Stadler/Tröls-Holzweber/Scheiblauer: „Lehre ist kein ‚Notprogramm‘ für Auszubildende

SPÖ NÖ fordert berufsorientierendes Jahr in der neunten Schulstufe

St. Pölten (OTS) - „Die Grundlage jeder beruflichen Ausbildung ist die Bildung im Pflichtschulbereich. Daher ist darauf zu achten, dass die SchülerInnen ein fundiertes Wissen und Können in Lesen, Schreiben, Rechnen und Englisch erhalten, auf dem sie aufbauen können. Auch auf die Entwicklung der Talente und Potentiale ist Augenmerk zu richten. Vor allem die verschränkte Form der schulischen Tagesbetreuung mit einem geregelten Tagesablauf kann diesen Aufgaben gerecht werden“, erklärt die Bildungssprecherin der SPÖ NÖ, LAbg. Ilona Tröls-Holzweber im Rahmen eines gemeinsamen Pressegespräches mit Landesparteivorsitzendem Mag. Matthias Stadler und dem Vorsitzenden der Jungen Generation NÖ, Albert Scheiblauer, zum Thema Bildung und Ausbildung in einer digitalisierten Berufswelt.

Für Tröls-Holzweber ist auch die Berufsorientierung wichtig, um die Kinder bei der Entscheidung für ihren Ausbildungsweg zu unterstützen:
„Es ist wichtig, Berufsfelder kennenzulernen, praktische Erfahrung zu sammeln und die eigenen Stärken zu kennen. Ein berufsorientierendes Jahr für alle SchülerInnen in der neunten Schulstufe würde dazu die Möglichkeit bieten. Anschließend an die NMS und der AHS-Unterstufe soll dieses berufsorientierende Jahr allen Kindern helfen, die Entscheidung für den weiteren Ausbildungsweg besser treffen zu können.“

Zwt.: „Lehre braucht eine Imagepolitur“
Damit am NÖ Arbeitsmarkt auch künftig genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen, will Albert Scheiblauer die Ausbildung von Lehrlingen verstärkt in den Vordergrund rücken: „Die Lehre der Zukunft braucht eine Imagepolitur. Wer nichts kann, macht eine Lehre? Nichts könnte falscher sein als das. Österreichische Lehrlinge gewinnen einen Wettbewerb nach dem anderen und sind auch in anderen Ländern gefragt. Die Ausbildung wird immer professioneller, anspruchsvoller und moderner – und sie garantiert einen Job als Fachkraft. Das Lebenseinkommen eines Facharbeiters ist heute sehr oft weit höher als das eines Studienabsolventen. Gerade im Osten Österreichs haben sich diese Tatsachen noch nicht herumgesprochen. Daher braucht es eine breite Aufklärungskampagne über die Chancen, die ein Lehrberuf mit sich bringt. Die öffentliche Hand muss Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, unterstützen. Ein gutes Mittel bietet das Bestbieterprinzip, das Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, begünstigt.“ Weiterer Schwerpunkt sei für den JGNÖ-Vorsitzenden lebenslanges Lernen: „Die Durchlässigkeit des Bildungssystems muss verbessert werden. Nur ein Prozent der NÖ FachhochschulbesucherInnen kommen aus einer Lehre. Zeit, dass sich das ändert.“ Er fordert außerdem mehr Kreativität für die Lehrberufe: „Was spricht dagegen sowohl handwerkliche als kaufmännische Fähigkeiten zu einem Lehrberuf zu verbinden? So könnten Fachkräfte sowohl handwerklich auf Montage oder Baustellen als auch für Kalkulations- oder Büroarbeiten eingesetzt werden. So könnte die Ausbildung auch zur Prävention gegen Altersarbeitslosigkeit werden.

Zwt.:Die Digitalisierung verändert die Aus- und Weiterbildung
Egal, wo immer der Arbeitsplatz der Zukunft steht: Er wird vom Internet der Dinge, von komplexer Soft- und Hardware, anspruchsvoller Steuerungstechnik und umfangreichen Managementsystemen geprägt sein. „Die Qualifikation der MitarbeiterInnen ist die Herausforderung Nummer eins für die Unternehmen. Laut Studien werden vor allem einfache Arbeiten in Zukunft von Robotern übernommen. Dafür entstehen neue Jobs, für die deutlich mehr IT-Kompetenz und die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen erforderlich sind. Früher hat eine Ausbildung oder ein Studium für ein ganzes Arbeitsleben gereicht. Heute ist das anders. Denn die Innovationszyklen sind mittlerweile radikal schneller als die Ausbildungszyklen. Interdisziplinäre Aus- und Weiterbildung wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil in den Unternehmen“, sagt Matthias Stadler.

In Österreich ist das duale System bei der Berufsausbildung verbreitet – es weist einen hohen Qualitätsstandard auf und ist praxisbezogen. Stadler spricht sich aber für eine Reformierung der Lehrlingsausbildung aus, um diese noch näher an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes auszurichten. „Sich rasch entwickelnde Technologien, die zunehmende Vernetzung, das Zusammenspiel unterschiedlichster Berufsfelder und die wichtigen Bereiche soziale und allgemeine wirtschaftliche Kompetenzen – die zeitgemäße Aus- und Weiterbildung stellt Unternehmen vor immer größere Herausforderungen, die Ansprüche an die Lehrlinge steigen. Deswegen ist es für uns ein logischer Schritt, dass das duale Ausbildungssystem durch das triale System weiterentwickelt wird“, erklärt Stadler: „Ein Drittel Berufsschule, ein Drittel betriebliche Ausbildung, ein Drittel außerbetriebliche Ausbildung.“

Zum einen wird die Technik selbst immer komplexer – zum anderen sind für den Erfolg im Beruf heute weit mehr Kompetenzen erforderlich, als nur technisches Know-how alleine, ist sich Stadler sicher: „Die Aus-und Weiterbildung muss mit dieser Entwicklung Schritt halten. Ausbildung mit modernster Technik, passendem Equipment und entsprechendem Personal ist für ein Unternehmen alleine kaum noch zu bewältigen. Als Beispiel wird der Beruf des Mechatronikers angeführt, dessen Ausbildung inhaltlich dermaßen breit aufgestellt ist, dass es kaum einen Ausbilder gibt, der alle Themen alleine abdecken kann:
Durch die Modularisierung dieses Lehrberufs wird diese Vielfalt und Breite des Berufsbildes noch weiter zunehmen. Partnerschaften, durch die Lehrlinge Geräte und Know-How eines Partnerunternehmens nutzen könnten, werden daher immer wichtiger.“

Zwt.: Vorbild Holzcluster in Salzburg
In der Salzburger Gemeinde Kuchl sind auf einem Campus Landesberufsschule (für Tischlerei, Tischlereitechnik, Holztechnik), das Holztechnikum (fünfjährige HTL, vierjährige Fachschule sowie eine zweijährige berufsbegleitende Werkmeisterausbildung) und eine Fachhochschule zusammengefasst. Vor allem in HTL und FH sind Projektarbeiten mit Unternehmen für die SchülerInnen eine Herausforderung, die sie gerne annehmen. „Ein wichtiger Aspekt in dieser Einrichtung, die Vorbild auch für einen Ausbildungscampus in anderen Berufsfeldern sein könnte. Denn wir wollen maßgeschneiderte Pakete für Start-Up Unternehmen anbieten und hier schon Hochschulen, Fachhochschulen sowie HTL, HAK und alle anderen berufsbildenden Schulen einbinden und deren AbsolventInnen für innovative Projekte gewinnen“, sagt Stadler.

Das engmaschige Ausbildungsnetz in diesem Ausbildungs- und Kompetenzzentrum ermöglicht einen Weg von der Lehre über die Matura in einer berufsbildenden HTL bis hin zum Absolvieren einer akademischen Ausbildung in einer FH. „Derartige Ausbildungszentren können wir uns in anderen Ausbildungsbereichen auch für NÖ vorstellen. Aufbauend auf einem solchen Campus könnten auch technische Institute installiert werden, die man beispielsweise in Zusammenarbeit mit der TU Wien betreiben könnte“, sagt Stadler, der darauf hinweist, dass es in NÖ bereits den Universitätslehrgang der Wirtschaftskammer „Vom Meister zum Master“ gibt und in St. Pölten ein bundesweit einzigartiger, innovativer ÖBB Campus entsteht: Mit dem geplanten Bildungscampus wird der Konzern alle eisenbahnspezifischen betrieblichen und technischen Ausbildungen sowie Schulungen an einem neuen modernen Standort bündeln. Der Campus wird höchste Ausbildungsqualität und einheitliche Ausbildungsstandards für erwachsene Mitarbeiter und auch für ÖBB-Lehrlinge bieten – durch die Kooperation mit der FH ist auch eine akademische Ausbildung gewährleistet.

„Niederösterreich könnte bundesweites Vorbild in diesem Bereich werden. Wir wollen dafür sorgen, dass die Lehre nicht ein ‚Notprogramm‘ für Auszubildende wird, sondern ein fester Bestandteil am Markt- und Handelsplatz Österreich, insbesondere in Niederösterreich – denn mit bestausgebildeten jungen Menschen, die sich weiterqualifizieren können und nicht die nächsten 50 Jahre in einem Berufsfeld festgenagelt sind, haben wir als Land Zukunft und Potenzial, sind konkurrenzfähig und mitunter auch marktführend in einer globalisierten Welt“, sagt Stadler abschließend.

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