90 Jahre Heilsarmee Österreich

Von der Suppenküche zur Delogierungsprävention

Wien (OTS) - Die Heilsarmee Österreich ist 90 Jahre alt. Das war Anlass für eine Pressekonferenz, an der auch General André Cox, der internationale Leiter der Heilsarmee, teilnahm. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Heilsarmee Österreich, Major Hans-Marcel Leber und Wohnungslosenhilfe Expertin Mag. DSA Ulrike Knecht berichtete er vom Auftrag und der Arbeit der Heilsarmee.

Mehr als ein Hilfswerk

"Die Heilsarmee hat wichtige Veränderungen in Österreich bewirkt", sagt General André Cox. "Sie ist in der Sozialarbeit sehr engagiert für Menschen in Armut." Das sei, wofür die Heilsarmee weltweit kämpfe. Dabei sei sie mehr als ein Hilfswerk. Als Heilsarmee verbinde sie Glauben und Handeln. Ihr soziales Engagement sei die praktische Umsetzung ihres Glaubens und ihrer Überzeugungen. In diesem Sinne hatte William Booth die Heilsarmee damals gegründet. Und so seien Leute bis heute unsicher, ob sie die Heilsarmee als eine NGO, eine Wohltätigkeitsorganisation oder eine Kirche verstehen sollen. "Um ehrlich zu sein, ist sie all das", so Cox. "Wir sind eine Organisation von Menschen, die glauben, dass das Evangelium predigen weniger in Worten als vielmehr in Handlungen geschieht, zu denen uns der Glaube motiviert." Dies auch darum, dass die Welt auch heute noch kein sicherer Ort ist für viele Menschen.

Helfen, wo Hilfe gebraucht wird

In Europa erleben wir in den letzten Jahren die grösste Flüchtlingswelle seit dem zweiten Weltkrieg. Das stellt eine grosse Herausforderung dar. Die Heilsarmee hat darauf reagiert, hebt General André Cox hervor, auch an Orten, an denen sie nicht stark präsent ist, wie Italien und Griechenland. „Ich bin sicher, die Gründer der Heilsarmee wären froh, dies zu sehen", so der General. „Menschen krempeln ihre Ärmel hoch und helfen dort, wo Hilfe gebraucht wird." Und so sind auch Heilsarmee-Gemeinden in Europa Orte geworden, in denen Menschen vorübergehend ein Zuhause finden. Wir sollten, so General André Cox, dabei immer darüber nachdenken, was es bedeutet, in Frieden und Sicherheit zu leben. Denn Not ist weltweit nach wie vor da, nicht zuletzt in Afrika, das eine Hungersnot erlebt. „Wenn wir uns in dieser Welt umsehen, dann ist kein Ende für unsere Arbeit in Sicht."

Vernetzung ist wichtig

Die Heilsarmee hier in Österreich begegne Menschen in Not ganz vielfältig, sie helfe alten und armen, wohnungslosen und einsamen Menschen. Was der General besonders hervorhebt, ist die vernetzte Arbeit der Heilsarmee Österreich mit ihren öffentlichen Partnern. Das sei beispielhaft: Die Geschichte der Heilsarmee habe gezeigt, dass man vor allem dann richtig helfen kann, wenn man seine Hände ausstreckt und Partner gewinnt. „Ich glaube", schließt der General, „dass wir diese Welt zu einem besseren Ort machen können, wenn wir zusammenarbeiten."

Vielfältige Angebote

Neben der christlichen Gemeindearbeit war die Heilsarmee in Österreich von Beginn an stark in der sozialen Arbeit engagiert. Bekannt sind die Suppenküchen und bereits 1930 wurde das erste Obdachlosenheim in Wien eröffnet. Das Angebot an sozialen Einrichtungen ist nach wie vor sehr groß. Derzeit führt die Heilsarmee in Wien 5 verschiedene Einrichtungen in der Wohnungslosenhilfe: Männerwohnheim, Betreutes Wohnen, Sozial Betreutes Wohnen, Mobile Wohnbegleitung und seit neuestem eine Abstinenz Wohngemeinschaft. Parallel dazu gibt es auch in der christlichen Gemeinde der Heilsarmee verschiedene sozialdiakonische Angebote.

Professionelles Helfen als Berufung

Die Arbeit der Heilsarmee hat sich in den letzten 90 Jahren professionalisiert. Das Engagement und die Hilfsbereitschaft der vielen MitarbeiterInnen und freiwilligen HelferInnen ist über die Jahre gleich geblieben. „Menschen, die wir in unserer Arbeit unterstützen, brauchen Hoffnung und Orientierung. Wir begegnen ihnen mit christlicher Nächstenliebe und professioneller Hilfe", so Major Hans-Marcel Leber.

2.500 Delogierungen jährlich

In ihrer Arbeit trifft die Heilsarmee zunehmend auf Menschen, die sich die Miete ihrer Wohnung nicht mehr leisten können. In Wien werden jährlich ca. 2.500 Menschen aus ihrer Wohnung delogiert, davon 900 aus einer Gemeindewohnung. Die Folgekosten sind enorm: 20% der Delogierten kommen innerhalb von 12 Monaten in eine Einrichtung der Wiener Wohnungslosenhilfe. Zudem steigen die Wohnkosten nach einer Delogierung, da die Folgewohnung i.d.R. teurer ist.

Heilsarmee fordert gemeinsames Konzept

Es muss alles unternommen werden, um vorhandenen leistbaren Wohnraum für MieterInnen zu erhalten. Eine Delogierung ist für Betroffene oft ein traumatisches Erlebnis. Die ökonomischen Folgen für die Gesellschaft sind sehr hoch. Eine Delogierung mit Folgekosten ist fünfmal so teuer wie eine erfolgreiche Delogierungsprävention. Daher braucht es eine verbesserte und gut koordinierte

Wohnungssicherung im Gemeindebau. Sie muss aufsuchend und nachgehend sein und die bestehenden Angebote und Maßnahmen gut verknüpfen. „Es gibt großen Bedarf nach strukturierter Wohnungssicherung im Gemeindebau. Dazu benötigen wir ein gemeinsames Konzept und eine Zusammenarbeit von allen derzeit schon beteiligten Fachstellen" lautet eine Forderung von Mag. DSA Mag. Ulrike Knecht, Leiterin der Mobilen Wohnbegleitung der Heilsarmee.

Mehr leistbarer Wohnraum

„Wir brauchen mehr leistbaren Wohnraum, der Wohnungssuchenden hauptmietvertraglich zur Verfügung steht" und „das Ziel muss sein, Delogierung zu verhindern und den leistbaren Wohnraum zu erhalten", fasst Knecht zusammen. 


Die Heilsarmee - seit 90 Jahren in Österreich

Die Heilsarmee ist eine Hilfsorganisation und christliche Glaubensbewegung, die in ihrem "Kampf gegen die Armut" in weltweit 128 Ländern Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützt.

In Österreich wurde die Heilsarmee 1927 gegründet. Die Hilfsorganisation bietet in Österreich eine breite Palette an Hilfeleistungen und sozialen Einrichtungen wie Männerwohnheim, Betreutes Wohnen, Sozial Betreutes Wohnen, Mobile Wohnbegleitung, Gemeindearbeit, Gefangenenseelsorge und Wohnungslosenarbeit an.

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DSA Roland Skowronek
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