„kulturMontag“ am 10. April: Wiener Grant, Wahl in Frankreich und die Zukunft der Menschheit

Außerdem: Dokumentation „Die literarischen Reisen des Herrn Pollack“

Wien (OTS) - Der „kulturMontag“ am 10. April 2017 um 22.30 Uhr in ORF 2, präsentiert von Clarissa Stadler, ist ganz Mensch-zentriert. Zuerst geht es um die Essenz des Wienerischen, anlässlich der Filmschau „Der große Grant“ im Wiener Filmmuseum. Danach steht der neue Roman von Yuval Noah Harari „Homo Deus“ im Mittelpunkt. Darin beschreibt der israelische Historiker drei Wege, wie das „Upgrading“ des Menschen zum „göttlichen Menschen“ vonstattengehen könnte:
mittels Bioengineerings, Cyborgs – also Hybriden von Mensch und Maschine – oder mittels anorganischen Lebens. In die ganz nahe Zukunft blickt der „kulturMontag“ ebenfalls – nach Frankreich und analysiert die Stimmung in der Grande Nation knapp vor der Wahl. Anschließend an das Magazin steht die Dokumentation „Die literarischen Reisen des Herrn Pollack“ (23.15 Uhr) auf dem Programm. Der Film von Björn Kölz und Gernot Stadler begleitet den aus Oberösterreich stammenden Schriftsteller zu den Schauplätzen seines literarischen Schaffens.

Homo granticus: Die Essenz des Wienerischen anlässlich der Filmschau „Der große Grant“

Es gibt Reiseführer, die warnen Touristen vor ihm – andere empfehlen ihn ausdrücklich als typisch wienerisches Naturphänomen: den grantigen Wiener Kellner. Grant gibt es überall – wohl nirgends aber wird er so kultiviert wie in der Bundeshauptstadt. Dem Phänomen der „grumpy old men“ widmet sich nun die Schau „Der große Grant“ im Österreichischen Filmmuseum, die unter anderen Hans Moser und Louis de Funès noch einmal auf die Leinwand bringt. Der „kulturMontag“ nimmt dies zum Anlass, dem Grant und den damit verbundenen Klischees auf den Giftzahn zu fühlen. Kabarettistin Andrea Händler empfindet Grant als seelisch entlastend – ganz im Gegensatz zu aufgesetzter Fröhlichkeit. Die DNA des Grant verortet Psychoanalytiker August Ruhs im obrigkeitshörigen kakanischen Menschen: In der Monarchie durfte man seinen Aggressionen nicht so ohne weiteres Lauf lassen. Der langjährige Wien-Korrespondent der NZZ, Charles Ritterband, sieht Grant ebenfalls historisch gewachsen: „die langen Jahre hinter dem Eisernen Vorhang“ hätten, wie er meint, auf das Wiener Gemüt wie ein Druckkochtopf gewirkt. Und Michael Ostrowski sieht Louis de Funès und Hans Moser als wichtige Inspirationsquellen seines komödiantischen Schaffens.

Homo Deus: Auf in die nächste Evolutionsstufe mit den Zukunftsthesen des Yuval Noah Harari

Der israelische Historiker glaubt die Götter von morgen zu kennen. „Homo Deus“ heißt sein aktueller Bestseller, der „eine Geschichte von Morgen“ erzählt, das Feuilleton schwärmt vom Buch der Stunde. Der Homo Sapiens sei ein Auslaufmodell, die Menschheit der nahen Zukunft werde Leistungen vollbringen, die traditionell dem Himmel zugeschrieben werden. Klingt pathetisch? Nach Science Fiction? Tatsächlich existiert heute schon ein Labor der Evolution und dieses heißt Silicon Valley. Artificial Intelligence, Big Data, Virtuelle Realität und Algorithmus sind längst keine Begriffe mehr, die ins Phantastische verweisen, sondern an denen sich die Zukunft entscheidet. Nicht Autos, Textilien oder Lebensmittel werden die wichtigsten Handelsgüter in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts sein, sondern Körper und Gehirn. Harari sieht drei Wege, wie das „Upgrading“ des Menschen zum „Homo Deus“ vonstattengehen könnte:
mittels Bioengineerings, Cyborgs – also Hybriden von Mensch und Maschine – oder mittels anorganischen Lebens. Was diese neue Spezies für die Gesellschaft bedeutet und wie wir uns auf eine Ökonomie der Zukunft einstellen müssen – Harari schildert seine Thesen im Interview mit dem „kulturMontag“.

Homo populisticus: Spaltpilz Marine Le Pen und ein Stimmungsbericht über Frankreich vor der Wahl

Es sei „Die unvorhersehbarste Wahl aller Zeiten“ laut französischen Schlagzeilen. Wie ist die Stimmung im Land kurz vor der Präsidentschaftswahl? In Hénin-Beaumont liegt die Arbeitslosenrate bei knapp 19 Prozent, deutlich höher als im Landesschnitt. Aufgeräumt ist die Stimmung in dem Arbeiterstädtchen dieser Tage, es ist eine Hochburg des Front National. Regisseur Lucas Belvaux hat viele der Menschen, die er hier kennengelernt hat, in seinen Spielfilm „Chez nous“ über den Aufstieg einer rechten Partei einfließen lassen. Seine Botschaft an das Publikum: Es sei ein Irrglaube, dass man mit einem Votum für Le Pen die Arbeitslosigkeit abwählen könne. Elisabeth Lévy galt einst als linke Intellektuelle, jetzt ist sie Chefredakteurin des reaktionären Magazins „Causeur“. Sie glaubt, Le Pen sei die einzige, die die Probleme des Landes – und damit meint sie Islam und Migration – offen anspreche. Der Philosoph Frédéric Worms glaubt an keine Umfärbung des Landes und kalmiert: Das Land sei gegen die extreme Rechte geimpft. Der „kulturMontag“ mit einem Stimmungsbericht.

Dokumentation „Die literarischen Reisen des Herrn Pollack“ (23.15 Uhr)

In seinen Büchern führt Martin Pollack sein Publikum stets an vermeintlich unbekannte Orte, in ferne Länder, zu unbekannten Landschaften, die sich bei näherem Hinsehen als gar nicht so fern und unbekannt entpuppen. Und einmal angekommen, konfrontiert er die Leserinnen und Leser mit unschönen Wahrheiten, von denen sie vielleicht lieber nichts erfahren hätten. Der Film ist eine Spurensuche nach Czernowitz oder Lemberg in die Ukraine, jene Gegenden, die einst unter dem Zepter Habsburgs für eine reiche polnisch-jüdisch-deutsch-ukrainisch geprägte kulturelle Vielfalt standen, die von den großen Totalitarismen des 20. Jahrhunderts, dem NS- und dem Sowjetterror ausgelöscht wurde. Zurückgeblieben sind „kontaminierte Landschaften“, wie Martin Pollack es nennt, und ein Land auf der Suche nach seiner Identität. Im Film begegnet das Publikum auch langjährigen Weggefährten Martin Pollacks, die zu Freunden geworden sind, wie dem Fotografen Chris Niedenthal, dem Historiker Timothy Snyder oder dem Verleger Vasyl Dronyak. Und schließlich begleitet der Film Martin Pollack nach Tüffer, jenen nahezu mystischen Ort aus den Erzählungen seines Großvaters, der sich viel später als die Kleinstadt Laško im heutigen Slowenien herausgestellt hat.

Der „kulturMontag“ wird als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) bereitgestellt.

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