- 24.01.2017, 09:11:01
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GEORG-Kongress: OnkoReha interdisziplinär & multiprofessionell 2017

Wien (OTS) - Am 20. Jänner fand der zweite GEORG-Kongress unter dem
Motto „OnkoReha interdisziplinär & multiprofessionell 2017“ statt.
Die Gesellschaft zur Erforschung onkologischer rehabilitativer
Grundlagen (GEORG) ist ein gemeinnütziger, länderübergreifend
wirkender Verein mit der Zielsetzung, die Themen onkologische
Rehabilitation sowie Nebenwirkungsmanagement und supportive Therapien
in Wissenschaft, klinischer Praxis und Lehre zu forcieren – und dies
im interdisziplinären und multiprofessionellen Setting.
Vereinspräsident Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna begrüßte 150
Teilnehmer zur zweiten Ausgabe des Kongresses am 20. Jänner im
Billrothhaus der Gesellschaft der Ärzte in Wien. Dabei wurden
praktische Aspekte und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zum
Thema „Onkologische Rehabilitation“ durch renommierte Meinungsbildner
und spezialisierte Kolleginnen und Kollegen präsentiert. „Die
Maßnahme Onkologische Rehabilitation ist effektiv und sie ermöglicht
eine Verbesserung des funktionellen Status, der Lebensqualität und
der Partizipation. Die stationäre Rehabilitation ist in Österreich
bereits etabliert, die ambulante Rehabilitation im Aufbau.
Wesentliche Zukunftsthemen sind Adherence sowie Arbeitsfähigkeit und
„return to work‟. Die onkologische Rehabilitation setzt direkt bei
individuellen Defiziten und Ressourcen unserer Patientinnen und
Patienten an“, so Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna (Leiter der
Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der
Med Uni Wien).
Qualität von Reha und Therapie gestiegen
Gelebte Interdisziplinarität und Multiprofessionalität sind wichtige
Themen und standen im Vordergrund der Veranstaltung, die Teil des
Fortbildungsprogrammes der Ärztekammer ist. Ziel ist es, einen
interessanten fachlichen und wissenschaftlichen Beitrag zur
Diskussion beizusteuern. Der Programmbogen wurde dabei von Vorträgen,
einer spannenden Podiumsdiskussion zum Thema „Rehabilitation &
return to work“ bis hin zur Präsentation erster Ergebnisse einer (von
GEORG initiierten) multizentrischen Studie zur Erfassung des
subjektiven Benefits einer stationären onkologische Rehabilitation
aus der Sicht der Patientinnen und Patienten gespannten. „Angesichts
immer besser werdender Therapieoptionen und der immer längeren
Lebensdauer von Patienten mit auch fortgeschrittenen Tumoren spielt
eine Rehabilitation nach Eingriffen, unerwarteten Komplikationen oder
auch nach bestimmten Therapieformen eine immer größere Rolle, die in
das Gesamtkonzept der Patientenversorgung immer mehr wertvollen
Eingang findet“, so Univ. Professor Dr. Dr.h.c. Christoph Zielinski
(Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Med Uni Wien).
Patientenfokus: return to work
Dieses Jahr standen besonders Betroffene und auf deren individuelle
Bedürfnisse im Fokus. Vor diesem Hintergrund bildete die Rückkehr ins
Berufsleben („return to work“, Stichwort „Arbeitsmedizin“),
insbesondere bei jungen Menschen mit Krebs, einen Schwerpunkt. Auch
Erwachsene, die als Kinder und Jugendliche eine Krebserkrankung
hatten, wurden stärker in den Mittelpunkt gerückt. Zudem wurden die
Entwicklungen in und mit einzelnen Reha-Zentren beleuchtet. Dazu gibt
es einige nennenswerte Beiträge: Am onkologischen Reha-Zentrum in St.
Veit im Pongau etwa werden Therapieerfolge mittels eines
Online-Systems erfasst. Gezielte Vorträge zu den einzelnen
Interventionen wie Sport- und Trainingstherapie werden das Programm
ergänzen.
„Krebspatienten wurden vor 20 Jahren noch angehalten, sich zu schonen
und auf übermäßige körperliche Bewegung zu verzichten. In den
vergangenen Jahren hat hier ein regelrechter Paradigmenwechsel
stattgefunden. Betroffene sollen sich – allerdings fachärztlich
beraten und supervidiert - bewegen, gerade auch bei schweren
Erkrankungen. Die Patienten verbessern durch körperliches Training
ihr allgemeines Wohlbefinden, ihre Leistungsfähigkeit und minimieren
ihre Schmerzen. Viele Krebspatienten sollten bereits ab der Diagnose
– nach Rücksprache mit dem onkologisch tätigen Facharzt – mit von uns
supervidiertem körperlichen Training beginnen. Ein gekräftigter
Organismus scheint Krebsbehandlungen in vielen Fällen besser als ein
geschwächter zu vertragen. In einigen Fällen scheint es laut der
aktuellen wissenschaftlichen Datenlage sogar den Verlauf der
Krankheit positiv beeinflussen zu können“, rät Univ. Prof. Dr.
Michael Gnant (Univ.-Klinik für Chirurgie, Med Uni Wien).
Vorstellung der GEORG-Studienergebnisse
In der ersten Session „Aus der Sicht wesentlicher Meinungsbildner“
unter dem Vorsitz von Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna und
Univ.-Prof. Dr. Christoph Wiltschke (Univ.-Klinik für Innere Medizin
I, Med Uni Wien) diskutierten Top-Experten wie Univ.-Prof. Dr.
Dr.h.c. Christoph, Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant und Univ.-Prof. Dr.
Heinz Kölbl. Die zweite Session stand unter dem Motto „Aufbauen auf
einer gesunden Basis – ein Update“, danach folgte die Einheit
„Rehabilitation & Return to work“ mit anschließender
Podiumsdiskussion. Höhepunkt waren hier die ersten Studienergebnisse
der multizentrischen Studie von GEORG, vorgestellt von Prim Dr. Bruno
Mähr (Therapiezentrum Rosalienhof, Bad Tatzmannsdorf). Danach folgte
die „Sexuelle Funktionsfähigkeit“-Session, den Abschluss bildete das
Thema „Psychoonkologie und psychische Funktionsfähigkeit“. Hier wurde
der Vortragsbogen von der Plastischen Chirurgie für die Seele von
Krebspatienten, der Psychoonkologie und dem Körperbild bis hin zur
Psychoonkologie und Biofeedback und der Psychoonkologie als Berufung
gespannt.
„In der Gynäkologischen Onkologie stellt die Rehabilitation eine
wichtige Säule im gesamten Behandlungskonzept dar. Da einige der
bösartigen Erkrankungen der Frau auf einen falschen Lebensstil
zurückzuführen sind, fokussiert sich die Rehabilitation auf dieses
Thema. Ebenfalls wichtig ist, und das zeigen internationale Studien
die Aufnahme einer Ausdauersportart in den Lebensalltag“, erklärte
Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Heinz Kölbl (Univ.-Klinik für
Frauenheilkunde, Med Uni).
Ziele: Hybrid-Reha und Effizienzanalyse
Entsprechend den Funktionsdefiziten (physisch, mental, psychosozial)
werden individuelle Rehabilitationsziele definiert. Die Säulen der
onkologischen Rehabilitation sind die Physikalische Medizin und
Rehabilitation, hier v. a. aktivierende Maßnahmen wie medizinische
Trainings- und Sporttherapie oder entspannende und schmerzlindernde
Maßnahmen wie Muskelrelaxationstechniken - weiters die Diätologie
bzw. Ernährungstherapie und die Psychoonkologie. Als vierte Säule ist
die Information der Patienten, die u. a. die Nachhaltigkeit der
Maßnahme sichern soll, zu nennen. Von der Einreichung eines
Reha-Antrages, durchlaufen die Patienten in der Rehabilitation eine
ärztliche und therapeutische Aufnahme-, Zwischen- und End-Evaluierung
und dazwischen ein intensives dreiwöchiges Programm aus den oben
genannten Bausteinen. „Als Ziele für die Zukunft stehen neben dem
Aufbau ambulanter, wohnortnaher Möglichkeiten (Stichwort Hybrid-Reha
etc.) zur onkologischen Rehabilitation, vor allem auch die
Beforschung der Effektivität und Effizienz der Reha-Bausteine –
einzeln und in Kombination – sowie die Entwicklung von Programmen,
die die Nachhaltigkeit der Maßnahmen sowie die Eigenverantwortung der
Patienten in Bezug auf die Bandbreite der Gesamtbevölkerung (u. a.
auch Einkommens-, Diversity- und Senioritäts-Aspekte etc.) dauerhaft
sichern können im Vordergrund. Ganz wesentliche aktuelle Aspekte sind
jedenfalls Wiedereingliederung, Arbeitsfähigkeit und Return to work“,
erklärt Crevenna abschließend.
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