Lehrqualität leidet an Grazer Unis

Verpasste Chancen in der Qualitätssicherung

Graz (OTS) - Qualitätssichernde Maßnahmen sind als staatliche Hochschule zur Wahrung des internationalen Renommees unabdingbar. Privatuniversitäten oder Fachhochschulen müssen, um ihren Status zu erhalten, Akkreditierungen externer Qualitätssicherungsagenturen und deren Kriterien standhalten; Universitäten legen ihren Kriterienkatalog bei ihren Quality Audits selbst fest. Zu wenig ehrgeizige Ziele schlagen sich nun in der Lehrqualität an den Grazer Unis nieder.

Ein wichtiger Teil dieser Maßnahmen sind Evaluierungen von Lehrveranstaltungen durch Studierende. Die derzeitige Nonchalance, mit der Ergebnisse dieser Evaluierungen in universitären Entscheidungsfindungen ignoriert werden, ist für die Vorsitzenden der HochschülerInnenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz, der Technischen Universität Graz und der Kunstuniversität Graz jedoch nicht mehr tragbar.

Diese Nichtbeachtung schlägt sich in schlechten Rücklaufquoten von Evaluierungen nieder, wie kürzlich im Senat der TU Graz präsentierte Zahlen zeigen. “Die Auswirkungen sind Prüfungstourismus und immer weniger Feedback von Seite der Studierenden” beschreibt Patrik Buchhaus, Vorsitzender der HochschülerInnenschaft an der TU Graz, die Situation an seiner Universität. “Studierende, die für eine Prüfung nach Wien fahren anstatt auf ein Feedbackinstrument zurückzugreifen, versinnbildlichen für mich die herrschende Resignation im Universitätsbetrieb.”

An der Kunstuniversität Graz führen derzeit geführte Klagen vor dem Arbeitsgericht zu weiteren Rückschritten. Sebastian Höft, Vorsitzender der dortigen HochschülerInnenschaft, prangert das rücksichtslose Vorgehen des künstlerisch-wissenschaftlichen Betriebsrats in Bezug auf eine zu etablierende universitäre Qualitätskultur an: „Rechtssicherheit für Lehrende zu erreichen, indem kurz vor einer Betriebsratswahl jahrelang erfolgreich aufgebaute Qualitätssicherungsinstrumente gesprengt werden, schadet der Kunstuniversität nachhaltig. Wir werden weitere studentische Kollateralschäden nicht mehr hinnehmen.“

Markus Trebuch, Vorsitzender der HochschülerInnenschaft an der Karl-Franzens-Universität Graz, fordert verpflichtende Evaluierungen, deren Ergebnisse veröffentlicht werden und auch Konsequenzen mit sich bringen: „Für eine bestmögliche Lehre reicht es nicht mehr, den Status Quo zu halten, es müssen konstruktive Vorschläge her.“

Die HochschülerInnenschaften der Grazer Universitäten werden angesichts der zusehends blockierenden Manöver von Seiten universitärer Organe oder Interessensvertretungen nun öffentlichkeitswirksamer agieren. „Wir glauben, dass sich die zusätzliche Aufmerksamkeit auf universitäre Missstände positiv auf Entscheidungsprozesse und den Hochschulstandort Graz auswirken wird.“ sind sich die drei Vorsitzenden einig.

Im Angesicht der neuesten politischen Entwicklungen ist nun auf reflektiertere Entscheidungsprozesse auf Hochschulebene im Interesse der gesamten Universität zu hoffen.

Rückfragen & Kontakt:

Patrik Buchhaus, Vorsitzender HTU Graz
vorsitz@htu.tugraz.at, +46 316 / 873-5100

Markus Trebuch, Vorsitzender ÖH Uni Graz
markus.trebuch@oehunigraz.at, +43 664 / 520 25 91

Sebastian Höft, Vorsitzender ÖH Kunstuniversität Graz
oeh-vorsitz@kug.ac.at, +43 664 / 88 79 86 13

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