- 12.04.2017, 10:47:03
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Missbrauchsopfer klagt Kongregation der Oblaten des hl. Franz von Sales auf Schadenersatz
Trotz jahrelangem Missbrauch u.a. in „Religions-Nachhilfestunde“: Kircheneigene Klasnic Kommission hatte nur Almosen für Opfer übrig.
Utl.: Trotz jahrelangem Missbrauch u.a. in
„Religions-Nachhilfestunde“: Kircheneigene Klasnic Kommission
hatte nur Almosen für Opfer übrig. =
Wien (OTS) - Ein neuer Fall von sexuellem Missbrauch bringt die
katholische Kirche in Bedrängnis: Der ehemalige Schüler besuchte in
den 70er Jahren das Dachsberger Gymnasium der Oblaten des hl. Franz
von Sales. In den Jahren 1976 bis 1978 sei er Opfer regelmäßiger
körperlicher und sexueller Gewalt zweier Pädagogen der Schule
geworden. Im Alter zwischen 9 und 12 Jahren habe er regelmäßige orale
Vergewaltigungen und andere sexuelle Übergriffe sowie Schläge durch
Pater Josef P. und Pater Josef B. über sich ergehen lassen müssen.
Beide waren als Lehrer und Erzieher an der Schule tätig, letzterer
sogar als Rektor. Sie seien äußerst brutal vorgegangen und hätten
einander bezüglich der Vorwürfe gedeckt.
„Nachhilfe in Religion“
Mit dem Argument, der Schüler müsse für seine unbefriedigende
sportliche Leistung und seine mangelnde Fußballbegeisterung
„bestraft“ werden, habe Josef P. regelmäßig orale Penetration am
Zögling vorgenommen, so der Kläger. „Ich bin gezwungen worden, an
privaten Religions-Nachhilfestunden teilzunehmen und habe dabei auf
dem Schoß des Rektors und Lehrers Pater Josef B. sitzen müssen, der
unter seinem Talar nackt war. Er habe mich unsittlich berührt und
mich zum Oralsex gezwungen. Mir hat so geekelt vor dem Priester“ sagt
das Opfer heute.
Krebsdiagnose mit psychosomatischer Ursache?
Im Alter von 22 Jahren brach beim Betroffenen Kehlkopfkrebs aus, ihm
wurde ein Stimmband entfernt. Mit einer solchen Diagnose war der
Betroffene der jüngste Patient in Österreich - der Altersdurchschnitt
der Kehlkopfpatienten lag damals bei 60 Jahren. Sein behandelnder
Arzt vermutete schon damals dass seine Krankheit eine psychische
Ursache haben könnte. Wegen immer wieder vorgenommenen Operationen,
des Stimmverlustes, Luftmangels und der durch die eingesetzte
Trachealkanüle körperliche Beeinträchtigung konnte das Opfer mit 41
Jahren seinem Beruf nicht mehr nachgehen und war gezwungen, wegen
Berufsunfähigkeit in Invaliditätspension zu gehen, er konnte seine
Familie nicht mehr erhalten. Das Missbrauchsopfer bekam schwere
Depressionen, die eine psychotherapeutische Behandlung notwendig
machten, in der er begann, über das Erlebte zu sprechen.
Ein Täter immer noch in Schule tätig?
Aus den Medien erfuhr der Betroffene zufällig, dass einer seiner
beiden Peiniger, Pater Josef P., immer noch im Erzieherdienst an
einer der Ordensschulen in Essen (D) tätig sei. Diese Nachricht löste
bei ihm einen Schock aus und ließ in ihm das Verdrängte
wiederaufleben. In Absprache mit seinem behandelnden Arzt wendete
sich der Betroffene an die kircheneigene Klasnic-Kommision. Nach
erfolgter Anerkennung als Opfer erhielt er neben der Zusage für 30
Therapiestunden, EUR 15.000, was angesichts der langen
Krankengeschichte und des Leidensweges des Opfers, seiner frühzeitig
Pensionierung wegen Invalidität, nur einen Bruchteil der tatsächlich
erlittenen Schäden und Kosten abdeckte. Nun bringt er
Schadenersatzklage beim LG für ZRS in Wien in der Höhe von EUR
220.000.- ein.
Aufruf zur solidarischen Prozessfinanzierung
Die Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt begleitet das Opfer bei
dieser Klage ersucht aber dringend um Unterstützung bei der
Prozessfinanzierung, da der Betroffene sich die Klage selbst nicht
finanzieren kann. Bei positivem Prozessausgang wird der Betrag
refundiert.
Konto Rechtshilfe-Solidaritäts-Fonds
IBAN: AT03 3200 0001 1703 5379
BIC: RLNWATWW
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