Die Zeit is reif: Brustkrebsscreening mit Tomosynthese

Wien (OTS) - Die digitale Brust-Tomosynthese (DBT) hat die ersten Schritte in Richtung klinischer Alltag gemacht. Obwohl schon stellenweise verfügbar, ist ein flächendeckender Einsatz aus verschiedensten Gründen zurzeit noch nicht durchführbar. Während Anhänger der Tomosynthese der Ansicht sind, dass die Zeit für eine klinische Implementierung gekommen ist, sind Experten teilweise anderer Meinung. Am European Congress of Radiology 2017, einem der größten medizinischen Kongresse weltweit, der wie jedes Jahr Anfang März im Wiener Austria Center stattfindet, wird dieses Thema vor einem internationalen Publikum diskutiert.

Die Tomosynthese ist eine Weiterentwicklung der Mammographie, bei der die Brust der Patientin zwar nach wie vor fixiert wird, allerdings mit deutlich weniger Kompressionsdruck, gerade nur so viel um sie in Position zu halten. Eine spezielle Software errechnet aus den erfassten 3D-Daten Millimeterschichtaufnahmen der Brust. Lieferte eine herkömmliche Mammographie nur zwei Röntgenbilder pro Brustseite, sind es mit der Tomosynthese 50 bis 100 Schnittbilder. Herkömmliche Mammographieaufnahmen werden auf Film aufgenommen, digitale Mammographien oder Tomosynthesebilder hingegen werden am Computer beurteilt. Dies erleichtert die Diagnostik und verbessert die frühere Erkennbarkeit bösartiger Tumore erheblich.

„Einer der Gründe, die dafür sprechen, die Tomosynthese einzuführen, ist, dass sich gezeigt hat, dass sich die Anzahl der am Bildschirm erkannten Tumore erhöht, was wahrscheinlich daran liegt, dass diese Technik Tumore früher erkennt und darüber hinaus auch solche, die sich sonst erst in der Zeit bis zum nächsten Screening gezeigt hätten. Jetzt muss man sich fragen, warum hat sich die Tomosynthese noch nicht etabliert? Um als Brustkrebsscreeningmethode akzeptiert zu werden, muss zuerst eine gesundheitsökonomische Evaluation vorgenommen werden, bevor die zuständigen Autoritäten hier grünes Licht geben werden. Das liegt vor allem daran, dass die Technologie kostenintensiver ist, potentiell eine höhere Strahlendosis hat, und auch dem Radiologen mehr Zeit bei der Diagnose abverlangt. Die Entscheidungsträger wollen natürlich auch sichergehen, dass es einen kontinuierlichen und nachweisbaren Anstieg an Tumorfindungen gibt, bevor die Tomosynthese eingeführt wird“, so Professor Fiona Gilbert, Leiterin der radiologischen Abteilung an der University of Cambridge, UK.

Es muss beurteilt werden, ob jene Tumore, die mit Tomosynthese früher entdeckt wurden, tödlich geendet hätten, wenn sie erst später mit der herkömmlichen Mammographie entdeckt worden wären, was aber schwer zu beweisen ist, so Gilbert weiter.

Ein weiterer Faktor, der berücksichtigt werden muss, ist, dass Tomosynthese-Untersuchungen deutlich größere Datenmengen produzieren als die herkömmliche Mammographie. Waren es bisher 4 Bilder zwischen jeweils 10 und 50 MB plus 4 Bilder der vorhergegangenen Untersuchung, sind es nun zwischen 20 und 60 Bildern, je nach der Dichte des Brustgewebes bei einer Schnittbilddichte von 1mm. Bei manchen Herstellern kann sich diese Menge durch die Verwendung von 0,5mm Schichten noch verdoppeln.

Die Beurteilung herkömmlicher Mammographieaufnahmen ist ein rascher Prozess, durch die Datenzunahme bei der Verwendung der Tomosynthese kommt es aber zu einem höheren Zeitaufwand auf Seiten der Radiologen. Auch Komplikationen bei der Bildübertragung und dem Umgang mit den größeren Datenmengen sind zu befürchten. Somit muss die die Einführung der digitalen Brust-Tomosynthese als Screeningmethode zwingend Überlegungen bezüglich Infrastruktur, insbesondere Netzwerkspezifikationen, Befundungs-Hardware und Speicherkapazitäten mit sich bringen, so Gilbert abschließend.

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Ab 1. März tagen in Wien über 25.000 Radiologen
Beim 29. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 1. bis 5. März 2017 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.
Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 69.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 25.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er eine der größten Industrieausstellungen in Europa, bei der auf über 26.000 m² mehr als 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik vorstellen.

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