• 01.03.2017, 11:53:23
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90 % der WienerInnen sagen: „Wir profitieren vom Tourismus.“

Wien (OTS/RK) - „Nur eine Stadt, die gut zu ihren BewohnerInnen ist,
ist auch gut zu ihren Gästen“, bringt Tourismusdirektor Norbert
Kettner die Motivation hinter der repräsentativen Befragung zur
Tourismusgesinnung der Wiener Bevölkerung auf den Punkt. „Städte
stehen vor der Herausforderung, lebenswert für BewohnerInnen,
liebenswert für Gäste und profitabel für Unternehmen zu sein, wie die
KollegInnen von Amsterdam Marketing einmal sehr treffend formuliert
haben. Wertschätzung des Tourismus bei der lokalen Bevölkerung ist
heute, wo jährlich über eine Milliarde Menschen ins Ausland reisen,
ein Qualitätsfaktor. Er funktioniert nur dann, wenn sie ihn als
positiven Beitrag zum Wertschöpfungsprozess wahrnimmt. Der
WienTourismus versteht sich als Bindeglied zwischen Gästen und
EinwohnerInnen und will sicherstellen, dass der Tourismus weiterhin
einen positiven Beitrag zur Entwicklung der Stadt leistet.“

Erstmals wurde 2016 mit Befragungen in Monaten mit schwächerem und
stärkerem Gästeaufkommen (Jänner und Februar sowie Juli und August)
die Einstellung von insgesamt mehr als 2.000 WienerInnen zu
touristisch relevanten Fragestellungen erhoben. Im Rahmen der
Tourismusstrategie 2020 will Wien 18 Millionen Gästenächtigungen
erreichen. Die Untersuchung zeigt: Die WienerInnen tragen dieses
strategische Wachstumsziel mit, mehr als drei Viertel (77 %) bewerten
es positiv. Lediglich 5 % haben Vorbehalte.

Wiener Gastfreundschaft: Kein Lippenbekenntnis

2016 wurden mit 6,9 Mio. Ankünften und 14,96 Mio. Nächtigungen je
ein Viertel mehr gezählt als noch fünf Jahre zuvor – die positive
Einstellung der Wiener Bevölkerung zum Tourismus hat sich gegenüber
früheren Untersuchungen nicht signifikant verändert: Die überwiegende
Mehrheit (92 %) findet, dass Wien für TouristInnen im Sommer wie im
Winter eine tolle Stadt ist. 90 % sind davon überzeugt, dass Wien,
seine EinwohnerInnen sowie Unternehmen vom Tourismus profitieren.
Dass Wien für Reisende attraktiv ist, macht 82 % zu stolzen
BewohnerInnen. Die Frage, ob sie sich durch TouristInnen im Alltag
gestört fühlten, verneinen ebenfalls 82 %. Drei Viertel (75 %) der
BewohnerInnen sehen sich als Bestandteil der Tourismusdestination,
die den Eindruck der Gäste mitprägen. Rund eine von zehn Personen (12
%) fühlt sich durch TouristInnen nicht mehr richtig zu Hause, von
welchen auch überproportional viele zu den 8 % der BewohnerInnen
zählen, die den Kontakt mit TouristInnen als eher unangenehm
empfinden.

89 % stimmen zu: Tourismus ist wichtiger Wirtschaftsfaktor

Die überwiegende Mehrheit der Befragten (89 %) bestätigt, dass
Wiens Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist und bezeichnen
ihn als Erfolgsgeschichte. Messen und Kongresse werden von 88 % als
erfolgskritischer Faktor im Tourismus identifiziert. Zwei Drittel (67
%) erkennen den Beitrag zum Wohlstand durch den Tourismus, 64 % der
Befragten sind der Meinung, dass der Tourismus in Wien ein
attraktives Arbeitsumfeld darstellt. Die Aussage „Es profitieren
einzig die Hotels, die Gastronomie und die Museen vom Tourismus“
bestätigt weniger als ein Viertel (24 %) der Befragten.

„Wiens Tourismuswirtschaft erbringt jährlich über 4 Milliarden
Euro an Wertschöpfung, mit einem Beitrag von rund 5 % zum
Bruttoregionalprodukt, und bietet 90.000 Menschen einen Arbeitsplatz.
Das Bewusstsein, dass der Tourismus der Allgemeinheit nutzt und einen
Wirtschafts- und Wohlstandsfaktor bedeutet, ist in der Wiener
Bevölkerung stark verankert. Nach dem Motto ‚Tu Gutes und sprich
darüber‘ wollen wir dieses Verständnis weiter vertiefen, weil
Tourismus einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität der Stadt
leistet, was schlussendlich Grundlage für eine positive
Tourismusgesinnung darstellt“, so Kettner.

Keine Kulissenstadt

Drei Viertel (75 %) der Wiener Bevölkerung besuchen auch selbst
die Sehenswürdigkeiten und Museen in der Stadt. „Kennzeichen eines
nachhaltigen Tourismus ist, dass für Gäste keine potemkinschen Dörfer
gebaut werden. Die Hardware einer Stadt muss für Einheimische wie
Gäste gleichermaßen attraktiv sein – dann funktioniert es auch mit
der Software – der Tourismusgesinnung – und dem Destinationserlebnis
der Gäste“, so Kettner. Hohe Zustimmung erhielt mit 79 %
erwartungsgemäß die Fragestellung, ob Bedürfnisse der Gäste und
EinwohnerInnen zu erkennen und nachhaltig in Balance zu halten seien.
„Aus diesen Rückmeldungen lese ich einen Auftrag an
Tourismuswirtschaft, Stadtentwicklung, öffentliche wie private
Initiativen ab“, so Kettner.

„Es gilt beispielsweise auf einen ausgewogenen Branchen-Mix in den
Einkaufsstraßen, Vielfalt in den Erdgeschoßzonen und sorgsamen Umgang
mit dem öffentlichen Raum zu achten. Im Tourismusmarketing forcieren
wir außerdem niederschwelligen Zugang zu Wiens Top-Angeboten etwa im
Kunst oder Kulturbereich, ohne aber deren Qualitätsstandards zu
senken, und führen auch den Einheimischen Institutionen von Weltrang
vor Augen, die es ohne Tourismus nicht in dieser Vielfalt geben
könnte.“

Massentourismus derzeit keine Bedrohung

Wird konkret die Frage gestellt, ob Wien bereits überlaufen sei,
sind sich die WienerInnen nicht ganz einig: 40 % verneinen, 26 %
stimmen zu, der Rest ist unentschlossen bzw. machte keine Angabe.
Auffallend: WienerInnen, die in den touristisch stärker
frequentierten inneren Bezirken wohnen, antworteten dabei nicht
wesentlich anders als jene in den Außenbezirken. „Dass Wien heute
großteils nicht als überfüllt wahrgenommen wird, dafür können wir
Otto Wagner danken, der schon 1893 beim Generalregulierungsplan für
Wien die Stadtstruktur einer 4-Millionen-Metropole vorsah“, erklärt
Kettner. Der Vergleich macht sicher: „Während im europäischen
Durchschnitt der zehn nächtigungsstärksten Metropolen Europas –
wohlgemerkt ohne Paris und London, die vom Aufkommen her in einer
eigenen Liga spielen – rund 11 Nächtigungen auf eine(n) EinwohnerIn
kommen, so sind es in Wien unterdurchschnittliche 8. Diese Fakten
stützen die Wahrnehmung der WienerInnen, dass die Stadt in Balance
ist. Trotz der idealen Ausgangssituation sehen wir unseren
strategischen Ansatz, auch Attraktionen außerhalb des touristischen
Zentrums zu forcieren, als wichtiges Tool für nachhaltiges und
qualitätsvolles Wachstum“, so Kettner. 66 % der Befragten stimmen zu,
dass Verstärkung des touristischen Angebots abseits der
Hauptsehenswürdigkeiten sinnvoll ist.

Sharing Economy: Wachsende Sensibilität

Speziell die Vermietung von Privatwohnungen an Reisende in der
Nachbarschaft der WienerInnen stellt aktuell kein großes Problem dar
– 59 % der Befragten verneinen, dass es sie stört, wenn
Privatwohnungen in der Wohnumgebung vermietet werden. Für 15 % ist
dies ein Problem, 12 % machten dazu keine Angabe, 14 % stehen dem
neutral gegenüber. „Die Informationsoffensive der Stadt Wien zu
Rechten und Pflichten der Anbieter kam zu einem vorausschauenden
Zeitpunkt – ein europaweites Best-Practice-Beispiel, das
Spannungsfelder im Vorfeld verhindern hilft, wie wir sie aus anderen
Städten bereits kennen,“ so Kettner. Bei Fragen nach Themen, die
bewegen, wurde im Rahmen offener Antworten aber sehr wohl die
Privatvermittlung über Webplattformen angesprochen, wenngleich
differenziert. „Im Sinne der Tourismusgesinnung halte ich es – soweit
juristisch durchsetzbar – als weiteren Schritt durchaus für
überlegenswert, Privatleuten die Vermietung an Reisende ähnlich dem
Londoner oder Amsterdamer Modell künftig nur noch für einen
beschränkten Zeitraum zu ermöglichen“, so Kettner. „Der
Ursprungsgedanke, seinen BesucherInnen ‚Luftmatratze und Frühstück‘
anzubieten, bliebe damit gewahrt – ein disruptives Geschäftsmodell,
das auf dem Rücken der BewohnerInnen ausgetragen wird, könnte dadurch
entschärft werden.“

Keine Alternative zur 3. Piste

Das strategische Ziel des WienTourismus, bis 2020 20 neue
Direktflug-Verbindungen nach Wien zu schaffen, bedeutet auch für
WienerInnen mehr internationale Anbindung sowie mehr Möglichkeiten
für komfortables Reisen und wird demnach – konkret von mehr als drei
Viertel der Wiener Bevölkerung (76 %) – positiv bewertet. Personen
mit neutraler oder negativer Einstellung gegenüber diesem Ziel machen
20 % der Befragten aus und nennen Umweltbelastung und
Fluglärm als Hauptgründe. „Am Bau der dritten Piste für den Flughafen
Wien führt – nicht nur aus touristischen Gesichtspunkten –
mittelfristig kein Weg vorbei. Ich bedaure die durch das jüngste
Urteil entstandene neuerliche Verzögerung“, greift Kettner den stark
kritisierten Gerichtsentscheid auf. „In Zeiten globalen
Standortwettbewerbs halte ich Maßnahmen, die keine Verbesserung der
Umweltsituation, aber eine Verschlechterung im Wettbewerb bedeuten,
für riskant. Connectivity ist für Wirtschaft, Tourismus und
Arbeitsplätze erfolgsentscheidend. Ein Hub mit Bedeutung für
Zentraleuropa, Österreich und Wien braucht ein Wachstumsszenario“, so
Kettner. „Wenn sinnvoll über eine Verringerung der Umweltbelastung
diskutiert werden soll, rege ich an: Schaffen wir doch die –
konservativ geschätzten – 10 Millionen Leerkilometer im Jahr zwischen
Wien und dem Flughafen ab, indem wir Wiens und Niederösterreichs
Taxilenkern endlich erlauben, bei der Retourfahrt auch Gäste
mitzunehmen.“

WienerInnen wollen Taxi-Qualität und Busbahnhof

Bei den Taxis sehen die Einheimischen Aufholbedarf – drei von vier
WienerInnen (78 %) wünschen sich vermehrt Schulung,
Qualitätsstandards und -kontrollen der Wiener Taxibranche. „Auch eine
einheitliche Optik als Qualitätsmerkmal,“ wiederholt Kettner eine
mehrmals getätigte Forderung, „würde dafür sorgen, dass nicht nur
Gäste, sondern auch Einheimische die Taxis im Stadtverkehr von Weitem
erkennen“.

Die Pläne der Stadt Wien zum zentralen Busbahnhof sehen rund zwei
Drittel (63 %) als sehr wichtig bzw. wichtig an. "Verständlich, denn
der vor einigen Jahren neu gestartete Trend zu Fernbusreisen, das
aktuelle Volumen, starke Anbieter am Markt sowie das zu erwartende
Wachstum in den kommenden Jahren bedeuten Handlungsbedarf“, erklärt
Kettner.

Donauufer mit Potenzial als Hot-Spot

Zwei Drittel (67 %) der WienerInnen sehen bei der Nutzbarkeit der
Uferbereiche von Donau und Donaukanal Entwicklungspotenzial. „Die
Revitalisierung des Donaukanals etwa, die durch einzelne Initiativen
bereits vor Jahren begonnen hat, würde für alle einen Vorteil
bedeuten: Ein durchgängiges Konzept mit einer Mischung aus Lokalen,
öffentlichen Flächen und konsumfreiem Raum hätte das Potenzial eine
Flaniermeile nahe am Wasser zu schaffen, die von WienerInnen und
Gästen gleichermaßen genutzt und als Naherholungsraum ideal in eine
Smart City passen würde“, so Kettner.

Sonntagsöffnung: Bevölkerung sieht Bedarf für Tourismus

„Selbstverständlich haben wir die Bevölkerung auch zur
Sonntagsöffnung befragt“, greift Kettner eine langjährige Forderung
der Wiener Tourismuswirtschaft auf. Hier zeigt sich ein geteiltes
Bild mit Tendenz zur Befürwortung: Bei der Frage „Welche Bereiche
soll die Wiener Tourismuswirtschaft Ihrer Meinung nach in den
nächsten Jahren besonders vorantreiben?“ halten 50 % der Befragten
die Öffnung von Geschäften am Sonntag für den Tourismus ‚sehr
wichtig‘ bis ‚wichtig‘, 19 % sind indifferent, 30 % lehnen sie ab.

Internationale Filmprduktionen nach Wien holen

Außerdem wünscht sich jede(r) zweite WienerIn (54 %) verstärktes
Engagement bei internationalen Filmproduktionen. „Leuchtstarke
Hollywood-Produktionen wie ‚Mission Impossible‘ oder der
Bollywood-Blockbuster ‚Ae Dil Hai Mushkil‘“ sind nur die Speerspitze
jener Filmprojekte, die die Vienna Film Commission in jüngster Zeit
nach Wien holen konnte. Jeder in internationale Dreharbeiten
investierte Förder-Euro fließt vierfach zurück in die Stadt.
Werbewert und
Imagefaktor für Wien samt touristischer Zugkraft sind da noch gar
nicht eingerechnet. Wir unterstützen die Forderung der Vienna Film
Commission: Wien braucht neben der bestehenden kulturellen
Filmförderung dringend eine eigene wirtschaftliche Filmförderung für
internationale Produktionen. Andere Städte überbieten sich mit
Incentives für internationale Film, TV- und Internetproduktionen.
Wien läuft Gefahr, als Drehort für internationale Filmprojekte bald
nicht einmal mehr in Betracht gezogen zu werden“, weist Kettner
darauf hin, dass hier Chancen vergeben werden.

Was den WienerInnen (nicht) gefällt - Spontane Antworten

Vielfalt gefällt, die WienerInnen schätzen den kulturellen
Austausch, die Lebendigkeit, das bunte Stadtbild, die Freundlichkeit
und Neugierde der Gäste. Außerdem fördert der Tourismus ein breites
Angebot bei Kultur und öffentlichem Verkehr sowie die Renovierung und
Instandhaltung von Sehenswürdigkeiten und Gebäuden. Mehrheitlich weiß
man auf die Frage mit offener Antwort
Gutes zu berichten. „Die Stärke unserer Untersuchung liegt aber auch
darin, Einzelstimmen wahrzunehmen und Themen zu erkennen, die nur
selten geäußert werden – auch diese Stimmen werden gehört“, erklärt
Kettner: Als negative Kritikpunkte (jeweils unter 10 Nennungen bei
2.018 Befragten) wurden etwa überfüllte Innenstadt, Ansammlung von
Reisebussen, große Reisegruppen sowie hinterlassener Abfall genannt.
Vereinzelt wurde Angst vor größeren Menschen-
ansammlungen oder Kriminalität thematisiert.

Balance auf wissenschaftlicher Basis

Der WienTourismus beschäftigt sich schon seit mehreren Jahren mit
dem sensiblen Thema der Tourismusgesinnung. „Ab sofort erfragen wir
diese nicht mehr wie bisher nur alle fünf Jahre, sondern betreiben
laufendes Monitoring mit Ergebnissen auf jährlicher Basis, um
kurzfristiger Erkenntnisse erlangen und gegebenenfalls auf
Entwicklungen noch schneller reagieren zu können“, kündigt Kettner
an. Außerdem ermöglicht der WienTourismus dem Tourismusfachmann
Sebastian Ferrari ein vierjähriges Postgraduate-Studium an der MODUL
University Vienna, das sich verträglichem Tourismuswachstum in
Städten widmet. „Als Auftrag- und Ideengeber erwarten wir uns davon
innovative Strategien, mit denen nicht nur Wien, sondern im Sinne des
gegenseitigen Lernens Metropolen in ganz Europa Wachstumsszenarien
begegnen und diese aktiv gestalten können“, schließt Kettner.

Eckdaten der Untersuchung

Im Auftrag des WienTourismus führte die market
Marktforschungs-Ges.m.b.H. & Co.KG von 12. Jänner bis 4. Februar 2016
(n = 1.000 Personen) sowie von 18. Juli bis 19. August 2016 (n =
1.018 Personen) eine repräsentative Umfrage unter der Wiener
Bevölkerung ab 18 Jahren via Telefon- und Online-Befragung durch.

Tourismusstrategie Wien 2020

In der Tourismusstrategie Wien 2020 werden unter dem Leitmotiv
„Global.Smart.Premium“ Wiens Ziele für die kommenden Jahre
formuliert. Im Zuge ihrer Erstellung kam neben der Wiener
Tourismusbranche und einem internationalen Fachbeirat im Rahmen eines
Open-Innovation-Prozesses auch die Wiener Bevölkerung zu Wort. Alle
Infos auf: http://www.tourismusstrategie2020.wien.info

Die Befragung „Tourismusgesinnung der Wiener Bevölkerung“ steht
unter https://b2b.wien.info/de/presse/tourismusgesinnung2016 zum
Download zur Verfügung. (Schluss)

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NRK

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