NÖ Ärztekammer und Arbeiterkammer NÖ diskutieren zum Thema „Verderben viele Köche den Brei?“

7. Tag der Gesundheitsberufe in Niederösterreich untermauert die Bedeutung und Kooperation starker Interessensvertretungen

Wien (OTS) - Im Rahmen des 7. Tages der Gesundheitsberufe in Niederösterreich in St. Pölten ergreifen heute, Freitag, die Interessenvertretungen der Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufe die Gelegenheit, gemeinsam mit Betriebsräten, Experten und Praktikern aus den Betrieben über die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens zu diskutieren. OA Dr. Josef Sattler, Betriebsratsvorsitzender und langjähriger Vorsitzender des Verwaltungsausschusses des Wohlfahrtsfonds der NÖ Ärztekammer, zeigt gleich zu Beginn der Tagung auf: „Das österreichische Gesundheitssystem ist zwar nach wie vor eines der besten der Welt, es stehen aber dennoch viele Probleme an, die dringend gelöst werden müssen. Einerseits muss die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung auf höchstem Niveau gesichert werden, andererseits sind die Arbeitsbedingungen jener Menschen, die in diesem System wertvolle Arbeit leisten, zu verbessern. Doch es ‚mischen viele Köche‘ mit, wenn es um das Thema Gesundheit geht. Das kann zu Nachteilen führen, langfristig bringt es aber nahezu immer Vorteile mit sich.“ Werden Entscheidungen im Vorfeld von den Betroffenen und Interessenvertretungen ausführlich diskutiert und dadurch anschließend von diesen mitgetragen, halten sie in der Regel länger und stehen auf einer breiten und gesicherten Basis.

Die föderale Struktur mit neun Bundesländern prägt das Krankenversicherungssystem und das Gesundheitssystem bezüglich Finanzierung und Versorgungsstrukturen in Österreich. Die Hauptakteure Bund, Länder, Sozialversicherungen und Interessensvertretungen sind auf Bundes-, aber auch auf Landesebene dringend dazu aufgerufen, gemeinsam eine Zukunftsperspektive zu entwickeln sowie entsprechende qualitätssichernde Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen. „Wir brauchen dringend Strukturreformen, da sonst tiefe Einschnitte unumgänglich sein werden, denn die Gesundheitsausgaben werden ohne Gegensteuerung bis 2030 um ein Viertel steigen“, ist Dr. Thomas Czypionka, stellvertretender Direktor des Instituts für Höhere Studien und Leiter der Forschungsgruppe Health Economics und Health Policy, überzeugt.

NÖ Ärztekammer und Arbeiterkammer NÖ fordern lösungsorientiertes Vorgehen

Über das Hauptziel sind sich alle Player im Gesundheitswesen einig. OA Dr. Wolfgang Walentich, sozialpolitischer Sprecher der NÖ Ärztekammer, fordert: „Um eine nachhaltige Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens zu erzielen, erfordert die Organisation der modernen Medizin Intelligenz mit Herz und Hirn, wobei wir primär von den Bedürfnissen der Patienten ausgehen.“ AK-Vizepräsidentin DGKS Brigitte Adler umreißt die Lage – dem Bild mit den Köchen und der Küche treu bleibend – so: „Letztlich geht es ja in der Gastronomie nur um die Gäste, dass es ihnen auch gut schmeckt und die Gäste nicht allzu lange auf die Speisen warten müssen und dass das gute Essen auch noch finanziell erschwinglich ist. Wie es in der Küche zugeht, interessiert im Regelfall die Gäste kaum, wenn nur das Essen passt.“ 

Neben den Patienten geht es aber auch um die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Reinhard Waldhör, Vorsitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft, umreißt die Forderungen der Arbeitnehmervertreter: „Wir brauchen die gesetzliche Verankerung einer bundesweit einheitlichen Personalbedarfsberechnung. Allen Betreibern von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen soll so die Mindestanzahl und die Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwingend vorgeschrieben werden.“

Die Vertreter der NÖ Ärztekammer und der Arbeiterkammer NÖ weisen abschließend auf die Bedeutung einer guten und engen Zusammenarbeit der beiden Interessensvertretungen hin, die österreichweit einmalig ist. Die Bündelung der Kräfte für Arbeitsverbesserungen im Gesundheits- und Sozialbetreuungsbereich ist heute wichtiger denn je. Gemeinsam treten die beiden Kammern daher dafür ein, vor allem in Niederösterreich ein qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem zu erhalten und die Arbeitsbedingungen der Menschen, die in diesem Bereich beschäftigt sind, zu verbessern. Als Sozialpartner werden sie auf Augenhöhe ihre jeweiligen Gestaltungsmöglichkeiten für eine vernünftige und nachhaltige Entwicklung in Gesamtverantwortung einbringen.

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