- 05.03.2017, 09:02:17
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Caritas: Menschen in der Ostukraine brauchen weiter Hilfe
Humanitäre Lage im ostukrainischen Kriegsgebiet weiterhin prekär - Caritas Österreich lindert mit Spenden Not von traumatisierten Kindern, Familien und alten Menschen - Ukrainischer Caritas-Präsident: "Wir können den Leuten Hoffnung geben"
Utl.: Humanitäre Lage im ostukrainischen Kriegsgebiet weiterhin
prekär - Caritas Österreich lindert mit Spenden Not von
traumatisierten Kindern, Familien und alten Menschen -
Ukrainischer Caritas-Präsident: "Wir können den Leuten
Hoffnung geben" =
Kiew-Wien (KAP) - Die Zivilbevölkerung in der kriegsgeplagten
Ostukraine ist weiterhin auf humanitäre Hilfe angewiesen, braucht
aber auch neue Lebensperspektiven. Das haben der ukrainische
Caritas-Präsident Andrij Waskowycz und der Wiener
Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner bei einem aktuellen
Lokalaugenschein in der Konfliktregion betont.
Im Gebiet an der sogenannten "Kontaktlinie", die die
Separatistengebiete und die unter Regierungskontrolle stehenden
Gebieten trennt, brauchen demnach vor allem Kinder, ältere Menschen
und Kranke Unterstützung von Hilfsorganisationen. Mehr als 90 Prozent
der Kinder in der "Pufferzone" seien traumatisiert, so Schwertner.
Die österreichische Caritas führt vor Ort Nothilfeprogramme durch,
bei denen Lebensmittel und Heizmaterial verteilt werden. Im Fokus
stehen aber auch die psycho-soziale Betreuung von Kindern in Krisen-
und Tageszentren und Waisenhäusern oder Pflegeprogramme für ältere
Menschen.
Bei dem seit 2014 andauernden bewaffneten Konflikt sind bereits an
die 10.000 Menschen getötet worden. Laut Caritas befinden sich 1,7
Millionen Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht, weitere 1,1
Millionen ukrainische Flüchtlinge befinden sich in Nachbarländern.
Besonders in der 30 Kilometer breiten "Pufferzone" zwischen den
Konfliktparteien leben die Menschen unter prekären Bedingungen.
Vielerorts wird hier auch nach wie vor gekämpft. Schwertner: "Es ist
ein vergessener Krieg, den niemand will. Dieser Krieg fordert bis
heute Tote. Vor allem aber erfordert er unsere Hilfe. Wir dürfen
unsere Nachbarn nicht im Stich lassen!"
Viele Häuser sind schwer beschädigt und im Winter kaum zu heizen, da
Fernwärme- und Wasserleitungen zerstört sind. Es fehlt an sauberem
Wasser, Decken, Kleidung, Hygieneartikeln, Öfen und Heizmaterial. Oft
bleiben alte, gebrechliche Menschen in diesen gemiedenen Gebieten
alleine zurück. "Gerade in diesen Dörfern zu arbeiten, ist uns ganz
wichtig", betonte der ukrainische Caritas-Präsident Waskowycz bei
einer Pressereise mit österreichischen Journalisten anlässlich der
aktuellen Caritas-Kinderkampagne in dieser Woche. "Wir können dort
den Leuten Hoffnung geben", ist er überzeugt.
Hilfe, die ankommt
"Die österreichische Caritas hat seit Ausbruch des Konflikts
gemeinsam mit ihrer ukrainischen Partnerorganisation und anderen
lokalen Helfern mehr als 80.000 vom Konflikt betroffene Menschen
unterstützt", betonte auch Schwertner. Dass die Hilfe ankommt,
berichtet zum Beispiel Ljuba aus Torietsk. Sie und ihr Mann hätten
monatelang im Keller geschlafen, nachdem eine Bombe das Haus
getroffen habe. Die Caritas hat das Hausdach repariert und Brennholz
für den Winter übergeben, schildert sie. Bei der seit eineinhalb
Jahren laufenden Winterhilfe der Caritas werden Haushalte mit
Heizmaterial und Öfen versorgt; hunderte Häuser erhielten neue
Fenster.
In zwölf Dörfern und Kleinstädten in Lugansk und Donezk Oblast
gewährleistet die Caritas mit lokalen Partnern darüber hinaus die
Gesundheitsversorgung für 1.200 chronisch kranke Patienten. Es werden
Medikamente, Hygienebedarf und Rehabilitationsbehelfe verteilt. Auch
Patienten aus nicht von der Regierung kontrollierten Gebieten werden
über einen Gesundheitsstützpunkt erreicht. Ärzte, Krankenschwestern
und Sozialarbeiter besuchen zudem alte und kranke Menschen direkt zu
Hause.
Einen doppelten Sinn hat die Caritas-Initiative "Cash for work":
"Damit die Leute nicht wegziehen müssen, weil sie nicht genug haben,
um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, aber gleichzeitig den
Nachbarn helfen können", werden lokale Arbeitskräfte zu "Community
Care Givers" ausgebildet, so Caritas-Präsident Waskowycz. In
Grundpflege eingeschult betreuen die jungen Leute mittlerweile 600
bettlägrige Patienten.
Psychosoziale Betreuung für 700 Kinder
Unter den Folgen des Konflikts leiden Kinder besonders. Viele werden
Zeugen von Gräueltaten und leben bei eisigen Temperaturen in
Flüchtlingslagern und Notunterkünften, ihr Aufwachsen und Entwicklung
sind massiv beeinträchtigt. Die österreichische Caritas unterstützt
daher in der Ukraine mehrere Krisen- und Tageszentren für Kinder und
Familienhäuser für Sozialwaisen. An elf Standorten in der Ostukraine
betreibt die Caritas außerdem sogenannte "Child Friendly Spaces": In
Anlaufstellen in bestehenden Caritas-Sozialzentren erhalten jeweils
mehr als 700 Flüchtlingskinder psychosoziale Betreuung.
Auch in sechs Schulen direkt entlang der "Kontaktlinie" werden knapp
200 Kinder mit psychosomatischen Symptomen und Traumata psychologisch
und sozialpädagogisch betreut: Durch Therapie, Spiele und
Gesundheitscamps im Sommer sollen sich die Kinder in einem stabilen
Umfeld erholen. Nur zwei Kilometer entfernt von der Frontlinie liegt
etwa die "Luhanske Comprehensive School". Anfang 2015 wurde die
Schule durch Granatenbeschuss schwer beschädigt. Auch mit Hilfe der
Caritas Österreich, die für den Einbau neuer Fenster sorgte, kann in
der Schule mittlerweile wieder unterrichtet werden. Die Erinnerungen
an die schrecklichen Ereignisse aber bleiben: "Wenn wir uns daran
erinnern, dann weinen wir", sagt Direktorin Vasylna Galina. Sie hat
wenig Hoffnung auf einen raschen Frieden im Osten der Ukraine: "Ich
habe das Gefühl, das hier die Zeit eingefroren ist."
50.000 Kinder aus Not befreien
Im Rahmen ihrer aktuellen Kinderkampagne will die Caritas bis 2018
rund 50.000 Kinder in Ländern wie der Ukraine nachhaltig aus der Not
befreien. "Die Versorgung eines Kindes mit Mittagessen kostet pro
Monat 30 Euro", beschreibt Caritas-Generalsekretär Schwertner. Die
Nothilfe der Caritas in der Ukraine kann auch mit 15 Euro für eine
warme Decke oder 50 Euro für einen wärmenden Ofen unterstützt werden.
(Spenden: Kennwort "Kinder in Not", IBAN AT47 2011 1890 8900 000;
Online: www.caritas.at/kinderkampagne)
((ende)) VO1/GUT
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