- 12.01.2017, 12:42:22
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- OTS0147
Immobilienwirtschaft fordert mehr steuerliche Anreize und mehr Rechtssicherheit

Linz (OTS) - Zusammenfassung
- 12 unabhängige und freiwillige Immobilienverbände betonen Bedeutung
der Immobilienwirtschaft für den Standort Österreich.
- Die IFI-Trendstudie wurde aus der Taufe gehoben. Mit dieser Studie
schaffen die unabhängigen und freiwilligen Immobilienverbände
erstmals zu Beginn des Jahres Transparenz über die Trends und
Entwicklungen der Immobilienwirtschaft. Grundstücke werden
verzweifelt gesucht, eine Preissteigerung erwarten 70%. Dies führt
auch zur Steigerung der Preise von Wohnraum, was 60% der Experten
erwarten.
- Rekordbeteiligung: Am 17. Jänner 2017 laden die zwölf
Immobilienverbände zum gemeinsamen „Neujahrsempfang der freiwilligen
Immobilienverbände“ ein, die begrenzte Teilnehmerzahl von 450
Immobilienexperten ist längst erreicht.
Die Bedingungen für die österreichische Immobilienwirtschaft sind
nicht einhellig enthusiastisch, jedoch zuversichtlich. Problematisch
sind die hohe Unsicherheit in den Rahmenbedingungen und die seit
langem aufgeschobenen Reformen insbesondere im Mietrecht. „Dieser
Stillstand schadet Österreich und schafft schlechte Voraussetzungen
für leistbare Wohnungen, attraktive Städte bzw. ein lebenswertes
Österreich“, führt ÖGNI Gründungspräsident Philipp Kaufmann
anlässlich der gemeinsamen Jahresauftakts-Pressekonferenz der 12
größten unabhängigen und freiwilligen Immobilienverbände aus.
Die Immobilienwirtschaft gehört zu den bedeutendsten
Wirtschaftszweigen Österreichs, stellt ÖVI Präsident Georg Flödl
fest. Laut Leistungs- und Strukturdaten der Statistik Austria
erwirtschaftete das Grundstücks- und Wohnungswesen 2015 rund 16 Mrd.
Euro. 18.575 Unternehmen beschäftigten mehr als 50.000 Menschen.
Hinzu kommt der Bau-Sektor, bei dem alleine der Hochbau im Jahr 2015
mehr als 12 Mrd. Euro erwirtschaftet und gut 4.000 Unternehmen mit
knapp 62.000 Menschen beschäftigten. Alleine diese beiden Sektoren
kommen auf einem Anteil von 4,5 Prozent.
Die private Immobilienwirtschaft ist in der Branche eine tragende
Säule. „Insgesamt dürften jährlich von Privaten rund sechs Mrd. Euro
in Wohnbau und Sanierung investiert werden. 2,2 Mrd. Euro davon bzw.
14,5 Prozent der Wohnbaugesamtinvestitionen werden von Privaten zum
Zwecke der Vermietung in Neubau und Renovierung investiert“, hebt
Flödl die Bedeutung der privaten Immobilienwirtschaft hervor.
„Laut der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung betragen die
jährlichen Investitionen in den Wohnbau rund 14 Mrd. Euro bzw. knapp
20 Prozent aller Bruttoinvestitionen. In Relation zum BIP heißt dies,
dass mehr als vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts für
Investitionen in den Wohnbau verwendet werden“, so Flödl. Wobei die
private Immobilienwirtschaft in erheblichem Ausmaß zu diesen
Investitionen beitrage. „Insgesamt dürften jährlich von Privaten rund
sechs Mrd. Euro in Wohnbau und Sanierung investiert werden. 2,2 Mrd.
Euro davon bzw. 14,5 Prozent der Wohnbaugesamtinvestitionen werden
von Privaten zum Zwecke der Vermietung in Neubau und Renovierung
investiert.“
Immobilien sind ein bedeutsames Investitionsgut und stellen damit
eine wichtige Verwendungskomponente des Bruttoinlandsprodukts dar.
„Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht wäre es also sinnvoll, insbesondere
Investitionen in den Wohnbau zu stützen bzw. zu erleichtern“, so
Flödl weiter. In Wirklichkeit aber ist die Immobilienwirtschaft
innerhalb kurzer Zeit durch die Wohnrechtsnovelle 2015, die
Steuerreform 2015/2016 und durch das MILG II massiv belastet worden.
Dabei wäre die Schaffung von Wohnraum dringendes Gebot der Stunde, um
einer massiven Verknappung des Wohnraumes entgegen zu wirken. „Dies
gelingt nur mit Investitionsanreizen, die ein Umfeld für langfristig
planbare Investitionen schaffen und damit den Standort Österreich
sichern“, betonen Kaufmann und Flödl.
Die zwölf freiwilligen Verbände umfassen
• Collegium Academicum Rerum Immobilium (CARI)
• FIABCI AUSTRIA
• ImmoABS Immobilienabsolventen TU Wien
• Immobilienring IR
• IMMOEBS
• IMMOZERT Zertifizierungsgesellschaft mbH
• IMMQU Verein zur Förderung der Qualität in der Immobilienwirtschaft
• Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft
(ÖGNI)
• Österreichischer Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI)
• Royal Institution of Chartered Surveyors Österreich (RICS)
• Salon Real Verein von und für Frauen in der österreichischen
Immobilienwirtschaft
• Vereinigung der allgemein beeideten & gerichtlich zertifizierten
Sachverständigen für das Immobilienwesen
und haben zusammen rund 2.000 Mitglieder. „Kommunikation & Netzwerken
ist für eine so lebendige Branche wie die der Immobilienwirtschaft
von entscheidender Bedeutung. Die freiwilligen Verbände bieten diese
Plattformen. Eines aber ist uns klar: auch wenn jede Vereinigung,
aufgrund der speziellen beruflichen Orientierung ihrer Mitglieder,
eigene Ziele verfolgt: Unter dem Motto „Einer für alle, alle für
einen“, gilt es die Kräfte zu bündeln, gemeinsam in der
Öffentlichkeit aufzutreten und gemeinsam die Forderungen der
Immobilienwirtschaft zu formulieren“; meint RICS Stellvertretende
Vorsitzende Carmen Dilch und ergänzt: „Der Neujahrsempfang 2017 im
Wiener Rathauskeller ist mit 450 Teilnehmern restlos ausgebucht – ein
toller Erfolg für alle Beteiligten“.
„Die zwölf Verbände wollen aber nicht nur gemeinsam feiern sondern
auch inhaltlich zusammenarbeiten. Eine unserer ersten gemeinsamen
Aktivitäten ist die IFI-Trendstudie“, so ImmoABS Präsidentin Birgit
Trofer. Diese Onlineumfrage unter rund 6.200 Immobilienspezialisten
Österreichs wurde im Auftrag und in Kooperation mit dem
Branchenmagazin ImmoFokus vom Institut für Immobilienwirtschaft (IFI)
vom 7.12. bis zum 23.12.2016 durchgeführt.
„Wir wollten eine Befragung österreichischer Immobilienexpertinnen
und –experten über deren Einschätzung, wie sich verschiedene
Teilbereiche der Immobilienbranche 2017 entwickeln. Die Einschätzung
einer Entwicklung ist eine Erwartungshaltung. Sie ist keine Prognose.
Die Ergebnisse sind aber dennoch relevant, weil Erwartungen die
Grundlage unseres Handelns sind.“, so Trofer. Etwa 420 Entscheider
aus der Immobilienbranche haben an der Studie teilgenommen. Sie
repräsentieren die Vielfalt der Branche: Immobilienentwickler,
-makler, -verwalter, Consulter, Sachverständige sind vertreten – aus
ganz Österreich, wenngleich ein starkes Ost-West-Gefälle zu bemerken
ist.
„Mit der IFI-Trendstudie 2017 schaffen die unabhängigen und
freiwilligen Immobilienverbände erstmals zu Beginn des Jahres
Transparenz über die Trends und Entwicklungen der
Immobilienwirtschaft“, so Kaufmann und Trofer. „Die Immobilienbranche
wird oftmals unterschätzt, ist jedoch eine der bedeutendsten
Wirtschaftszweige Österreichs und verantwortlich für die Lebensräume,
in denen wir uns zu rund 92 Prozent unserer Lebenszeit aufhalten.
Diesem Umstand Rechnung zu tragen und der Öffentlichkeit die
wichtigsten Eckpunkte der Trends und Entwicklungen zu präsentieren,
war und ist Aufgabe dieser Studie, die 2017 erstmals durchgeführt
wird. Die IFI-Trendstudie 2017 ist ein Auftakt und ein Meilenstein –
nunmehr will das IFI einen Immo-Index etablieren, mit dem alle
Stakeholder ein besseres Bild der Branche erhalten“, führt
Gründungspräsident Kaufmann aus.
Die Entwicklung der Märkte wird zu einem großen Teil von den
Bedürfnissen und Emotionen der Nutzer mitbestimmt, die Meinung der
Experten ist ein wichtiger Spiegel der Trends. Unter Unsicherheit
fallen oftmals schlechte Entscheidungen und daher ist es so Kaufmann:
„Ein großes Anliegen aller Interessensvertretungen, mehr Transparenz
und bessere Daten zu liefern – bessere Entscheidungen kommen allen
zugute und helfen mit, den Österreichischen Standort zu
professionalisieren.“
Das immobilienwirtschaftliche Jahr 2017 prägt als Ergebnis der
IFI-Trendstudie eine weiterhin ausgesprochen dynamische
Marktaktivität und Ertragsoptionen, jedoch bei deutlich steigender
Unsicherheit. Die Chancen sind nicht über alle Segmente breit
gestreut. Wohnraumschaffung ist Priorität der Stunde, wobei
Angebotserweiterung, Nachfrageschub, als auch Preissteigerungen
dieses Segment begleiten. Die Risiken in der Branche sollen gegenüber
2016 steigen, begleitet von Herausforderungen durch steuerliche
Rahmenbedingungen, möglicher Rückkehr von Inflation bzw. Zinsanstieg,
demografischem Druck und einem 2017 „noch“ stabilen politischen
Umfeld: Die Märkte für gewerbliche Immobilien sollen der Dynamik des
Wohnsektors nicht folgen. „Die Bedingungen für die gesamte
österreichische Immobilienwirtschaft sind dementsprechend nicht
einhellig enthusiastisch, jedoch zuversichtlich. Neben äußerst hohem
Druck im Investmentmarkt, Schlagwort „Geld sucht Parkplatz“, bergen
stagnierende Kaufkraft und demographische Entwicklungen
(internationaler Zuzug, anstehende Pensionierungswelle der
Baby-Boomer-Generation) hohe Risiken aber auch Chancen“, so Kaufmann
abschließend.
Die Ergebnisse im Detail
1. Die Immobilienspezialisten sehen 2017 ein steigendes Angebot bei
annähernd allen Assetklassen (Wohnen, Büro, Einzelhandel, etc.).
Einzig das Angebot an Liegenschaften wird eindeutig rückläufig
eingeschätzt.
2. Die Erwartungshaltungen zur Entwicklung der Nachfrage sind
deutlich differenzierter. Hier dominieren eindeutig Wohnimmobilien
(69% Nachfrage steigend), gefolgt von dessen Teilmarkt studentisches
Wohnen (61%) und Grundstücken (60%). Klar rückläufige
immobilienwirtschaftliche Nachfrageerwartungen stehen 2017 jedoch für
den Einzelhandel an. Die übrigen Assetklassen zeigen eine verhaltene
Nachfrageeinschätzung.
3. Die Erwartungshaltung zu Preisen variiert sehr stark: 70% erwarten
2017 gegenüber 2016 eine Preissteigerung bei Grundstücken, lediglich
1% ein Sinken (Rest auf 100%: unverändert bzw. k.A.). Sehr ähnlich
gestaltet sich das Bild bei Wohnimmobilien: Aus Sicht von 60% werden
die Preise steigen, 2% sehen einen Rückgang voraus. Die restlichen
Assetklassen können dieses Niveau nicht erreichen.
4. Die häufigste Herausforderung für 2017 sind die steuerlichen
Rahmenbedingungen (60%). Die zweithäufigste Challenge ist die
allgemeine Konjunkturentwicklung (42%). Als große Aufgaben werden
darüber hinaus die Zinsentwicklung (35%), die Kaufkraft (33%) und die
nationalen politischen Entwicklungen (30%) angesehen.
5. Bei den gesetzlichen und steuerlichen Anreizen für die
Immobilienwirtschaft im kommenden Jahr dominiert der Wunsch nach
einer Neuordnung des Mietrechts (78%), gefolgt von steuerlichen
Begünstigungen energieeffizienter Revitalisierungen (59%). Die
Senkung der Lohnnebenkosten steht bei 54% der Respondenten auf dem
Wunschzettel, gefolgt von 51%, die Investitionsfreibeträge für die
Wohnraumschaffung anregen.
6. Die befragten Immobilienspezialisten sind zu 16% der Meinung, dass
in Österreich zu viel in Wohnbauförderung investiert wird, 50% meinen
es sei zu wenig und weitere 16%, dass von den Gebietskörperschaften
genau richtig investiert werde (18% k.A.). Hinsichtlich der
sinnvollsten Form der Wohnbauförderung bevorzugen 45% die
Objektförderung und 41% die Subjektförderung (14% k.A.).
7. Die österreichische Immobilienwirtschaft sieht die Auswirkungen
des BREXIT sehr entspannt: 25% erwarten positive Auswirkungen, 57%
keine und 10% negative Auswirkungen (9% keine Angabe).
8. Die zwei wichtigsten erwarteten Eigenschaften für Gebäude der
Zukunft sind Energieeffizienz und niedrige Betriebskosten (je 79%),
dicht dahinter rangiert die Flächeneffizienz (69%). 50% sehen eine
Optimierung über den Lebenszyklus als wesentlich.
9. 51% sehen das Risiko auf den österreichischen Immobilienmärkten
steigen, lediglich 3% sinken. Demgegenüber erwarten 23% sinkende und
20% steigende Erträge.
10. 26% sehen bei den persönlichen beruflichen Immobilienaktivitäten
verbesserte Bedingungen bis Ende 2017 voraus, 12% eine
Verschlechterung. Für die österreichische Immobilienwirtschaft
erwarten jedoch bis Ende 2017 lediglich 7% bessere
Ausgangsbedingungen als zu Ende 2016, jedoch 22% schlechtere.
Download IFI Trendstudie: http://ifi.immo
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