• 13.01.2017, 08:08:37
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SOS Mitmensch: Deutschkurse für Asylsuchende: Vorarlberg, Kärnten und Burgenland Schlusslichter

Erstmaliger Bundesländervergleich zeigt große Unterschiede bei Deutschkursangeboten

Utl.: Erstmaliger Bundesländervergleich zeigt große Unterschiede bei
Deutschkursangeboten =

Wien (OTS) - Eine Recherche der Menschenrechtsorganisation SOS
Mitmensch zu Deutschkursangeboten für Asylsuchende hat frappierende
Unterschiede zwischen den Bundesländern zu Tage gefördert. Während
Tirol, Wien und Salzburg vergleichsweise gute Sprachkursangebote
bereitstellen, bilden Vorarlberg, Kärnten und das Burgenland die
Schlusslichter. SOS Mitmensch fordert Verbesserungen in den
Bundesländern und eine Initiative der Bundesregierung für ein
flächendeckendes Deutschkursangebot für Asylsuchende.

Schlagwort „Sprache als Schlüssel zur Integration“

„Obwohl von Regierungsseite immer wieder betont wird, Sprache sei der
Schlüssel zur Integration, ist Österreich derzeit ein Fleckerlteppich
was die Bereitstellung von Deutschkursen betrifft. Für Asylsuchende
ist es ein Lotteriespiel, ob sie in einem Bundesland landen, das
Deutsch lernen ermöglicht, oder ob sie für Monate oder sogar Jahre
zum Herumsitzen und Nichtstun verdammt sind. Das ist nicht im
Interesse der Betroffenen und kann auch nicht im Interesse
Österreichs sein“, kritisiert Alexander Pollak, Sprecher von SOS
Mitmensch.

Erstmals umfassender Bundesländervergleich

Die Recherche von SOS Mitmensch ist der erste umfassende
Bundesländervergleich zum Angebot von Deutschkursen für Asylsuchende.
Erhoben wurde, ob es im jeweiligen Bundesland einen Masterplan für
flächendeckende Deutschkurse gibt, wie viele Asylsuchende tatsächlich
einen Kurs besuchen können, wie intensiv die Kurse sind, welche
Kursniveaus angeboten werden und wie lange die Wartezeiten für die
Kursteilnahme sind. SOS Mitmensch betont, dass es sich um einen
vorläufigen Vergleich handelt, da in manchen Bundesländern Maßnahmen
erst im Anlaufen sind. In einigen Monaten werde es eine neuerliche
Überprüfung geben, so die Menschenrechtsorganisation.

Vorläufiges Gesamtranking

Das Gesamtergebnis der Recherche ergibt sich aus den
durchschnittlichen Platzierungen der Bundesländer in den fünf
Kategorien Masterplan, Abdeckungsrate, Kursintensität, Kursniveaus
und Wartezeiten.

1. Tirol
2. Wien
3. Salzburg
4. Steiermark
5. Oberösterreich
6. Niederösterreich
7. Vorarlberg
8. Kärnten
9. Burgenland

Neun Länder, neun Vorgehensweisen

Bei der Gesamtauswertung schneiden Tirol, Wien, Salzburg und die
Steiermark am besten ab, wobei es auch in diesen Bundesländern
Verbesserungsbedarf gebe, so SOS Mitmensch. Auffallend seien die
extremen Unterschiede zwischen den neun Bundesländern. So erreichen
die Kurse, je nach Bundesland, zwischen 25 und 86 Prozent der
Asylsuchenden. Unterrichtet wird zwischen einer und 20 Stunden pro
Woche. In zwei Bundesländern, Oberösterreich und Niederösterreich,
werden bestimmte Herkunftsgruppen von Asylsuchenden beim Zugang zu
Deutschkursangeboten ausgegrenzt. In Vorarlberg und Burgenland gebe
es bislang noch gar keinen Plan für flächendeckende Deutschkurse, in
Kärnten nur einen Minimalstplan, so SOS Mitmensch.

Tirol: Hoher Kursabdeckungsgrad, aber geringe Intensität

Das Land Tirol hat 2015 einen Masterplan ausgearbeitet, um
Asylsuchende flächendeckend mit Deutschkursen versorgen zu können und
erreicht mit 82,5% der Asylsuchenden schon einen großen Teil der
Zielgruppe. Zumindest an großen Standorten werden nicht nur
Alphabetisierungs- und Anfängerkurse, sondern auch höhere Kursniveaus
angeboten. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es keine Wartezeiten für die
Teilnahme an Kursen. Großes Manko in Tirol ist jedoch die meist sehr
geringe Intensität der Kurse, mit nur 3-4 Stunden pro Woche und bis
zu 25 TeilnehmerInnen pro Kurs. Mit dieser niedrigen Kursintensität
lassen sich kaum rasche Fortschritte beim Erlernen der deutschen
Sprache erzielen.

Wien: Masterplan mit hoher Kursintensität, aber unbekanntem
Abdeckungsgrad

Wien hat sämtliche Sprachfördermaßnahmen, zu denen zuvor nur
Asylberechtigte Zugang hatten, auch für Asylsuchende geöffnet. Ein
großes Plus ist die vergleichsweise hohe Kursintensität mit
durchschnittlich 12-15 Stunden pro Woche. Außerdem werden
zielgruppenspezifische Kurse angeboten, die auch auf spezielle
Bedürfnisse, wie Kinderbetreuung Rücksicht nehmen. Allerdings verfügt
die Stadt Wien über keine genauen Zahlen, wie groß der Anteil der
Asylsuchenden ist, der durch Kursmaßnahmen erreicht wird. Im Frühjahr
2017 soll eine weitere Ausschreibung für Deutschkursplätze erfolgen.

Salzburg: Verpflichtende Teilnahme, hoher Kursabdeckungsgrad,
aber geringe Intensität

Salzburg hat sich bereits 2008 dazu entschlossen, schon während des
Asylverfahrens die Sprachförderung von Asylsuchenden aktiv zu
betreiben. Seit November letzten Jahres ist die Teilnahme hier sogar
verpflichtend. Gemeinsam mit der Volkshochschule wurde ein
Kursangebot entwickelt, das inzwischen 75% der erwachsenen
Asylsuchenden erreicht. Auch die Fahrten zu den Kursen werden vom
Land bezahlt. Großes Manko ist allerdings, dass die Intensität der
Kurse mit meist nur vier Wochenstunden sehr gering ist und kaum
rasche Fortschritte beim Erlernen der deutschen Sprache ermöglicht.

Steiermark: Später Programmstart, ansteigender Abdeckungsgrad,
unterschiedliche Intensität

In der Steiermark wurde der Plan, flächendeckende Deutschkurse für
Asylsuchende anzubieten, erst ab September 2016 umgesetzt. Inzwischen
wurde ein Abdeckungsgrad von 60 Prozent bei erwachsenen Asylsuchenden
erreicht, allerdings mit sehr unterschiedlichen Intensitätsgraden der
angebotenen Kurse. Man setzt auf viele verschiedene regionale
Anbieter. Derzeit werden nur Kurse von Alphabetisierung bis zum
Niveau A2 angeboten.

Oberösterreich: Ambitionierter Plan mit noch unbekannter
Wirkung, teilweise Ausgrenzung

Das Land Oberösterreich hat Im Herbst 2016 einen Plan ausgearbeitet,
Asylsuchende von Beginn an mit Deutschkursen zu versorgen. Die
Intensität der Kurse ist gut und auch bei den Niveaus legt man es
breit an, allerdings gibt es pro Kursmodul einen Selbstkostenanteil
von 22,58 Euro und es gibt teilweise Einschränkungen der Kurse auf
bestimmte Herkunftsländer, wodurch ein Teil der Asylsuchenden
ausgegrenzt wird. Aktuelle Zahlen betreffend der Anzahl der
Asylsuchenden, die Kurse besuchen können, und Wartezeiten wollte das
Land nicht bekannt geben.

Niederösterreich: Keine Zahlen, hohe Intensität, Ausgrenzung

In Niederösterreich gab es bis Mitte 2016 kein vom Land finanziertes
Deutschkursangebot für Asylsuchende. Jetzt will man zwar
flächendeckende Kurse mit hoher Intensität anbieten, beschränkt sich
dabei aber auf Menschen aus Syrien, Iran, Irak und Afghanistan und
grenzt somit einen Teil der Asylsuchenden aus. Bei den Kursniveaus
beschränkt man sich auf Alphabetisierungs- und A1-Kurse. Die
Verantwortlichen wollten keine aktuellen Zahlen bekannt geben,
weshalb nicht klar ist, wie hoch der Anteil der Asylsuchenden ist,
die mit den Kursen bisher erreicht werden, und mit welchen
Wartezeiten Asylsuchende in Niederösterreich rechnen müssen.

Vorarlberg: Mageres Kursangebot für Asylsuchende

Vorarlberg hat seinen Fokus bisher fast ausschließlich auf
Deutschkurse für Asylberechtigte gelegt, weshalb das Angebot an
Kursen für Asylwerbende mager ausfällt. Lediglich jede/r vierte
Asylsuchende kann an Kursen teilnehmen. Auch die Wartezeiten auf
einen Kurs sind dementsprechend lang. Wer jedoch das Glück hat, einen
Kursplatz bei der Caritas zu ergattern, der bekommt hohe Intensität
bei Kursen von der Alphabetisierung bis zum Niveau A2 geboten.

Kärnten: Hoher Kursabdeckungsgrad, aber extrem geringe
Intensität

In Kärnten ist in allen organisierten Quartieren eine Stunde Deutsch
pro Woche vorgeschrieben. Der damit erreichte hohe Abdeckungsgrad von
86% kann jedoch nicht die extrem geringe Intensität der Kurse
wettmachen. Eine Stunde pro Woche ist viel zu wenig, um Deutsch zu
erlernen, auch wenn in der Praxis in einzelnen Quartieren etwas mehr
Stunden angeboten werden. Für Inhalt und Niveau werden vom Land keine
Vorgaben gemacht. Die Auswahl der KursleiterInnen wird durch die
QuartiergeberInnen getroffen. Eine ausreichende Qualifikation ist
damit nicht immer sichergestellt.

Burgenland: Kein Masterplan, geringer Abdeckungsgrad

Im Burgenland existiert bisher kein Plan für ein flächendeckendes
Angebot von Deutschkursen für Asylsuchende. Gemeinden können auf
eigene Initiative hin beim Land für einen 90-Stunden Kurs um 5.000
Euro Förderung ansuchen. Lediglich jede/r vierte Asylsuchende kann
bislang an kostenlosen Kursen teilnehmen.

Verbesserungen dringend notwendig

„Bei den Deutschkursangeboten geht es um eine wichtige Investition in
die Zukunft. Daher fordern wir alle Bundesländer dazu auf, ihr
Angebot weiter zu verbessern. Ganz besonders gilt das für jene
Bundesländer, die bisher den Kopf in den Sand gesteckt haben und sehr
schwach abschneiden“, betont Sonja Dries, die für SOS Mitmensch die
Recherche geleitet hat. Dries hebt die wichtige Arbeit zahlreicher
Freiwilliger hervor, ohne deren Engagement es in Sachen Deutschkurse
für Asylsuchende noch weit düsterer aussehen würde.

Bundesweit einheitliches Vorgehen als Ziel

„Mittelfristig braucht es ein bundesweit einheitliches Vorgehen beim
Deutschkursangebot. Es kann nicht sein, dass, je nachdem in welchem
Bundesland er oder sie lebt, eine asylsuchende Person für Monate oder
gar Jahre beim Deutschlernen im Regen stehen gelassen wird“, ruft
Dries auch die Bundesregierung zum Handeln auf.

Die Detailergebnisse der Recherche zum Herunterladen finden Sie hier:
goo.gl/g4F2yt

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