Foglar, Hammerschmid und Stöger eröffnen 35. ÖGB-Bundesjugendkongress

„keine Arbeit – keine Zukunft? Revolution!“

Wien (OTS/ÖGB) - „Wir brauchen eine Revolution im Denken“, griff ÖGB-Präsident Erich Foglar das Motto des 35. ÖGB-Bundesjugendkongresses „keine Arbeit – keine Zukunft? Revolution!“ auf: „Ihr sei die, die mit der Revolution im Denken die Zukunft der Gesellschaft gestalten müssen.“ Eine der größten Herausforderungen für Österreich und die EU werde es sein, den Anschluss an die Digitalisierung nicht zu verpassen. „Wir können und wollen die Digitalisierung nicht aufhalten. Das würde mit höchster Wahrscheinlichkeit einen Wohlstandsverlust gerade für eure Generation bedeuten“, sagte Foglar zu den etwa 250 Delegierten im Wiener Austria Center: „Die entscheidende Frage wird aber sein: Wer steckt die Digitalisierungsdividende aus dem enormen Produktivitätsgewinn ein? Ich sage in Richtung Arbeitgeber: Sicher nicht ihr allein!“

„Es ist eine Schande, dass man jungen Menschen, die gut ausgebildet sind, nur Praktika anbietet und keine Arbeitsplätze. Wir brauchen ordentliche Arbeitsplätze mit ordentlicher Bezahlung, und zwar gleich nach der Ausbildung“, sagte der ÖGB-Präsident. Leistung müsse sich lohnen, „aber den Schwächsten etwas wegzunehmen und zum Beispiel die Mindestsicherung zu kürzen ist der falscheste Weg.“ Damit sich Arbeit lohne, brauche es eine Mindestlehrlingsentschädigung von 700 Euro und den Mindestlohn von 1.700 Euro

Hammerschmid: Bildungsvererbung in Österreich immer noch drastisch

„Ich will in einem Land Leben, in dem alle Kinder die beste Chance auf Bildung haben, egal wer die Eltern sind und woher sie kommen“, sagte Bildungsministerin Sonja Hammerschmid: „Wir müssen uns vor Augen halten, wie drastisch die Bildungsvererbung in Österreich immer noch ist.“ Laut der OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ ist Österreich zum Beispiel nach wie vor Schlusslicht bei Uni-AbsolventInnen, deren Eltern noch keinen Uni-Abschluss hatten. Migration spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle, so Hammerschmid: „Es geht um Kinder, die aus bildungsfernen Elternhäusern kommen.“

„Dass Bildung immer noch vererbt wird, ist ein Alarmsignal, wir haben hier dringenden Handlungsbedarf! Wie müssen darauf schauen, dass Bildung auf allen Ebenen gut gestaltet wird. Jedes Talent muss denjenigen Bildungsweg beschreiten, der optimal ist. Wir brauchen jeden Kopf, um voranzukommen.“ Entsprechend müsse das Bildungssystem gestaltet werden, und zwar auf allen Ebenen, von der Schule über die Lehre bis zu tertiären Abschlüssen. Überall dort reiche es nicht, Wissen zu vermitteln: „Es braucht Fertigkeiten und Fähigkeiten: Potentiale adressieren, Problemlösungskompetenz, Teamfähigkeit, Lernen lernen – und die Lust am Lernen nicht verlernen. Mit dem Autonomiepaket für die Schulen machen wir einen großen Schritt in diese Richtung.“

Stöger: Nur Arbeit schafft Werte – Stellen wir die Verteilungsfrage!

„Das einzige, das in der Welt Werte schafft, ist Arbeit“, betonte Sozialminister Alois Stöger: „Es ist die Aufgabe der Gewerkschaftsbewegung, die Auseinandersetzung zu führen: Wie verteilen wir die Werte, die durch Arbeit entstehen?“ Es gehe um Verteilungskämpfe: „Lasst es euch nicht gefallen, wenn es in eurer Berufsschule kein WLAN gibt!“, appellierte Stöger an die JunggewerkschafterInnen.

Jeder junge Mensch müsse eine Ausbildung bekommen, mit der er etwas anfangen könne. Stöger: „Für jede einzelne Jugendliche und für jeden einzelnen Jugendlichen soll am Ende der Schulpflicht ein Ausbildungsplan gemacht werden, damit sie nicht zu Stammkunden am AMS werden.“ Der Sozialminister verwies auf die Ausbildungsgarantie bis 25: „Wenn jemand Hilfsarbeiter ist, soll er in Bildung gehen dürfen, das werden wir umsetzen.“

Zur von der Gewerkschaftsjugend geforderten Mindestlehrlingsentschädigung sagte Stöger: „Wenn ihr darum kämpft, dass die Lehrlinge mindestens 700 Euro bekommen, dann stärkt das die Freiheit der Jugendlichen, so wie auch eine gute Arbeitslosenversicherung, eine Krankenversicherung und eine Pensionsversicherung mehr Freiheit möglich machen. Ich wünsche euch viel Freiheit, denn Freiheit ist die Grundlage jeder Revolution.“(fk)

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