SPÖ Wien Frauenkonferenz (3): Gerechtigkeit heißt, jene stärken, die nicht die lauteste Stimme haben

Talkrunde mit Pamela Rendi-Wagner, Sandra Frauenberger, Eva Czernohorszky und Gerlinde Hauer über gute Arbeitsbedingungen für Frauen.

Wien (OTS/SPW) - Die Vielfalt der Frauenbewegung der SPÖ Wien zeigte sich auf der Frauenkonferenz auch in der Anzahl der Anträge. Zwölf unterschiedliche Themenbereiche wurden rege diskutiert, darunter zum Beispiel die Forderung nach einer Frauenquote in der Privatwirtschaft, die soziale Absicherung von Vereinbarkeit für selbständig erwerbstätige Frauen, der Schutz von Frauen und Mädchen vor HIV/Aids oder die Wichtigkeit der internationalen Solidarität in Bezug auf das Selbstbestimmungsrecht der Frauen. Außerdem setzten sich die Delegierten mit Anträgen für ein Wiener Frauentaxi, für eine "Palliativ-Initiative für Wien" und für ein Peer-To-Peer-Schulprojekt auseinander.

Nach der Behandlung der Anträge ging es weiter mit einem Talk. Unter dem Motto "Frauen schaffen Zukunft" diskutierten Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner, die Stadträtin für Soziales, Gesundheit und Frauen Sandra Frauenberger, Eva Czernohorszky, Abteilungsleiterin Technologie Services der Wirtschaftsagentur Wien und Gerlinde Hauer von der Arbeiterkammer Wien, Abteilung Frauen und Familie. Dabei ging es unter anderem um Frauenquoten, faire Arbeitsplätze, Mädchenförderung und gute Rahmenbedingungen, damit Frauen beruflich weiterkommen.

Frauenberger: Ungleichheiten aufdecken

"In Wien nehmen wir aktive Frauenförderung ernst und begnügen uns nicht nur mit Lippenbekenntnissen", stellte dazu Gesundheits-, Sozial- und Frauenstadträtin Sandra Frauenberger fest. Deswegen werde heuer der zweite Wiener Gleichstellungsmonitor veröffentlicht. "Wir wollen messen, ob wir mit unseren Aktivitäten erfolgreich sind. Zahlen, Daten und Fakten waren in der Geschichte der Frauenbewegung immer ein wichtiges Mittel, um Ungleichheit aufzudecken. Deswegen haben wir in Kooperation mit dem AK-Frauenreferat eine Studie erstellt, die sich einer der historisch wichtigsten Forschungen der Arbeiterinnengeschichte widmet", so Frauenstadträtin Sandra Frauenberger.

Vor 85 Jahren wurde die Erhebung »So leben wir … 1320 Industriearbeiterinnen berichten über ihr Leben" von Käthe Leichter veröffentlicht. Damals wurde das Leben von Arbeiterinnen um 1930 ausführlich erfasst und damit ein Meilenstein in der Sozialforschung gesetzt. Anlässlich dieses Jubiläums wurde die Neuauflage dieser Studie von der Frauenabteilung der Stadt Wien, MA 57, gemeinsam mit dem Frauenreferat der Arbeiterkammer erstellt. "Denn Gerechtigkeit heißt für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten auch, die Lebensrealitäten derer zu kennen, die nicht die lauteste Stimme und die stärkste Lobby haben", betonte Frauenberger.

Rendi-Wagner: Gemeinsam die Situation für Frauen in ganz Österreich verbessern

Um Gerechtigkeit im Arbeitsleben ging es auch Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner. "Was brauchen Frauen, damit es ihnen im Arbeitsleben gut geht? Sie brauchen gerechte Entlohnung, faire Chancen, um nach oben zu kommen und gute Rahmenbedingungen, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Wien ist in vielerlei Hinsicht Vorbild, wenn es darum geht, diese Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Lohnschere ist niedriger als im Österreichschnitt und die Kinderbetreuung - gerade bei den Unter-Dreijährigen - vorbildlich. Das haben wir einer starken sozialdemokratischen Frauenpolitik zu verdanken", stellte Frauenministerin Rendi-Wagner fest. "Gemeinsam müssen wir dafür sorgen, die Situation für Frauen in ganz Österreich zu verbessern. Daher brauchen wir einen Mindestlohn von 1.500 Euro, mehr Lohntransparenz, ein zweites Gratiskindergartenjahr und eine Quote für Führungspositionen in der Privatwirtschaft", so Rendi-Wagner.

Hauer: Einkommensgerechtigkeit braucht Maßnahmen auf betrieblicher Ebene

Gerlinde Hauer von der Arbeiterkammer Wien hielt zu Arbeitsbedingungen fest: "Verstärkte digitale Arbeitsformen, wie z.B. in Form von Home-Office-Tätigkeiten schaffen nicht per se bessere Arbeitsbedingungen und eine Erleichterung bei der Vereinbarkeit. Hier wäre es sinnvoll, sich verstärkt mit neuen Arbeitsorganisationsformen auseinanderzusetzen, wie beispielsweise dem holländischen "Buurtzorg"-Modell in der mobilen Pflege, und mit geschlechtergerechten Arbeitszeitmodellen, wie zum Beispiel einer Familienarbeitszeit - ein Modell, das in Deutschland viel diskutiert wird."

Hauer betonte, dass die ungleiche Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit auch in Zeiten des digitalen Wandels eine zentrale Herausforderung bleibe, ebenso wie die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Einkommensunterschiede. "Hier braucht es Maßnahmen auf vielen verschiedenen Ebenen, insbesondere auch auf der betrieblichen Ebene. Instrumente, wie die Einkommensberichte, sind wichtige Hebel in Richtung mehr Einkommensgerechtigkeit, die ausgebaut werden müssen".

Wahlergebnis: Renate Brauner als Frauenvorsitzende wiedergewählt

Bei der heutigen Frauenkonferenz der Wiener SPÖ wurde auch das Wiener Frauenkomitee wiedergewählt. Renate Brauner wurde als Vorsitzende der Wiener SPÖ Frauen mit 78,7 Prozent bestätigt. Das Präsidium bestehend aus Nationalrätin Petra Bayr (94,1 Prozent), Stadträtin Sandra Frauenberger (87,8 Prozent) und Nationalrätin Andrea Kuntzl (95,2 Prozent) wurde ebenfalls mit großer Mehrheit wiedergewählt. Neu ins Präsidium gewählt wurde Nationalrätin Nurten Yilmaz mit 83,5 Prozent. Gemeinderätin Nicole Berger-Krotsch wurde als Wiener SPÖ-Frauensekretärin bestätigt.

Renate Brauner bedankte sich bei allen Delegierten für das große Vertrauen.

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