Die „Schasaugerten“ auf Facebook

Die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs zeigt sich über herabwürdigende Darstellung eines Audiokommentators bestürzt

Wien (OTS) - Dienstagabend wurden in „Willkommen Österreich“, der beliebten Late -Night -Show des ORF, blinde und sehbehinderte Menschen auf besonders üble Weise aufs Korn genommen. Die Ankündigung, dass Facebook in Zukunft für Menschen mit Sehbehinderung besser nutzbar sein soll, wurde durch die übertrieben grobe Darstellung eines Audiokommentators verspottet.

Mag. Klaus Höckner, Vorstand der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs, meint dazu: „Satire darf ja bekanntlich alles, aber hier hat die für ihren Brachialhumor und die oft grenzüberschreitende Satire bekannte und beliebte Sendung die Grenzen überschritten. Ich möchte mich vor allem gegen diese besonders unappetitliche und herabwürdigende Darstellung eines Audiokommentators wenden. Blinde und sehbehinderte Menschen sind sehr dankbar für dieses Angebot, dass der ORF als Vorreiter im deutschsprachigen Fernsehen von Jahr zu Jahr erweitert, um blinden und sehbehinderten Menschen barrierefreies Fernsehen zu ermöglichen. Ob Sportereignisse wie gerade erst gestern der Nachtslalom in Schladming oder die kommende Angelobung des Bundespräsidenten – erst die fundierte und sachkundige Beschreibung der Bilder ermöglicht blinden und sehbehinderten Menschen, diese Ereignisse uneingeschränkt mit verfolgen zu können und ermöglichen somit die selbstbestimmte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Zudem wurden Audiokommentar und alternative Beschreibungen miteinander verwechselt, somit fehlt auch die fachliche Grundlage. Warum sehbeeinträchtigte Menschen in den sozialen Medien nicht die volle Teilhabe erfahren sollten, wie die Sendung impliziert, ist mir nicht einsichtig. Blinde und sehbehinderte Menschen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen als „schasaugert“ zu bezeichnen und „Loser“ statt „User“ sowie den Audiokommentator als versoffenen, unappetitlichen Nerd darzustellen, ist weder witzig noch in irgendeiner Weise hilfreich!“

Prof. Dr. Elmar Fürst, Vorstandsvorsitzender und selbst Betroffener äußert sich ebenfalls kritisch:“ In Zeiten, wo sich alle um Inklusion bemühen, ist so eine Geschmacklosigkeit bei allem Verständnis für Satire und Humor abzulehnen. Audiokommentare sind ein sinnvolles Angebot durch das blinden und sehbehinderten Menschen „Fernsehen“ überhaupt erst möglich gemacht wird. Gerade die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs ist mit Projekten wie football4all, theater4all und den vielfältigen Beratungsangeboten zur Barrierefreiheit ständig darum bemüht, das Leben für blinde und sehbehinderte Menschen zu erleichtern und auch entsprechendes Bewusstsein zu schaffen. Als selbst Betroffener beleidigt mich eine solche Niveaulosigkeit. Wir laden die Herren Satiriker gerne einmal zu uns in die Hilfsgemeinschaft ein, damit sie sich selbst ein Bild von der realen Lebenssituation blinder und sehbehinderter Menschen machen können.“

Rückfragen & Kontakt:

Helga Bachleitner, Leitung Kommunikation, Tel. 01/330 35 45 - 82, E-Mail: bachleitner@hilfsgemeinschaft.at

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