- 01.03.2017, 08:00:01
- /
- OTS0005
Die Zeit is reif: Brustkrebsscreening mit Tomosynthese
Wien (OTS) - Die digitale Brust-Tomosynthese (DBT) hat die ersten
Schritte in Richtung klinischer Alltag gemacht. Obwohl schon
stellenweise verfügbar, ist ein flächendeckender Einsatz aus
verschiedensten Gründen zurzeit noch nicht durchführbar. Während
Anhänger der Tomosynthese der Ansicht sind, dass die Zeit für eine
klinische Implementierung gekommen ist, sind Experten teilweise
anderer Meinung. Am European Congress of Radiology 2017, einem der
größten medizinischen Kongresse weltweit, der wie jedes Jahr Anfang
März im Wiener Austria Center stattfindet, wird dieses Thema vor
einem internationalen Publikum diskutiert.
Die Tomosynthese ist eine Weiterentwicklung der Mammographie, bei der
die Brust der Patientin zwar nach wie vor fixiert wird, allerdings
mit deutlich weniger Kompressionsdruck, gerade nur so viel um sie in
Position zu halten. Eine spezielle Software errechnet aus den
erfassten 3D-Daten Millimeterschichtaufnahmen der Brust. Lieferte
eine herkömmliche Mammographie nur zwei Röntgenbilder pro Brustseite,
sind es mit der Tomosynthese 50 bis 100 Schnittbilder. Herkömmliche
Mammographieaufnahmen werden auf Film aufgenommen, digitale
Mammographien oder Tomosynthesebilder hingegen werden am Computer
beurteilt. Dies erleichtert die Diagnostik und verbessert die frühere
Erkennbarkeit bösartiger Tumore erheblich.
„Einer der Gründe, die dafür sprechen, die Tomosynthese einzuführen,
ist, dass sich gezeigt hat, dass sich die Anzahl der am Bildschirm
erkannten Tumore erhöht, was wahrscheinlich daran liegt, dass diese
Technik Tumore früher erkennt und darüber hinaus auch solche, die
sich sonst erst in der Zeit bis zum nächsten Screening gezeigt
hätten. Jetzt muss man sich fragen, warum hat sich die Tomosynthese
noch nicht etabliert? Um als Brustkrebsscreeningmethode akzeptiert zu
werden, muss zuerst eine gesundheitsökonomische Evaluation
vorgenommen werden, bevor die zuständigen Autoritäten hier grünes
Licht geben werden. Das liegt vor allem daran, dass die Technologie
kostenintensiver ist, potentiell eine höhere Strahlendosis hat, und
auch dem Radiologen mehr Zeit bei der Diagnose abverlangt. Die
Entscheidungsträger wollen natürlich auch sichergehen, dass es einen
kontinuierlichen und nachweisbaren Anstieg an Tumorfindungen gibt,
bevor die Tomosynthese eingeführt wird“, so Professor Fiona Gilbert,
Leiterin der radiologischen Abteilung an der University of Cambridge,
UK.
Es muss beurteilt werden, ob jene Tumore, die mit Tomosynthese früher
entdeckt wurden, tödlich geendet hätten, wenn sie erst später mit der
herkömmlichen Mammographie entdeckt worden wären, was aber schwer zu
beweisen ist, so Gilbert weiter.
Ein weiterer Faktor, der berücksichtigt werden muss, ist, dass
Tomosynthese-Untersuchungen deutlich größere Datenmengen produzieren
als die herkömmliche Mammographie. Waren es bisher 4 Bilder zwischen
jeweils 10 und 50 MB plus 4 Bilder der vorhergegangenen Untersuchung,
sind es nun zwischen 20 und 60 Bildern, je nach der Dichte des
Brustgewebes bei einer Schnittbilddichte von 1mm. Bei manchen
Herstellern kann sich diese Menge durch die Verwendung von 0,5mm
Schichten noch verdoppeln.
Die Beurteilung herkömmlicher Mammographieaufnahmen ist ein rascher
Prozess, durch die Datenzunahme bei der Verwendung der Tomosynthese
kommt es aber zu einem höheren Zeitaufwand auf Seiten der Radiologen.
Auch Komplikationen bei der Bildübertragung und dem Umgang mit den
größeren Datenmengen sind zu befürchten. Somit muss die die
Einführung der digitalen Brust-Tomosynthese als Screeningmethode
zwingend Überlegungen bezüglich Infrastruktur, insbesondere
Netzwerkspezifikationen, Befundungs-Hardware und Speicherkapazitäten
mit sich bringen, so Gilbert abschließend.
----
Ab 1. März tagen in Wien über 25.000 Radiologen
Beim 29. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of
Radiology/ECR) vom 1. bis 5. März 2017 im Austria Center in Wien
werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der
medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten
Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung
präsentieren.
Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für
Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über
69.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 25.000 Teilnehmern aus der
ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse
weltweit; zusätzlich bietet er eine der größten
Industrieausstellungen in Europa, bei der auf über 26.000 m² mehr als
300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik
vorstellen.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ECR






