Schultes: Milchmarkt stabilisiert - Vorbild für "Flexi-Tool" in EU-Agrarpolitik

Über Herkunftskennzeichnung und Wertschätzung zur Wertschöpfung

Wien (OTS) - "Die Milchbauern rutschten im Vorjahr in eine schwere Krise: Die Preise verfielen, ein Ende des Preistiefs schien nicht absehbar. Erst als die Europäische Kommission den Vorschlag Österreichs umsetzte, eine zwischen Milchbauern und Molkereien koordinierte Lieferreduktion ermöglichte und auch finanziell abfederte, stabilisierte sich der Milchmarkt. Dabei war es, neben der reduzierten Anlieferung, das international spürbare Signal an den Markt, das den positiven Nachfrageeffekt auslöste und Preisverbesserungen ermöglichte. Dieses erfolgreich eingesetzte flexible Instrument soll nun als 'Flexi-Tool' in eine künftige EU-Agrarpolitik fix eingebaut werden. Denn der stärker werdende Klimawandel und die spürbar unsicherer gewordene internationale Politik bringen Märkte immer wieder aus dem Gleichgewicht. Daraus entstehende Unter- oder Überangebote und das 'Zuwenig' und das 'Zuviel' zerstören Vermögen und bäuerliche Strukturen. Neue, flexible und marktsensible Instrumente hingegen schaffen Stabilität, sichern Landwirtschaft sowie Verarbeitungsbetrieben wirtschaftlichen Erfolg und garantieren die Grundabsicherung der Gesellschaft mit Nahrungsmitteln. Denn ohne eine ausreichende Anzahl von Bäuerinnen und Bauern ist diese Absicherung gefährdet", erklärte LK Österreich-Präsident Hermann Schultes vor Journalisten im Rahmen der "Grünen Woche" in Berlin.  

   "Nach der 'reinen Lehre des Marktes' endet eine sich immer schneller nach unten drehende Preisspirale erst dann, wenn der größte Teil der kleinen und mittleren Höfe bereits wirtschaftlich am Ende ist. Einkäufer gehen bis an die Schmerzgrenze. Dabei spielen die Geschäftsführer der Verarbeitungsbetriebe genauso wie die Einkäufer des Handels mit Existenzen und ziehen den eigenen bäuerlichen Lieferanten den wirtschaftlichen Boden unter den Füßen weg; denn billiger geht immer, besser jedoch nur von und mit den Bauern - solange es sie gibt. Mit Billigstpreisen und -waren lässt sich aber nicht dauerhaft die Zukunft sichern. Vermögen wird vernichtet, auch das eigene. Die 'Geiz-ist-geil'-Mentalität übersieht, dass ein international vernetzter Markt nur mit hoher Qualität gute Preise bringt. Erst das schafft die wirtschaftliche Basis für alle am Markt Beteiligten. Wenn jedoch nur noch einige wenige große Einheiten überleben können, verliert die Gesellschaft nicht nur Tausende Höfe, sondern auch alle anderen Leistungen, die mit der Landwirtschaft verbunden sind, wie die Sicherung und Pflege der Lebens- sowie Erholungsräume oder Lebensmittel bester Qualität und gesicherter Herkunft", erklärte Schultes, warum die Landwirtschaft neue Lenkinstrumente in einer künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) braucht. 

Dank an Minister und EU-Kommissar

   "Bei der Milch war schnell klar, dass die Anbieter gemeinsam die Zielmengen zu ihren Gunsten reduzieren mussten. Dass sie das durften, dafür brauchten sie die Hilfe und den Rechtsschutz der EU-Kommission. Auch Geld war notwendig, um die Gutwilligen, die ihre Mengen in schwierigen Marktsituationen bremsen, finanziell abzufinden. Wir haben damals diesen Vorschlag in die EU-Bauernvertretung COPA eingebracht, Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter hat ihn offiziell in der Europäischen Kommission eingereicht und EU-Kommissar Phil Hogan setzte ihn um. Ihnen sei dafür gedankt", so Schultes weiter und er ergänzte: "Die Aktion der EU-Kommission hat die Erwartungshaltung des Marktes in Richtung Kaufbereitschaft verändert. Die Folge waren erfreulicherweise steigende Preise. Die jüngste Kritik der europäischen Milchindustrie an der erreichten Lösung ist daher extrem kurzsichtig." 

Herkunft bringt Wertschöpfung

   "Österreichs Bäuerinnen und Bauern sowie die von ihnen produzierten Nahrungsmitteln gehören zu den besten, jedoch keinesfalls zu den billigsten im EU-Vergleich. Dort, wo die Kunden die heimische Qualität erkennen, spürt man auch eine hohe Wertschätzung der Produkte, die auf Dauer die notwendige Wertschöpfung sichert. Wir erleben das beim Wein, aber auch bei Milchprodukten, wo Bio, Heumilch oder auch regionale Herkünfte gefragt sind. AMA-Gütesiegel und sichere Herkunftsbezeichnung schaffen bei allen Lebensmitteln Vertrauen. Herkunft zählt und erkennbare Herkunft schafft Vertrauen wie auch Mehrwert", hob Schultes hervor. 

"Gut zu wissen"

   "Bereits seit zwei Jahren arbeiten wir intensiv daran, Herkunft sichtbar zu machen und so dem Kunden seinen Einkauf zu erleichtern. Im Parlament wurden im Herbst 2015 die Zugangsregeln für die geschützten europäischen Herkunftsangaben, wie geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) und geschützte geografische Angabe (g.g.A.), wesentlich vereinfacht. Auch die Vergaberichtlinien wurden im Sinne heimischer Qualität novelliert. Seit damals können Einkäufer öffentlicher Küchen bei der Ausschreibung dem Bestbieter vor dem Billigstbieter den Vorzug geben. Seit dem Vorjahr wollen wir mit "Gut zu wissen! Unser Essen, wo's herkommt" dem Gast in der öffentlichen Verpflegung die Möglichkeit geben, zu erfahren, woher Fleisch oder Eier auf dem Teller stammen. Derzeit wird "Gut zu wissen" mit den dazu gehörenden AMA-Richtlinien abgestimmt, Gespräche mit den großen Verpflegungsgastronomen verlaufen sehr positiv. Das Land Niederösterreich stellt alle Verpflegungseinrichtungen nach diesem System bereits um, eine Reihe weiterer Betriebe macht heute schon auf freiwilliger Basis mit", konkretisierte Schultes. 

   "Herkunftskennzeichnungen geben den Verbrauchern die Freiheit zur Entscheidung und sind Voraussetzung dafür, dass heimische Spitzenqualität wirtschaftlichen Erfolg am Markt hat. Das beweisen Produkte, die mit dem AMA-Gütesiegel vermarktet werden: Hier beträgt der für die Bauern preiswirksame Wertschätzungseffekt mindestens 60 Mio. Euro. Nicht mitgerechnet sind in dieser Summe der gesamte Bereich Bio, der Heumilchzuschlag, die Qualitätsprämien im Kartoffel- oder Getreidebereich oder die DAC-Komponente beim Wein. Das ist der Vermarktungserfolg vieler Initiativen, die ebenfalls unsere Kontrollsysteme in Mehrwert umsetzen. Bäuerinnen und Bauern leben davon, dass ihre Produkte sowie Leistungen wegen ihrer Herkunft Wertschätzung erleben und angemessene Preise erzielen. Daher werden wir weiterhin danach trachten, Herkunft noch besser sichtbar zu machen", führte Schultes abschließend aus. (Schluss)

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