Lichtenecker/Walser: Der digitale Wandel braucht als Basis Bildung und digitale Kompetenzen

Fachgespräch des grünen Parlamentsklubs zum digitalen Wandel

Wien (OTS) - Im zweiten Grünen Fachgespräch der Reihe „Digitale (R)Evolution“ standen am Dienstag die Herausforderungen im Zentrum, die sich durch die Digitalisierung in Hinblick auf Bildung und Weiterbildung ergeben. Der Einladung des grünen Parlamentsklubs folgten rund 85 BesucherInnen. Im Zentrum des Fachgespräches im Abgeordnetenzimmer des Parlaments standen die folgenden Fragen, die unter reger Beteiligung der BesucherInnen diskutiert wurden: Was bedeutet digitale Kompetenz und welche Rahmenbedingungen müssen dafür gestaltet werden? Welche Auswirkungen haben die Veränderungen auf die österreichische Bildungslandschaft? Was bedeutet verantwortungsvoller Umgang mit Neuen Medien? Wie werden die Neuen Technologien und die Digitalisierung das Lernen verändern?

Dr. Ruperta Lichtenecker, Wirtschafts- und Forschungssprecherin der Grünen, betonte: „Zur Digitalen Kompetenz zählen nicht nur technisches Wissen sondern besonders auch vernetztes Denken, Kreativität, fachübergreifendes Arbeiten, Medienkompetenz, Projektmanagement und die Freude Neues zu finden. Jetzt gilt es neue Wege zur Stärkung dieser Kompetenzen in jedem Alter zu finden und zudem Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, life long learning als Entwicklungspotential und Freude zu sehen.“

Mag. Julia Bock-Schappelwein vom WIFO betonte mit Hinblick auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes: „Mit dem Einsatz digitaler Technologien wandeln sich die mit einem Arbeitsplatz verbundenen Arbeitsinhalte und Arbeitsanforderungen – ein Prozess, der in Teilbereichen bereits weit fortgeschritten ist. Gefragt ist ein Bündel an formaler Qualifikation, Kompetenzen und Fähigkeiten, die die menschliche Arbeitskraft von Robotern oder programmierten Algorithmen merklich unterscheidet. Der Erwerb von Basiskompetenzen, wie sie im Erstausbildungssystem zu vermitteln sind, ist ein unverzichtbarer Grundstein.“

Lena Doppel, Digital Strategist, führte aus: „Der Digital Native als digital kompetente Person ist eine Fiktion der Medien. Jugendliche von heute können Apps bedienen und über diese kommunizieren. Das ist eine Kommunikationskompetenz und keine IT-Kompetenz.“

Auch Mag. Dr. Sonja Gabriel vom Institut für Forschung und Entwicklung, KPH Wien/Krems, betonte, dass das Aufwachsen mit digitaler Technologie keineswegs mit digitaler Kompetenz gleichzusetzen ist: „Von Digital Natives zu sprechen und zu erwarten, dass die SchülerInnen kompetent mit digitalen Medien umgehen können, weil sie bereits im Kindergarten ein Tablet bedienen können, wäre genauso, als wenn man von diesen Kindern erwarten würde, dass sie komplexe arithmetische Aufgaben lösen können, wenn sie mit einem Taschenrechner aufwachsen.“

Einen völlig neuen Ansatz im Schulwesen verlangt Dr. Klaus Himpsl-Gutermann vom Zentrum für Lerntechnologie und Innovation (ZLI): „Die geplanten Maßnahmen der BMB-Strategie Schule 4.0 weisen in die richtige Richtung, wenn Informatisches Denken schon ab der Volksschule gefördert wird und Medienbildung und digitale Kompetenzen durch einen verbindlichen Lehrplan für die Sekundarstufe 1 wesentlich gestärkt werden. Das wird aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein bleiben, wenn es uns nicht gelingt, LehrerInnen aller Fächer zu erreichen und eine Lernkultur zu etablieren, um Kernaufgaben der Allgemeinbildung wie Förderung von Verantwortungsbewusstsein, Urteilsfähigkeit, Kreativität, Selbstbestimmtheit, Partizipation und Befähigung zur Teilnahme am Arbeitsleben im Sinne einer „Digital Citizenship“ umzusetzen. Kurz gesagt: wir müssen bereit sein, Schule völlig neu zu denken.“

Uni.-Prof. Dr. Christian Swertz, Institut für Bildungswissenschaft, Universität Wien, stellte klar: "Digitale Medien sind eine anspruchsvolle Kulturtechnik, die wie Lesen, Schreiben und Rechnen in der Schule unterrichtet werden muss."

Dr. Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, sah den Schwerpunkt der Herausforderungen darin, einen kompetenten und kritischen Umgang mit Medien im Schulbereich zu vermitteln: "Dass gerade die Schulen im Bereich der technischen Entwicklungen am letzten Stand sein sollten, versteht sich von selbst. Österreich hat bezüglich Digitalisierung in der Bildung leider schon einiges verschlafen. In den Bemühungen, hier aufzuholen, ist allerdings darauf zu achten, dass Schulen nicht vorrangig zu Dienstleistungsinstitutionen für die Wirtschaft verkommen und Monopolstellungen von Hard- und Softwareanbietern Vorschub leisten, wo zudem auch der Datenschutz auf der Strecke bleiben könnte. Die geplante Digitalisierungsoffensive in unseren Schulen muss ausreichend finanziert werden und – viel mehr als derzeit geplant – den Fokus auf eine kritische Medienbildung legen. Das Erlernen eines kompetenten Umgangs mit digitalen Medien wird vermutlich eine der großen Herausforderungen unseres Bildungssystems."

Das nächste Fachgespräch der Grünen Veranstaltungsreihe „Digitale (R)Evolution“ wird am 12. Juni im Palais Epstein stattfinden und sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt beschäftigen.

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