Geschichte lernt man nicht nur in Philippi!

Ein Brief der Sektion ohne Namen an Innenminister Wolfgang Sobotka.

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Wolfgang Sobotka, 

Sehr geehrter Herr Bundesminister für Inneres,

Das Demonstrationsrecht ist ein Grundwert unserer Demokratie. Eine Einschränkung dieses Rechtes würde bedeuten, dass der Staat entscheidet, wer demonstrieren darf und in welcher Form. Sie öffnen damit die Büchse der Pandora zur Einschränkung unserer Freiheits- und Menschenrechte. Das können, dürfen und werden wir nicht zulassen. In dem Augenblick, in dem Sie uns Österreicherinnen und Österreichern vorschreiben wollen, wie unsere Freiheitsrechte auszusehen haben, sind wir dieser bereits beraubt.  

Wie, glauben Sie, würde unsere Gesellschaft heute aussehen, wenn es die Möglichkeit zum öffentlichen Eintreten seiner Interessen in der Vergangenheit nicht gegeben hätte oder wenn diese nicht von mutigen BürgerInnen eingefordert worden wären? Wo wäre die Gleichberechtigung? Wo die freien Wahlen? Wo der Schutz der Minderheiten? Wo die Arbeitnehmerrechte? 

Unsere Welt wäre ohne die öffentlichen Bewegungen der französischen Revolution, der Freiheits- und Frauenbewegungen des 19.- und 20. Jahrhunderts und der Gewerkschaftsbewegungen nicht die freie, liberale, offene Gesellschaft, um die uns die ganze Welt beneidet.

Sie glauben das nicht? Fragen Sie Flüchtlinge aus Syrien, aus Afghanistan, aus dem Iran oder der Türkei, die in Österreich ein friedliches Zuhause gefunden haben, was Freiheit und Demokratie für sie bedeuten. Es mag mühsam erscheinen, wenn die ein oder andere Straße gesperrt ist, aber auf diesen Straßen wurde unsere Freiheit eingefordert und erkämpft. 

Der Woman's March von Washington mit hunderttausenden Frauen in der Wiege der Demokratie beweist, dass das Eintreten für Demokratie heute wichtiger denn je ist, in Zeiten in denen der Populismus wieder keimt und Demagogen an die Macht streben. 

Herr Sobotka, zerstören Sie nicht, was große Männer und Frauen mit ihrem Mut, ihrem Geist und ihrer Tat geschaffen haben? Wenn Sie das versuchen, werden Sie sehen, dass diesem Vorhaben nicht lange Erfolg beschienen ist. Denn die BürgerInnen werden sehr bald wieder jene Rechte einfordern, die sie einst besessen hatten. Ist der Keim der Freiheit und Demokratie erst gesprossen, ist er aus den Köpfen der Menschen nicht mehr zu vertreiben.

Die Sektion ohne Namen bekennt sich zu allen Grundwerten unserer Demokratie und zum Wert der Freiheit, der niemals wieder in Österreich eingeschränkt werden darf, um Bevölkerungsgruppen, Minderheiten, Andersdenkende, jedem Menschen dieser Welt das Recht auf öffentliche Versammlungen und ein Eintreten ihrer Meinung zu nehmen.

Herr Innenminister, lernen Sie Geschichte! Wir verweisen auf Bücher von Stefan Zweig, Egon Friedell, die Reden der Freiheit der französischen Revolution, der amerikanischen Unabhängigkeit und auf die Vorbilder der Menschheit wie Nelson Mandela, Martin Luther King, Simone de Beauvoir, Mahatma Ghandi, Charlie Chaplin, Voltaire, Bertha von Suttner, Viktor Adler, Jean Jaures, Willy Brandt, Bruno Kreisky und viele andere.

Hängen Sie das Bild von Engelbert Dollfuss endlich ab.

Wir haben 2017!

Österreich ist und bleibt frei! 

Rückfragen & Kontakt:

Stefan Szakusits
Pressesprecher der Sektion ohne Namen
presse@sektionohnenamen.org
www.sektionohnenamen.org
facebook.com/sektionohnenamen

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SON0001