- 31.01.2017, 09:30:01
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Allianz Studie: Ablenkung ist die gefährlichste Todesfalle für Autofahrer
Moderne technische Fahrzeugausstattung erhöht Ablenkungsgefahr Unterschätzte Gefahr soziale Interaktion Besonders gefährdet: junge Menschen und Berufsfahrer
Utl.: Moderne technische Fahrzeugausstattung erhöht Ablenkungsgefahr
Unterschätzte Gefahr soziale Interaktion
Besonders gefährdet: junge Menschen und Berufsfahrer =
Wien (OTS) - Täglich geschehen auf Österreichs Straßen 35
Verkehrsunfälle mit Personenschaden, bei denen die Ablenkung der
Autofahrer eine wesentliche Rolle spielt. Bei 30,3 Prozent aller
tödlichen Unfälle und 130 Verkehrstoten im Jahr ist Ablenkung die
Ursache und hat damit Alkohol als Risiko Nummer Eins im
Straßenverkehr abgelöst. Als besondere Gefahrenquelle gilt die
vermehrte Nutzung moderner Fahrzeugtechnik, zeigt nun eine aktuelle
Allianz Studie. Der Gebrauch von Navi und Bordcomputer, vernetzte
Musikabspieltechnik, das Telefonieren selbst mit Freisprechanlage,
aber auch Diskussionen und Konflikte mit den Beifahrern können zur
tödlichen Gefahr werden.
Fahrzeugausstattung – Segen oder Fluch?
„Zur Ablenkung beim Autofahren verführt in vielen Fällen die
Technik“, erklärt Studienautor Dr. Jörg Kubitzki vom Allianz Zentrum
für Technik. So telefonieren 65 Prozent der österreichischen
Autofahrerinnen und Autofahrer während der Fahrt (34 Prozent immer
noch mit dem Handy am Ohr), 30 Prozent schreiben und 19 Prozent lesen
Textnachrichten am Smartphone. 82 Prozent wenden ihren Blick während
der Fahrt zum „Navi“, 74 Prozent bedienen das Autoradio und 31
Prozent den Bordcomputer. Österreichische Lenker nützen vorhandene
technische Geräte während der Fahrt übrigens deutlich häufiger als
Deutsche oder Schweizer – die höheren Ausstattungsgrade heimischer
Autos verschärfen die Unfallgefahr Ablenkung zusätzlich. 86 Prozent
der Befragten gaben an, durch Fahrzeug- oder Musikabspieltechnik in
ihrer Aufmerksamkeit beim Lenken durchaus beansprucht zu werden.
Höheres Unfallrisiko für Handynutzer – auch mit
Freisprechanlage
Besonders gefährdet durch Ablenkung sind junge Autofahrerinnen und
Autofahrer unter 24 Jahren sowie Berufslenker, stellt die Allianz
Studie fest. Unabhängig von der jährlichen Fahrleistung weisen
darüber hinaus Fahrer mit regelmäßiger Handynutzung eine signifikant
höhere Anzahl an Unfällen auf. Auch die Freisprechanlage – eine
solche besitzen 55 Prozent der heimischen Autofahrer, gegenüber nur
41 Prozent in Deutschland und 39 Prozent in der Schweiz – beseitigt
die Probleme nicht, meint Allianz Experte Kubitzki. Im Gegenteil:
„Sie verleitet zu wesentlich längeren, Aufmerksamkeit fordernden
Telefonaten und sorgt damit oft für noch mehr mentale Ablenkung.“
Zudem besteht bei vielen Menschen das Bedürfnis, zeitnah über den
Stand der Kontaktaufnahmen informiert zu sein: 30 Prozent geben an,
während der Fahrt regelmäßig ihr Handy auf eingegangene
Textnachrichten zu überprüfen, bei Fahrern unter 24 Jahren sogar fast
jeder Zweite. Ein großer Teil der Kommunikation während der Fahrt
erfolgt laut Studie mit einem relativ kleinen Kreis unterschiedlicher
Gesprächspartner. „Die Lösung wäre also eigentlich einfach: eine
freiwillige Nummernunterdrückung häufiger Gesprächspartner während
des Autofahrens“, so Kubitzki.
Gefahr durch Beifahrer
Maßgeblich unterschätzt wurde bisher die Unfallgefahr durch soziale
Interaktion im Fahrzeug, stellt die Allianz Studie fest. So
beanspruchen telefonierende, websurfende, textende Mitfahrer häufig
die Aufmerksamkeit des Lenkers. 72 Prozent der österreichischen
Autofahrer berichten, dass sie Telefongespräche ihrer Mitfahrer
mithören, 70 Prozent sind öfter in intensive Gespräche mit den
Mitfahrern verwickelt, bei 47 Prozent kommt es hin und wieder zu
aggressiven Situationen, bei 13 Prozent zum Austausch von Küssen.
„Emotional aufgeheizte Stimmung im Wagen ist ein besonders
gefährlicher Negativfaktor für die Verkehrssicherheit“, berichtet
Kubitzki und belegt dies mit Zahlen: 49 Prozent der Unfalllenker
gaben an, dass dies bei ihnen häufig vorkommt, hingegen nur 32
Prozent der unfallfreien Lenker.
Überschätzte Multitasking-Fähigkeit
„Moderne Komforttechnik im Auto und irreführende Werbeaussagen
suggerieren oftmals, dass das Autofahren quasi nebenbei erledigt
werden könne. Die Konsequenzen derart überschätzter
Multitasking-Fähigkeit sind im Straßenverkehr oft fatal“, betont
Kubitzki. Mangelnde Konzentration auf das Verkehrsgeschehen führe zur
Einschränkung des Sehfelds, Vernachlässigung des Sicherns (Spiegel-,
Schulter-, Anzeigeblicke) und verlängerter Reaktionszeit. Die Folge
sind meist Auffahrunfälle: Bei mehr als der Hälfte einer untersuchten
Unfallstichprobe gab es keinerlei Bremsversuch, bei 70 Prozent auch
keinen Ausweichversuch vor dem Aufprall, wie die Allianz Studie
zeigt. Bei drei Viertel der ablenkungsbedingten Unfälle waren Männer
am Steuer.
Unfallprävention: Ablenkung im Fokus
„Es gilt also, in der Unfallprävention diesem Risiko weiter spezielle
Beachtung zu schenken. Mit allen Mitteln, die zur Verfügung stehen:
von den gesetzlichen Rahmenbedingungen bis zur Lenkerausbildung, von
der Medienkommunikation bis zur Versicherungsberatung“, bekräftigt
Mag. Beate Sommerer, Schadenexpertin und Geschäftsführerin des
Allianz Kundenservice. Erfreut zeigt sie sich über die von der Studie
aufgezeigte Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die
Ablenkungsgefahr und die besonders in Österreich verbesserte
Beachtung dieses Faktors bei der behördlichen Erfassung von
Unfalldaten. Die gute technische Ausstattung österreichischer Autos
und die Nutzung dieser Technik während der Fahrt machen das Thema
Ablenkung gerade hierzulande aber auch besonders brisant. So sind
mittlerweile 36 Prozent aller Autos in Österreich mit einem
Bordcomputer mit Display und Menüfunktionen ausgestattet, 52 Prozent
verfügen über ein Navi und 93 Prozent haben ein Autoradio – und alle
beanspruchen Aufmerksamkeit.
„Zudem sollte in der Entwicklung der Fahrzeugtechnik das Thema
Ablenkung stärker beachtet werden“, meint Studienautor Kubitzki.
Erwünscht wäre vor allem eine Förderung der Kfz-Ausstattung mit
Fahrerassistenzsystemen, die die Sicherheit in der Längsführung
verbessern (z.B. Notbremsassistenten, abstandskontrollierende
Systeme). Zurückhaltung wäre hingegen in der Entwicklung von
Komfort-Applikationen im Auto, die eine visuelle oder manuelle
Hinwendung des Lenkers erfordern, angesagt.
Die Umfrage zur Studie wurde als Online-Befragung vom
Marktforschungsinstitut MAKAM Research, Wien, im Frühjahr 2016 im
Auftrag der Allianz durchgeführt. Befragt wurden 1.600
Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland, Österreich und der
Schweiz.
Das Allianz Zentrum für Technik
Als Forschungsinstitut der Allianz untersucht das Allianz Zentrum für
Technik Fragestellungen aus den Bereichen Kraftfahrzeugtechnik und
Straßenverkehrssicherheit. Dabei geht es vorrangig um die Erhöhung
der Verkehrssicherheit sowie die Schadenvermeidung, verbessertes
Crash-Verhalten und erhöhte Reparaturfreundlichkeit.
Wien, am 31. Jänner 2017
Downloads im Internet unter
https://www.allianz.at/ueber-allianz/media-newsroom/
Foto: Mag. Beate Sommerer (© Allianz) – Abdruck honorarfrei
Foto: Dr. Jörg Kubitzki (© Allianz) – Abdruck honorarfrei
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Studie „Ablenkung durch moderne Informations- und
Kommunikationstechiken und soziale Interaktion bei Autofahrern“ als
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