- 20.01.2017, 12:47:39
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500 Jahre Reformation: Evangelische Kirchen präsentieren Schwerpunkte des Jubiläumsjahres
Bischof Bünker: Reformation bedeutet die Welt verändern – Großes Fest am Rathausplatz – Ausstellung im Wien Museum
Utl.: Bischof Bünker: Reformation bedeutet die Welt verändern –
Großes Fest am Rathausplatz – Ausstellung im Wien Museum =
Wien (OTS) - Das Jahr 2017 steht für die Evangelischen Kirchen in
Österreich ganz im Zeichen des Reformationsjubiläums. Zahlreiche
Veranstaltungen und Feiern erinnern an die Reformation und den
Thesenanschlag Martin Luthers vor 500 Jahren. „Reformation bedeutet
die Welt verändern“, sagte der evangelisch-lutherische Bischof
Michael Bünker in einer Pressekonferenz in Wien zum Auftakt des
Reformationsjubiläumsjahrs, in der die Spitzen der drei Evangelischen
Kirchen in Österreich über die bevorstehenden Aktivitäten und
Schwerpunkte informierten. Die Reformation sei kein lokales oder nur
regionales Ereignis gewesen, sondern ein Aufbruch, der ganz Europa
erfasst und sich weltweit ausgewirkt habe. „Darum sprechen wir auch
nicht von einem ‚Lutherjahr‘, sondern vom Reformationsjubiläum“, so
Bünker, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer
Kirchen in Europa (GEKE) ist.
Bünker erinnerte daran, dass dieses Reformationsjubiläum im Zeitalter
der Ökumene gefeiert werde. Dies sei unter anderem deutlich geworden
bei der Begegnung der evangelischen Kirchenleitung mit der
Bischofskonferenz der Römisch-katholischen Kirche im November des
Vorjahres sowie etwa beim ökumenischen Fernsehgottesdienst aus der
evangelischen Versöhnungskirche in Linz am 1. Adventsonntag 2016.
Vor den Medienvertretern machte Bünker darauf aufmerksam, dass das
heutige Österreich vom reformatorischen Aufbruch in Kirche und
Gesellschaft früh erfasst wurde. Allerdings habe es auch schon bald
harte Gegenmaßnahmen gegeben, die diesen Aufbruch begleiteten. „Wir
feiern das Jubiläum aber nicht nur in der Rückschau auf die
historischen Ereignisse vor 500 Jahren, sondern vor allem durch die
Frage: Was ist unser Auftrag als Kirchen heute? Welchen Beitrag geben
wir für das Zusammenleben hier in Österreich?“, so der Bischof. Zur
Beantwortung dieser Fragen werde laut Bünker auf drei Leitbegriffe
zurückgegriffen: „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.
Dafür setzen wir uns ein!“
„Die Reformation war in erster Linie eine Glaubensbewegung. Die
Reformatoren kritisierten die Kirche, weil sie sich ihrer Ansicht
nach von ihrem Fundament, der Heiligen Schrift, entfernt hatte“,
erklärte der evangelisch-reformierte Landessuperintendent Thomas
Hennefeld. „Aus diesem Grund haben wir das Reformationsjahr in
Österreich auch zu einem Jahr des Glaubens erklärt.“ Hennefeld
betonte, dass wesentliche Elemente der Reformationslehre nach wie vor
Relevanz hätten für die heutige Gesellschaft: „Zum Beispiel der
Gedanke, dass mir alles im Leben geschenkt ist und ich mir nichts
verdienen kann. Das bedeutet eine Absage an eine reine
Leistungsgesellschaft und Profitmaximierung.“ Hennefeld zeigt sich
überzeugt, dass der Glaube einen Platz in der Gesellschaft haben
solle, auch wenn daraus keine Vormachtstellung beansprucht werden
dürfe. „Bei so manchen Differenzen können wir unseren Glauben
gemeinsam bekennen und uns für eine solidarische und inklusive
Gesellschaft einsetzen.“
Motto „Freiheit und Verantwortung“
An den Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung erinnerte der
frühere evangelisch-methodistische Superintendent Lothar Pöll. Er
griff damit das Leitmotiv des Reformationsjubiläums in Österreich
auf: „Freiheit und Verantwortung seit 1517“. Pöll: „Die Geschichte
der Reformation ist die Geschichte von einem mutigen Aufbruch in eine
neue Zeit. Die Einsicht, dass ein jeder Mensch frei ist, selbst zu
entscheiden, spielt dabei eine entscheidende Rolle: Wir sind in
unserer Entscheidungsfreiheit nur an Gott und an das eigene Gewissen
gebunden.“ Allerdings werde Freiheit heute oft missbräuchlich
verwendet, einerseits als Vorwand für zügellosen Egoismus,
andererseits würden Freiheiten heute häufig leichtfertig für
vermeintliche Sicherheiten geopfert. „Freiheit bleibt aber nur
bestehen, wo verantwortlich mit ihr umgegangen wird. Freiheit ist nur
dort, wo ich auch in Verantwortung handle“, bekräftigte Pöll.
Auch auf die ökumenische Perspektive des Gedenkjahrs 2017 verwiesen
die Spitzen der Evangelischen Kirchen. Landessuperintendent Hennefeld
berichtete, dass im Vorfeld ganz bewusst der Kontakt zur
Römisch-katholischen Kirche gesucht worden sei. Diese Begegnungen
hätten bereits Früchte getragen. So werde es auch in den kommenden
Monaten zahlreiche gemeinsame Veranstaltungen, etwa auf
Pfarrgemeindeebene, geben. Bischof Bünker ging auf den Besuch von
Papst Franziskus am 31. Oktober 2016 im schwedischen Lund ein, wo der
Lutherische Weltbund gegründet worden war. „Bei diesem Besuch hat
sich gezeigt, dass die Kirchen sich miteinander über die
Wiederentdeckung des Evangeliums durch die Reformation freuen können.
Gleichzeitig stellt man mit Bedauern fest, dass es zu
Konfessionalisierung, Glaubenskriegen und Gewalt im Namen der
Religion gekommen ist. Und gemeinsam überlegen wir als Kirchen, worin
unsere Aufgabe heute besteht.“
Mutmach-Fest am Rathausplatz als „Green Event“
Zahlreiche religiöse und kulturelle Veranstaltungen begleiten das
Reformationsjubiläumsjahr in Österreich. Am 30. September findet am
Rathausplatz in Wien ein großes Fest statt, das den Menschen Mut
machen soll, sich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der
Schöpfung einzusetzen. Bünker: „Wir haben uns dafür entschieden, von
der Bewahrung der Schöpfung nicht nur zu reden. Deswegen veranstalten
wir das Fest komplett als nachhaltiges und umweltfreundliches ‚Green
Event‘.“ Erwartet wird dazu etwa die Friedensnobelpreisträgerin
Leymah Gbowee aus Liberia. Ab 16. Februar zeigt das Wien Museum die
Ausstellung „Brennen für den Glauben. Wien nach Luther“. Bereits am
10. Februar findet der heute schon ausverkaufte Reformationsball in
der Wiener Hofburg statt, zu dem zahlreiche Gäste aus ganz Europa
erwartet werden. Eine eigene App, die Wiener Schülerinnen und Schüler
im Religionsunterricht erarbeitet haben, bietet einen Audio-Guide
durch das evangelische Wien. Weiterer Höhepunkt ist der
Reformationsempfang am 24. Oktober 2017 im Goldenen Saal des Wiener
Musikvereins.
Alle weiteren Termine und Informationen zum Reformationsjubiläum
finden sich auf der eigens eingerichteten Internetseite:
www.evangelisch-sein.at
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