„Zu Saisonmitte fahren wir um Siege“

SN-Interview, Teil 2: Dietrich Mateschitz über Formel-1-Chancen, Ecclestone und Eishockey.

Salzburg (OTS/SN) - Gerhard Kuntschik

Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz ist positiv gestimmt: Er erwartet in der Formel 1, Mercedes angreifen zu können, und freut sich auf die Play-offs im Eishockey, wie die SN in ihrer Montagsausgabe berichten.

SN: Die Formel-1-Saison lief 2016 für Red Bull Racing wohl weit besser als von allen erwartet. Ihre Bilanz und ein Ausblick nach vorn?

Mateschitz: Mit den ersten drei haben wir vor der Saison 2016 schon gerechnet. Aber da ist vieles relativ. Bist du so gut oder nur deswegen, weil deine Hauptkonkurrenten schwächer sind? Als Vize-Weltmeister schnitten wir etwas besser als erwartet ab, erzielten dank der Zusammenarbeit von Mario Illien mit der neuen Technikertruppe von Renault auch eine hohe Standfestigkeit. Dass wir Ferrari distanzierten, war weniger aus finanzieller Sicht wegen des Preisgelds wichtig denn als Frage der Ehre!

SN: Der Motorendeal mit Renault wurde ja für Red Bull Racing bis 2018 verlängert, Toro Rosso bekommt heuer wieder und auch bis 2018 Renault. Sie sind also mit dem 2015 so oft kritisierten Partner zufrieden?

Mateschitz: Renault holte für 2016 neue, ambitionierte und vor allem kompetente Leute, gemeinsam mit Illien ging da viel voran. Ich rechne für heuer damit, dass wir motorisch so stark werden, dass wir näher an Mercedes herankommen. Wir wollen Mitte der Saison absolut wettbewerbsfähig sein. Allerdings ist dabei Ferrari weiter die Unbekannte. Unsere Fahrerpaarung Ricciardo/Verstappen ist ein klares Plus für uns.

SN: Apropos: Wurden die beiden nach dem überraschenden Rosberg-Rücktritt „geködert“?

Mateschitz: Es wurde darüber ja zwischen Helmut (Marko) und Niki (Lauda) diskutiert, aber eher im Spaß. Jeder wusste, dass keiner unserer Fahrer zur Verfügung stehen würde. Es ist auch keiner zu mir gekommen und bat um Freigabe.

SN: Haben Sie noch Kontakt zu Ihrem Ex-Champion Sebastian Vettel?

Mateschitz: Ja, hin und wieder, wenn ich bei einem Grand Prix bin oder am Telefon, aber fast immer Smalltalk. (Lacht) Ich sag’ ihm immer, Rot stehe ihm nicht . . .

SN: Wird Toro Rosso mit Renault heuer stärker?

Mateschitz: Toro Rosso wird gegen Force India und Williams nur schwer bestehen können, sollte aber gegen McLaren um Platz sechs kämpfen. Carlos Sainz hat sich stark entwickelt, Daniil Kwjat waren wir es schuldig, ihm weiter zu vertrauen. Pierre Gasly wird als Junior Ersatzfahrer und viel im Simulator arbeiten.

SN: Würden Sie für ServusTV Formel-1-Rechte kaufen, sollte der ORF nach 2019 aussteigen?

Mateschitz: Es würde wenig Sinn machen, neben RTL und Sky dritter Sender zu sein. Im MotoGP macht es trotz Eurosport Sinn, da arbeitet ein sehr sympathisches und professionelles Team für ServusTV.

SN: Die Formel 1 bekommt gerade neue Mehrheitseigentümer. Haben Sie mit den Amerikanern von Liberty Media schon Kontakt gehabt?

Mateschitz: Noch nicht, aber Chase Carey könnte mit Bernie Ecclestone nach Kitzbühel kommen, da werden wir reden.

SN: Zum Beispiel worüber?

Mateschitz: Die Popularität der Formel 1 steht und fällt mit dem Wettbewerb an der Spitze. Motorsport ist gut, wenn die Topteams eng beisammen sind. Ein Kampf um Platz drei und vier ist zu wenig. Die Autos müssen wieder archaischer werden, was ja für heuer schon in die Wege geleitet wurde. Die vielen dämlichen Strafen für Fahrer gehören abgestellt, die versteht kein Fan mehr.

SN: Was wird sich 2017 durch die neue Technik (breitere Autos, breitere Reifen) ändern?

Mateschitz: Die Fitness der Fahrer wird noch viel wichtiger. Wir reagieren darauf mit einem zusätzlichen Trainingsprogramm für unsere Fahrer, damit sie die höheren Kurvengeschwindigkeiten am besten verkraften.

SN: Erwarten Sie, dass Ecclestone auch unter Liberty weiter das Sagen haben wird?

Mateschitz: Wenn sie klug sind, werden sie ihn behalten. Er kennt alle Verträge, alle Details, hat die Verbindungen. Das kann man nicht so einfach ignorieren. Man ist in der Formel 1 gut beraten, wenn man glaubt, dass man um Bernie nicht herumkommt.

SN: Haben Sie Interesse am Kauf von F1-Anteilen, wurden Ihnen welche angeboten?

Mateschitz: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, ob ich Anteile kaufen soll. Einerseits würde es naheliegen, denn die Formel 1 braucht auch Eigentümer, die keine Autohersteller sind. Andrerseits ist der Wert abhängig von den Teams, die sich verpflichten. Wir müssen abwarten, wie es nach dem Auslaufen der aktuellen Verträge (Ende 2020, Anm.) aussieht. Darüber wird man wohl bald einmal zu verhandeln beginnen müssen.

SN: Auf dem Red Bull Ring war die MotoGP-Rückkehr ein voller Erfolg, die Formel 1 ein Defizitbringer. Haben Sie weiter Lust an den eigenen Rennen?

Mateschitz: Als Rennpromotor weißt du, welche Kosten entstehen. In der Formel 1 decke ich mit den Zuschauereinnahmen gerade die Organisationskosten ab, die Gebühr für das Paket der Teams ist ein Zuschussposten. Im MotoGP kann ich kostendeckend sein. Das Promotor’s Fee ist da ein Viertel oder Fünftel der Formel 1. Ich bin aber sicher, wenn wir (Red Bull Racing) wie erhofft heuer an der Spitze mitfahren, haben wir in Spielberg 70.000 Zuschauer am Sonntag statt 50.000. Das Publikum von Formel 1 und MotoGP ist aber völlig unterschiedlich.

SN: Freuen Sie sich auf den KTM-Einstieg im MotoGP?

Mateschitz: Klar. Wir sind doch seit 25 Jahren oder so Partner. Was KTM macht, wir sind dabei. KTM wird es auch im MotoGP schaffen, an die Großen heranzukommen. Es gibt allen Grund zur Zuversicht.

SN: Wann gibt es wieder einen österreichischen F1-Fahrer?

Mateschitz:(Lacht) Der nächste ist gerade drei Wochen alt! (Gemeint ist der eben geborene Sohn von Gerhard Berger.)

SN: Wie sind Sie mit dem Experiment der Nachwuchsakademie für Fußball und Eishockey zufrieden?

Mateschitz: Sehr zufrieden. Es war eine gute Idee, beide Sportarten hier einzubringen. Neben der sportlichen Arbeit wird hier auch menschlich viel geleistet, es entstehen Freundschaften, aber auch gesunde Rivalitäten zwischen den jungen Sportlern. Aber sie sind wie eine große Familie zusammengewachsen. Man sieht es immer wieder, wie auch der „Schmäh“ läuft.

SN: Für Ihre Münchner Eishockey-Abteilung soll es bald eine neue Halle auf internationalem Topstandard geben, in Salzburg scheint kein Projekt in Sicht. Wie ist der Zeitplan für das Münchner Projekt gemeinsam mit dem FC Bayern für seine Basketballer?

Mateschitz: Die Planungsphase für die Halle für 10.000 Zuschauer im Olympiagelände ist weitgehend abgeschlossen. Ich rechne mit keiner langen Phase zwischen Einreichung und Baugenehmigung. Wir könnten dann noch heuer beginnen und rechnen mit einem Jahr Bauzeit. Spiele in der Saison 2018/19 werden sich wohl kaum ausgehen, aber mit 2019/20 sollte es wirklich losgehen.

SN: Gibt es Pläne, die Halle Red Bull Arena oder ähnlich zu nennen, oder wollen Sie Partner, einen Sponsor à la Allianz Arena, finden?

Mateschitz: Das wurde noch nicht ernsthaft diskutiert, da sind wir flexibel.

SN: Gibt es in Salzburg, wo Red Bull ja im Sommer viel Geld für die Auffrischung der Eisarena in die Hand nahm, noch Hallenpläne?

Mateschitz: Ein neues Eisstadion hat da keine Priorität. Der Volksgarten ist ein guter Kompromiss, der für die meiste Zeit des Grunddurchgangs reicht. Es wäre wohl schwierig, für (den Fanansturm in den) Play-offs eine neue Halle zu bauen.

SN: Sportlich gibt es in München wie Salzburg wohl keinen Grund zur Klage?

Mateschitz: Die Münchner sind Tabellenführer, die Salzburger sind vorn mit dabei. Jetzt erleben wir das Vorspiel, warten wir einmal die Play-offs ab, dann wird es interessant und wichtig. Ich habe mit der aktuellen Dominanz der Caps kein Problem. Ein starkes Team in Wien ist essenziell für die Liga und das heimische Eishockey. Das ist der wichtigste Club.

SN: Sie kritisierten früher oft die Liga und den Einfluss des Südens. Und nun?

Mateschitz: Es haben sich viele Dinge zum Besseren verändert.

SN: Denken Sie über Engagements in für Red Bull neuen Sportarten nach, vielleicht im attraktiven Basketball?

Mateschitz: Da soll man nie nie sagen, aber im Moment bietet sich nicht wirklich etwas an. Aber wir können sukzessive bestehende Aktivitäten ausbauen, z. B. im Segeln.

SN: Das Air Race geht 2017 weiter?

Mateschitz: Ja. Wir haben acht Schauplätze. Und es gibt auch eine Art Nachwuchsklasse, in der Lizenzen für die Air-Race-WM vergeben werden.

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