Versicherungsmakler klagen Online-Plattform durchblicker.at

Fachverband der Versicherungsmakler fordert fairen Wettbewerb und Transparenz für Konsumenten

Wien (OTS) - Österreichs Haushalte sparten 2016 über 36 Millionen Euro hieß es vor kurzem in einer Aussendung des Online-Vergleichsportals durchblicker.at der YOUSURE Tarifvergleich GmbH. Man gehe davon aus, dass die Österreicher durch die Nutzung der Durchblicker-Dienste ihre Fixkosten im Jahr 2017 um mehr als 50 Millionen Euro senken werden, war außerdem zu lesen. Wie diese Ersparnisse berechnet werden, ist nicht nachvollziehbar. Auf der Website des Portals wird man dann auf eine Zahl in zweistelliger Millionenhöhe aufmerksam gemacht, welche die Anzahl der bereits berechneten Vergleiche angeben soll, und sich mittels „Ticker“ oft im Sekundentakt erhöht. Unabhängig von Wochentag und Tageszeit variiert diese unglaublich hohe Zahl und zeigt dann sogar einen niedrigeren Wert an, als am Tag davor. Da fragen sich die Konsumenten zurecht, wo hören Fakten auf und wo fängt Beeinflussung an?

Eine Frage, die auch den Fachverband der Versicherungsmakler beschäftigt. Denn beim „Versicherungsvergleich“ verstößt durchblicker.at in vielerlei Hinsicht nicht nur gegen die Gewerbeordnung, sondern auch gegen das Wettbewerbsrecht. Das ergab eine umfassende Expertise. „Als Interessensvertretung setzen wir uns, gemäß den Erwartungen unserer Mitglieder, dafür ein, dass sich alle an dieselben Regeln halten. Unsere Aufgabe besteht außerdem darin, fairen Wettbewerb zwischen allen TeilnehmerInnen am Versicherungsmarkt zu gewährleisten, die Beratungsqualität weiter zu erhöhen und das Vertrauen der KonsumentInnen zu stärken. Mit diesen irreführenden Dienstleistungen schadet durchblicker.at der gesamten Branche“, erklärt Christoph Berghammer, MAS, Fachverbandsobmann der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Irreführend ist beispielsweise, wenn unter dem Punkt „Anbieter“ auch jene großen Versicherungsunternehmen aufgelistet sind, die die Teilnahme am Vergleich ausdrücklich abgelehnt haben. Damit wird auf durchblicker.at der Eindruck vermittelt, beim Versicherungsvergleich den gesamten Markt abzubilden, was bei den KonsumentInnen falsche Erwartungen weckt. Lediglich im Kleingedruckten erhält man die offensichtlich unzureichende Information, dass eine Tarifberechnung nicht möglich ist, da diese maßgeblichen Anbieter am Vergleich nicht teilnehmen wollen. Auf Grund dieser spärlichen Vergleichsergebnisse wird kein ausreichender Marktüberblick geboten. Für KonsumentInnen nicht transparent ist außerdem, nach welchen Parametern eine Reihung der Ergebnisse des Vergleichs der Versicherungsprodukte erfolgt.

„Als Laie verlässt sich der Konsument naturgemäß darauf, dass beim Versicherungsvergleich der gesamte Markt abgebildet wird. Wenn jedoch mehr als fünf große Anbieter am Vergleich nicht teilnehmen, ist dies nicht möglich und widerspricht das den Standesregeln eines unabhängigen Versicherungsmaklers, der zur Vermittlung des bestmöglichen Versicherungsschutzes – also zum „best advice“ – verpflichtet ist“, betont Berghammer.

Obwohl die YOUSURE Tarifvergleich GmbH in ihren AGB auch die Allgemeinen Bedingungen für Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten abbildet, ist unklar, ob beziehungsweise wann sie auf durchblicker.at als Versicherungsmakler, als Versicherungsagent, als Vergleicher von Angeboten oder als Tippgeber auftritt. Die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften für Versicherungsmakler ist jedenfalls nicht gewährleistet. Ein Versicherungsmakler unterliegt nämlich der Beratungs- und Dokumentationspflicht. Die YOUSURE Tarifvergleich GmbH müsste demzufolge den Kunden, entsprechend dessen Angaben, Wünschen und Bedürfnissen, vor jedem Abschluss persönlich beraten. Über diese Beratung wäre außerdem ein Protokoll mit den Angaben des Kunden und den Ratschlägen anzufertigen, wovon der Kunde eine Abschrift erhalten müsste. Diesen Pflichten, die neben dem Maklergesetz auch die Gewerbeordnung gesetzlich verpflichtend vorschreibt und die auch in den Standesregeln verankert sind, kommt die YOUSURE Tarifvergleich GmbH nicht nach.

„Beim Online-Versicherungsvergleich fehlt den Konsumenten derzeit noch die nötige Transparenz. Vor Abschluss eines Versicherungsvertrages muss der Versicherungsmakler die Polizze prüfen und dem Konsumenten die Möglichkeit geben, die Versicherungsbedingungen zu lesen. Auch eine angemessene Risikoanalyse muss vorab erfolgen und der Versicherungsnehmer im persönlichen Beratungsgespräch umfassend über die Risiken informiert werden. Ein Telefonat mit einem nicht ausreichend fachkundigen Mitarbeiter eines Callcenters reicht dafür nicht aus“, so Fachverbandsobmann Berghammer.

Fairer Wettbewerb und Informationspflicht der Versicherungsmakler gegenüber ihren Kunden ist auch Bestandteil der Europäischen Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD), die bis Anfang 2018 in österreichisches Recht umgesetzt werden soll. Der Rechtsstreit zwischen Versicherungsmaklern und der Online-Plattform durchblicker.at soll auch Klarheit darüber schaffen, welche Rahmenbedingungen für den Online-Vertrieb von Versicherungen gelten, damit sich künftig wirklich alle Marktteilnehmer an dieselben Regeln halten. Denn kaum ein Berufsstand hat so strenge Qualitätsansprüche an sich selbst wie die Österreichischen Versicherungsmakler und davon sollen die Konsumentinnen und Konsumenten auch in Zukunft profitieren.

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Andrea Magdoin-Braunsdorfer, MAS
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