• 14.02.2017, 12:18:24
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Stadler/Tröls-Holzweber/Scheiblauer: „Lehre ist kein ‚Notprogramm‘ für Auszubildende

SPÖ NÖ fordert berufsorientierendes Jahr in der neunten Schulstufe

Utl.: SPÖ NÖ fordert berufsorientierendes Jahr in der neunten
Schulstufe =

St. Pölten (OTS) - „Die Grundlage jeder beruflichen Ausbildung ist
die Bildung im Pflichtschulbereich. Daher ist darauf zu achten, dass
die SchülerInnen ein fundiertes Wissen und Können in Lesen,
Schreiben, Rechnen und Englisch erhalten, auf dem sie aufbauen
können. Auch auf die Entwicklung der Talente und Potentiale ist
Augenmerk zu richten. Vor allem die verschränkte Form der schulischen
Tagesbetreuung mit einem geregelten Tagesablauf kann diesen Aufgaben
gerecht werden“, erklärt die Bildungssprecherin der SPÖ NÖ, LAbg.
Ilona Tröls-Holzweber im Rahmen eines gemeinsamen Pressegespräches
mit Landesparteivorsitzendem Mag. Matthias Stadler und dem
Vorsitzenden der Jungen Generation NÖ, Albert Scheiblauer, zum Thema
Bildung und Ausbildung in einer digitalisierten Berufswelt.

Für Tröls-Holzweber ist auch die Berufsorientierung wichtig, um die
Kinder bei der Entscheidung für ihren Ausbildungsweg zu unterstützen:
„Es ist wichtig, Berufsfelder kennenzulernen, praktische Erfahrung zu
sammeln und die eigenen Stärken zu kennen. Ein berufsorientierendes
Jahr für alle SchülerInnen in der neunten Schulstufe würde dazu die
Möglichkeit bieten. Anschließend an die NMS und der AHS-Unterstufe
soll dieses berufsorientierende Jahr allen Kindern helfen, die
Entscheidung für den weiteren Ausbildungsweg besser treffen zu
können.“

Zwt.: „Lehre braucht eine Imagepolitur“
Damit am NÖ Arbeitsmarkt auch künftig genügend Fachkräfte zur
Verfügung stehen, will Albert Scheiblauer die Ausbildung von
Lehrlingen verstärkt in den Vordergrund rücken: „Die Lehre der
Zukunft braucht eine Imagepolitur. Wer nichts kann, macht eine Lehre?
Nichts könnte falscher sein als das. Österreichische Lehrlinge
gewinnen einen Wettbewerb nach dem anderen und sind auch in anderen
Ländern gefragt. Die Ausbildung wird immer professioneller,
anspruchsvoller und moderner – und sie garantiert einen Job als
Fachkraft. Das Lebenseinkommen eines Facharbeiters ist heute sehr oft
weit höher als das eines Studienabsolventen. Gerade im Osten
Österreichs haben sich diese Tatsachen noch nicht herumgesprochen.
Daher braucht es eine breite Aufklärungskampagne über die Chancen,
die ein Lehrberuf mit sich bringt. Die öffentliche Hand muss
Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, unterstützen. Ein gutes Mittel
bietet das Bestbieterprinzip, das Betriebe, die Lehrlinge ausbilden,
begünstigt.“ Weiterer Schwerpunkt sei für den JGNÖ-Vorsitzenden
lebenslanges Lernen: „Die Durchlässigkeit des Bildungssystems muss
verbessert werden. Nur ein Prozent der NÖ FachhochschulbesucherInnen
kommen aus einer Lehre. Zeit, dass sich das ändert.“ Er fordert
außerdem mehr Kreativität für die Lehrberufe: „Was spricht dagegen
sowohl handwerkliche als kaufmännische Fähigkeiten zu einem Lehrberuf
zu verbinden? So könnten Fachkräfte sowohl handwerklich auf Montage
oder Baustellen als auch für Kalkulations- oder Büroarbeiten
eingesetzt werden. So könnte die Ausbildung auch zur Prävention gegen
Altersarbeitslosigkeit werden.

Zwt.:Die Digitalisierung verändert die Aus- und Weiterbildung
Egal, wo immer der Arbeitsplatz der Zukunft steht: Er wird vom
Internet der Dinge, von komplexer Soft- und Hardware, anspruchsvoller
Steuerungstechnik und umfangreichen Managementsystemen geprägt sein.
„Die Qualifikation der MitarbeiterInnen ist die Herausforderung
Nummer eins für die Unternehmen. Laut Studien werden vor allem
einfache Arbeiten in Zukunft von Robotern übernommen. Dafür entstehen
neue Jobs, für die deutlich mehr IT-Kompetenz und die Bereitschaft zu
lebenslangem Lernen erforderlich sind. Früher hat eine Ausbildung
oder ein Studium für ein ganzes Arbeitsleben gereicht. Heute ist das
anders. Denn die Innovationszyklen sind mittlerweile radikal
schneller als die Ausbildungszyklen. Interdisziplinäre Aus- und
Weiterbildung wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil in den
Unternehmen“, sagt Matthias Stadler.

In Österreich ist das duale System bei der Berufsausbildung
verbreitet – es weist einen hohen Qualitätsstandard auf und ist
praxisbezogen. Stadler spricht sich aber für eine Reformierung der
Lehrlingsausbildung aus, um diese noch näher an den Bedürfnissen des
Arbeitsmarktes auszurichten. „Sich rasch entwickelnde Technologien,
die zunehmende Vernetzung, das Zusammenspiel unterschiedlichster
Berufsfelder und die wichtigen Bereiche soziale und allgemeine
wirtschaftliche Kompetenzen – die zeitgemäße Aus- und Weiterbildung
stellt Unternehmen vor immer größere Herausforderungen, die Ansprüche
an die Lehrlinge steigen. Deswegen ist es für uns ein logischer
Schritt, dass das duale Ausbildungssystem durch das triale System
weiterentwickelt wird“, erklärt Stadler: „Ein Drittel Berufsschule,
ein Drittel betriebliche Ausbildung, ein Drittel außerbetriebliche
Ausbildung.“

Zum einen wird die Technik selbst immer komplexer – zum anderen sind
für den Erfolg im Beruf heute weit mehr Kompetenzen erforderlich, als
nur technisches Know-how alleine, ist sich Stadler sicher: „Die Aus-
und Weiterbildung muss mit dieser Entwicklung Schritt halten.
Ausbildung mit modernster Technik, passendem Equipment und
entsprechendem Personal ist für ein Unternehmen alleine kaum noch zu
bewältigen. Als Beispiel wird der Beruf des Mechatronikers angeführt,
dessen Ausbildung inhaltlich dermaßen breit aufgestellt ist, dass es
kaum einen Ausbilder gibt, der alle Themen alleine abdecken kann:
Durch die Modularisierung dieses Lehrberufs wird diese Vielfalt und
Breite des Berufsbildes noch weiter zunehmen. Partnerschaften, durch
die Lehrlinge Geräte und Know-How eines Partnerunternehmens nutzen
könnten, werden daher immer wichtiger.“

Zwt.: Vorbild Holzcluster in Salzburg
In der Salzburger Gemeinde Kuchl sind auf einem Campus
Landesberufsschule (für Tischlerei, Tischlereitechnik, Holztechnik),
das Holztechnikum (fünfjährige HTL, vierjährige Fachschule sowie eine
zweijährige berufsbegleitende Werkmeisterausbildung) und eine
Fachhochschule zusammengefasst. Vor allem in HTL und FH sind
Projektarbeiten mit Unternehmen für die SchülerInnen eine
Herausforderung, die sie gerne annehmen. „Ein wichtiger Aspekt in
dieser Einrichtung, die Vorbild auch für einen Ausbildungscampus in
anderen Berufsfeldern sein könnte. Denn wir wollen maßgeschneiderte
Pakete für Start-Up Unternehmen anbieten und hier schon Hochschulen,
Fachhochschulen sowie HTL, HAK und alle anderen berufsbildenden
Schulen einbinden und deren AbsolventInnen für innovative Projekte
gewinnen“, sagt Stadler.

Das engmaschige Ausbildungsnetz in diesem Ausbildungs- und
Kompetenzzentrum ermöglicht einen Weg von der Lehre über die Matura
in einer berufsbildenden HTL bis hin zum Absolvieren einer
akademischen Ausbildung in einer FH. „Derartige Ausbildungszentren
können wir uns in anderen Ausbildungsbereichen auch für NÖ
vorstellen. Aufbauend auf einem solchen Campus könnten auch
technische Institute installiert werden, die man beispielsweise in
Zusammenarbeit mit der TU Wien betreiben könnte“, sagt Stadler, der
darauf hinweist, dass es in NÖ bereits den Universitätslehrgang der
Wirtschaftskammer „Vom Meister zum Master“ gibt und in St. Pölten ein
bundesweit einzigartiger, innovativer ÖBB Campus entsteht: Mit dem
geplanten Bildungscampus wird der Konzern alle eisenbahnspezifischen
betrieblichen und technischen Ausbildungen sowie Schulungen an einem
neuen modernen Standort bündeln. Der Campus wird höchste
Ausbildungsqualität und einheitliche Ausbildungsstandards für
erwachsene Mitarbeiter und auch für ÖBB-Lehrlinge bieten – durch die
Kooperation mit der FH ist auch eine akademische Ausbildung
gewährleistet.

„Niederösterreich könnte bundesweites Vorbild in diesem Bereich
werden. Wir wollen dafür sorgen, dass die Lehre nicht ein
‚Notprogramm‘ für Auszubildende wird, sondern ein fester Bestandteil
am Markt- und Handelsplatz Österreich, insbesondere in
Niederösterreich – denn mit bestausgebildeten jungen Menschen, die
sich weiterqualifizieren können und nicht die nächsten 50 Jahre in
einem Berufsfeld festgenagelt sind, haben wir als Land Zukunft und
Potenzial, sind konkurrenzfähig und mitunter auch marktführend in
einer globalisierten Welt“, sagt Stadler abschließend.

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