Ausdruck für den Schulterschluss zwischen allen Akteuren. Es geht um
22 konkrete Maßnahmen z.B. notwendige Ausbildungsqualität im
medizinischen Bereich, Entwicklung elektronischer Unterstützung,
Stärkung der Gesundheitskompetenz, und Behandlung von bestimmten
Erkrankungen. Die Maßnahmen sind mit Zeitplan und
Kostenaufteilungspfad versehen. Ich bin für eine einnahmenorientierte
Ausgabenpolitik: wir müssen die beste mögliche Gesundheitsversorgung
und Dienstleistung mit den vorhandenen Mitteln erreichen. 4.
Pensionsversicherungsbereich: Ich halte nichts davon, Menschen zu
verunsichern, wir müssen ein System haben, das nachhaltig gesichert
wird. So sollte beispielsweise die Kur reformiert werden, damit
Menschen möglichst lange aktiv und erwerbsfähig bleiben. 5.
Leistungsharmonisierung: wir haben ein Akzeptanz Problem bei den
Menschen, denn Menschen verstehen nicht, warum die Leistungshöhen in
den Ländern variieren. Es muss Gerechtigkeit gegeben sein. Ein
Schritt ist, die Leistungen zu harmonisieren um eine gewisse
Gerechtigkeit herzustellen. Ein weiterer Schritt wird sein, mit
Gesetzgeber und Vertragspartnern darüber zu reden. Wir müssen die
Systeme harmonisieren und kompatibel machen, dann können sie
effizienter werden. Die Systeme müssen stabilisiert werden, damit sie
dem Wohl der Menschen dienen können.“
Nach der Mittagspause wurde der 2. Teil des Themenschwerpunkts
Diagnose & Therapie im Bereich der Onkologie zu den Themen
Lungenkarzinom und Hautkrebs von Univ.-Prof.Dr. Klemens
Rappersberger, Vorstand der Abteilung für Dermatologie und
Venerologie, Krankenanstalt Rudolfsstiftung, und Dr. Josef
Bolitschek, Leiter der Abteilung für Lungenkrankheiten,
Landeskrankenhaus Steyr, dargelegt.
Der 3. Themenschwerpunkt des Tages im Bereich Diagnose & Therapie
beschäftigte sich mit dem Bewegungs-& Stützapparat. Die Thematik
wurde mit Impulsen über degenerative & entzündliche rheumatische
Erkrankungen von Dr. Michael Bonelli, Facharzt für Innere Medizin an
der Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien, Dr.
Rudolf Puchner, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für
Rheumatologie, Dr. Peter Mandl, Facharzt für Innere Medizin an der
Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien, sowie
Priv.-Doz. Dr. Daniel Aletaha, Oberarzt an der Universitätsklinik für
Innere Medizin III, MedUni Wien, umfassend erörtert.
Ziel des PRAEVENIRE Gesundheitsforums ist es auch in diesem Jahr,
vorhandenes Wissen in Zusammenarbeit mit nationalen und
internationalen Experten in Programme zu übersetzen, deren Umsetzung
einen direkten Nutzen für die Bevölkerung stiftet. Die
Erfolgsindikatoren der Umsetzung werden gemeinsam von Experten und
den Vertretern der Gemeinde bestimmt. Dieses Jahr werden die
Themenbereiche Onkologie sowie der Bewegungs- und Stützapparat
fokussiert.
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