• 07.02.2017, 09:43:48
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  • OTS0024

Wiener Tierschutzverein: Keine Tierrettung mehr in der Stadt Wien

Stadt Wien wandelt Tierrettung in Fundservice um. Für den Wiener Tierschutzverein ein nicht tragbarer Zustand.

Utl.: Stadt Wien wandelt Tierrettung in Fundservice um. Für den
Wiener Tierschutzverein ein nicht tragbarer Zustand. =

Vösendorf (OTS) - Bis zum Frühjahr 2015 hat der Wiener
Tierschutzverein (WTV) mit seinem Tierschutzhaus in Vösendorf im
Auftrag der Stadt Wien alle Agenden der Versorgung von Tieren in Not
in Wien eigenverantwortlich wahrgenommen. Der WTV erhielt dafür keine
Subventionen, sondern ein moderates Leistungsentgelt für jedes
einzelne der tatsächlich aufgenommenen und versorgten Tiere. Im
Frühjahr 2015 wurde das Tierheim der Stadt Wien im Norden der Stadt
eröffnet und ab 1. Juli 2015 übernahm die Stadt Wien den
Tierrettungsdienst. Der Rettungsvertrag des Wiener Tierschutzvereins
lief mit 30. Juni 2015 aus und auch der Leistungsvertrag für Hunde
und Katzen wurde nicht verlängert. „Ohne eine zumindest teilweise
Abdeckung der Kosten der Rettungsleistungen, kann ein umfassendes
Rettungsservice, das mit circa 300.000 Euro zu veranschlagen ist,
nicht lediglich aus Spendengeldern finanziert werden. Überdies ist ja
nicht einzusehen, warum ein privater Verein Verpflichtungen der Stadt
ohne Gegenleistung erfüllen sollte“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine
Petrovic.

Gefundene und verletzte Hunde und Katzen in Wien kommen nun ins
städtische Tierheim, Vögel und Wildtiere werden von der städtischen
Tierrettung weiterhin ins Wiener Tierschutzhaus überstellt. Dies galt
jedenfalls bis zum Anfang Februar, bis zur einseitigen Änderung der
Aufgabenbereiche durch die Stadt Wien.

Stadt Wien stellt Tierrettung ein

Denn da musste das Team des WTV eher zufällig erfahren, dass die
Stadt Wien de facto den Rettungsdienst aufgegeben haben dürfte, ohne
den WTV, der ja eigentlich ein vertraglicher Kooperationspartner ist,
vorab darüber zu informieren. Denn das Tonband der Tierschutzhelpline
in Wien, welches von der MA60 (Veterinäramt) betrieben wird, wurde
geändert. Dort hören die Anrufer seit kurzem, dass nur noch ein
„Fundservice für Haustiere“ angeboten wird. Auf Nachfrage bei der
MA60 wurde dies auch bestätigt. „Vögel und Wildtiere aller Art werden
demnach nicht mehr betreut, das ursprünglich alle Tiere umfassende
Rettungs-Service ist zerstört“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine
Petrovic. Sie ortet hier neben einem massiven Nachteil für
notleidende Tiere auch eine Verletzung der Intentionen der Verträge
von 2015.

Bürger sollen Tierrettung spielen

Denn im Klartext bedeutet dies: In der Stadt Wien in Not geratene
Vögel und Wildtiere werden künftig nicht mehr mit einem
Rettungseinsatz bedacht, sondern es ist Privatpersonen, sprich den
Findern selbst überlassen, die Tiere in bestimmte Einrichtungen, wie
etwa ins Wiener Tierschutzhaus des WTV, zu bringen. Ein Umstand, der
so weder vereinbart, noch tragbar ist. „Die Wiener Bevölkerung ist
ohnehin sehr hilfsbereit, aber ohne professionelle Basis ist ein rein
ehrenamtlicher, nicht organisierter Rettungsdienst nicht möglich. Das
wäre, als wollte man die Arbeit der Wiener Spitäler, Rettungsdienste
und der Einsatzzentralen durch die zufälligen Dienste ehrenamtlicher
Sanitäterinnen und Sanitäter ersetzen. Und nicht zuletzt sind die
Hauptleidtragenden natürlich wieder einmal die Tiere“, so Petrovic.

Ohne Vorwarnung

Die Beendigung des Rettungs-Vertrags zwischen der Stadt Wien und dem
WTV per 30. Juni 2015 hat dem WTV beträchtliche Kosten verursacht,
insbesondere bedingt durch auf die Kündigung von Rettungsfahrern und
den Umbau der Erstaufnahme-Station („Quarantäne“) in Vösendorf. "Dass
jetzt nach nur eineinhalb Jahren ohne Gespräch, ohne Vereinbarung
alles auf den Kopf gestellt wird, kann nicht ohne weiteres
hingenommen werden“, so Petrovic. Außerdem stellt sich natürlich die
Frage, wieso man eine funktionierende Tierrettung des WTV durch eine
teurere städtische Variante, deren Kosten die Steuerzahlerinnen und
Steuerzahler zu tragen haben, ersetzen musste, nur um sie dann nach
kurzer Zeit wieder einzustellen bzw. zu reduzieren. „Eigentlich ist
dies eine unglaubliche Ungerechtigkeit an den Bürgerinnen und Bürgern
Wiens, denn sie haben die Kosten für die städtische Tierrettung, wie
etwa den Kauf neuer Tierrettungsfahrzeuge und dergleichen,
mitgetragen. Nun sind sie, wenn sie ein verletztes Wildtier oder
einen Vogel gefunden haben, auf sich allein gestellt“, so Petrovic.

Zudem stellt die WTV-Präsidentin die Frage nach der Kostenwahrheit:
Denn von einer wirtschaftlichen Vergleichbarkeit und einer fairen und
transparenten Kostendarstellung kann keine Rede sein. Während der WTV
alle seine Kosten selbst trägt und sämtliche Daten veröffentlicht,
werden die Kosten des Tierheims der Stadt Wien aufgesplittet und aus
verschiedenen Budgets gespeist. „Die Telefonzentrale - jetzt also das
reduzierte „Fundservice für Haustiere“ - läuft über das Budget der
MA60, das zu diesem Zweck aufgestockt werden musste. Allein dieses
Call-Center hat etwa so viel gekostet wie der WTV für sämtliche
Rettungs- und Versorgungsdienste für alle Tiere in Not in Wien
zuletzt 2014 erhalten hat“, so Petrovic.

Keine Kooperationsbereitschaft

Der WTV hat seit jeher eine Kooperation auf Augenhöhe angestrebt und
ein zweites Tierheim am anderen Ende der Stadt immer befürwortet.
„Nach bald zwei Jahren des Bestehens des Tierheims der Stadt Wien
konnte allerdings noch kein faires, transparentes und gleichwertiges
Miteinander erreicht werden. Dies verlangen wir nun mit Nachdruck“,
so Petrovic. So hat etwa der WTV hat alle Daten eingegangener Tiere
an die Stadt zu melden, erfährt jedoch nicht, welche Tiere im
Tierheim der Stadt Wien aufgenommen worden sind. „Nach dem geltenden
Leistungsvertrag sollten gefundene oder abgenommene Hunde und Katzen
auch wieder nach Vösendorf kommen, sobald die Kapazitätsgrenzen im
städtischen Tierheim ausgeschöpft sind. Dem Vernehmen nach soll das
bereits der Fall sein. Allerdings gibt es keinen
Informationsaustausch“, sagt Petrovic. Und fügt hinzu: „Wir haben im
Vertrauen auf laufende Verbesserungen etliche wirklich nicht faire
Umstände als „Anfangsschwierigkeiten“ oder „Kinderkrankheiten“
vorübergehend geduldet. Wenn aber jetzt anstatt einem Mehr an
Transparenz und ehrlicher Kooperation, Nacht und Nebel Aktionen den
Tierschutz in Wien gefährden, dann müssen wir betrübt zur Kenntnis
nehmen, dass nur wir die Tiere nicht im Stich lassen“.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WTV

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