- 16.02.2017, 09:33:49
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Medikamente in Einzelfällen direkt vom Arzt
Reisner präzisiert Idee des eingeschränkten Dispensierrechts
Utl.: Reisner präzisiert Idee des eingeschränkten Dispensierrechts =
Wien (OTS) - Eine der Forderungen des Volksbegehrens „SOS Medizin“
der NÖ Ärztekammer ist die direkte Abgabe von Medikamenten in
Einzelfällen durch niedergelassene Ärzte bei dringender sozialer oder
medizinischer Indikation. Begründet wird dies also nicht nur mit
einer dringenden medizinischen, sondern auch mit einer sozialen
Indikation. Es handelt sich damit lediglich um Einzelfälle und nicht
um eine permanente Abgabe von Medikamenten. Und dennoch löst eine
solche Forderung bei der Apothekerkammer Kritik aus. „Dies ist
zumindest aus Sicht der Interessensvertretung der Apotheker auf den
ersten Blick durchaus nachvollziehbar“, meint der Präsident der NÖ
Ärztekammer, Dr. Christoph Reisner, MSc. „Allerdings geht es bei
diesem eingeschränkten Dispensierrecht lediglich um ein kleines
Sortiment an Medikamenten, das in Einzelfällen direkt vom Arzt an
seine Patienten abgegeben werden darf. Die Rahmenbedingungen für ein
solch innovatives Projekt wollen wir gemeinsam mit der
Apothekerkammer erarbeiten.“
Hausapotheken und öffentliche Apotheken bieten wesentlich
umfassenderes Sortiment
Ärztliche Hausapotheken und öffentliche Apotheken bieten ein sehr
breites Angebot an Medikamenten, das mit einem eingeschränkten
ärztlichen Dispensierrecht keinesfalls vergleichbar ist. Reisner:
„Ein „kleines“ Dispensierrecht umfasst zehn bis 20, in einzelnen
Fächern eventuell 25 Medikamente pro Fachgruppe, die aus dringenden
medizinischen oder sozialen Gründen direkt vom Arzt in der Ordination
oder auch bei Visiten abgegeben werden sollten.“ Die medizinischen
Vorteile zeigen sich unter anderem in einem rascheren Therapiebeginn
sowie einer höheren Therapietreue. Mit sozialer Indikation sind
Situationen gemeint, in denen immobile Menschen nicht die Möglichkeit
haben, eine öffentliche Apotheke aufzusuchen. „Es können dies Mütter
oder Väter kleiner Kinder ohne Auto sein, schwerer erkrankte
Menschen, die das Haus nicht verlassen sollten oder dazu gar nicht in
der Lage sind, ältere Menschen, verletzte Menschen etc.“, so Reisner
weiter. Ein direkt abgegebenes Arzneimittel kann im Einzelfall viel
Sorge und Aufwand ersparen. „Als Arzt händigt man öfters mit einem
flauen Gefühl ein Rezept aus, in dem Wissen, wie schwierig dessen
Einlösung sein wird. Ein eingeschränktes Dispensierrecht wird niemals
eine ärztliche Hausapotheke oder öffentliche Apotheke ersetzen und
soll auch keinesfalls eine Konkurrenz darstellen. Es geht hierbei
lediglich um eine deutliche Erleichterung für die Patienten“,
konkretisiert Reisner.
Neue Kooperation zwischen Ärzten und Apotheken würde
Gesetzesänderung erfordern
Beide Interessensvertretungen, die der Ärzte und die der
Apotheker, wissen, dass es in vielen Gegenden eine gute
Zusammenarbeit zwischen den örtlichen Ärzten und Apothekern gibt.
„Ich könnte mir daher auch beim eingeschränkten Dispensierrecht eine
Kooperation mit einer ortsansässigen Apotheke vorstellen. Warum
sollen Medikamente, die ein Arzt an seine Patienten abgibt, nicht
zuvor von diesem Arzt über die örtliche oder eine nahegelegene
Apotheke bezogen werden können?“, stellt Reisner zur Diskussion.
„Oder was spricht dagegen, dass für genau diese Einzelfälle die
Apotheke eine Art Außenstelle in der Ordination einrichtet?“ Dass für
solche innovativen Schritte Gesetzesänderungen notwendig wären, steht
außer Zweifel. Reisner: „Ärzte und Apotheker haben auch in der
Vergangenheit schon öfters bewiesen, dass sie erfolgreich gemeinsame
Weg gehen können. Wie diese neue Kooperation zwischen Apotheken und
Ordinationen aussehen kann, sollte gemeinsam entwickelt werden. Ich
habe dazu viele Ideen, die zum Ziel führen können, und lade die
Apothekerschaft ein, mit mir ein solches Konzept zu entwickeln, in
dem der Patient im Mittelpunkt steht.“
Präsident Reisner betont abschließend, dass er die Kernkompetenz
der Apotheker keinesfalls in Frage stellt. Das Gegenteil ist der
Fall: Apotheker und Pharmazeuten sollten mit ihrem Wissen vermehrt in
komplexe medikamentöse Behandlungspläne eingebunden werden.
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