- 23.12.2016, 09:00:02
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Qualitätsjournalismus braucht es notwendiger denn je
Dr. Karl Renner Publizistikpreis 2016 würdigt hervorragende journalistische Leistungen in politisch schwierigen Zeiten

Utl.: Dr. Karl Renner Publizistikpreis 2016 würdigt hervorragende
journalistische Leistungen in politisch schwierigen Zeiten =
Wien (OTS) - Im Wappensaal des Wiener Rathauses kürten
Landtagsabgeordneter Jörg Neumayer und ÖJC-Präsident Fred Turnheim
zusammen mit den Laudatorinnen und Laudatoren gestern Abend die
Preisträgerinnen und Preisträger des Dr. Karl Renner
Publizistikpreises in fünf Kategorien.
Fred Turnheim stellte seine Rede anlässlich der Verleihung des
wichtigsten österreichischen Journalistenpreises unter den Titel „Wir
leben in schrecklichen Zeiten“. Er erinnerte daran, dass im
ablaufenden Jahr 144 Journalistinnen und Journalisten getötet wurden
und dass alleine in der Türkei 90 Journalistinnen und Journalisten im
Gefängnis sitzen. „Aber auch in Österreich tragen Staatsschutzgesetz,
Sicherheitspolizeigesetz, Änderungen im Strafrecht, das noch immer
vorhandene Amtsgeheimnis, Regierungsinserate an politisch genehme
Medien und die gießkannenartige Bundespresseförderung dazu bei, dass
Österreich immer mehr Plätze im Ranking der Pressefreiheit verliert“,
so Turnheim.
Landtagsabgeordneter Jörg Neumayer, der an diesem Abend den
erkrankten Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny vertrat, betonte in
seiner Rede, dass gerade in Zeiten, wo soziale Medien ein enormes
Gewicht bekämen, es den Qualitätsjournalismus mehr denn je brauche.
Der Dr. Karl Renner Publizistikpreis 2016 habe eindrucksvoll gezeigt:
„Allen Veränderungen zum Trotz gibt es sie noch: Hervorragende
Journalistinnen und Journalisten“, so der im Kulturausschuss für
Medienfragen zuständige Gemeinderatsabgeordnete.
In der Kategorie „Print“ überreichte Laudator Kurt Langbein den Dr.
Karl Renner Publizistikpreis 2016 an Nina Horaczek vom Falter, von
der insgesamt sechs Beiträge für den Preis vorgeschlagen wurden.
„Dieses politisch schwierige Jahr hat gezeigt, dass es einen
Journalismus mehr denn je braucht, der Position bezieht, ohne sich
vereinnahmen zu lassen“, bedankte sich Nina Horaczek.
Mit dem Beitrag „Die einzige, die überlebte“ wurde in der Kategorie
„Radio“ eine bereits mehrfach ausgezeichnete Sendung von Marlene
Groihofer von Radio Klassik mit dem Dr. Karl Renner Publizistikpreis
nochmals gekrönt, wie Laudatorin Susanne Ayoub betonte. Die
Preisträgerin bedankte sich bei ihrer Protagonistin „Frau Gertrude“
für ihr Vertrauen. „Niemand von uns dachte, welche Kreise dieser
Radiobeitrag ziehen würde“, zeigte sich die Marlene Groihofer von der
nochmaligen Auszeichnung beeindruckt.
Irene Brickner überreichte den Dr. Karl Renner Publizistikpreis in
der Kategorie „Fernsehen“ an Julia Kovarik und Alexandra Augustin für
ihre Reportage „Kampf im Park“. In dieser Sendung der Reihe „Am
Schauplatz“ wurde ein Konflikt zwischen zwei Migrantengruppen am
Rande der Gesellschaft vielschichtig und hintergründig dargestellt,
so die Laudatorin. Julia Kovarik freute sich, dass ausgerechnet
dieser Beitrag ausgezeichnet wurde: „In dieser Geschichte kommen
Menschen zu Wort, über die sonst nur geredet wird.“
In der Kategorie „Online“ ehrte Laudator Helmut Kletzander den
Ö1-Journalisten Stefan Kappacher für sein Projekt „gehörtgebloggt“
mit dem Dr. Karl Renner Publizistikpreis 2016. Als Begründung
zitierte er einen Satz aus dem Blog, der sich auf Christian Kern und
Reinhold Mitterlehner bezog: „Und jetzt versuchen sich auch noch
beide als Drachentöter – was freilich nicht ausschließt, dass sich
der eine oder der andere nach geschlagener Wahl zum Drachen ins Nest
legt.“ Stefan Kappacher betonte in seinen Dankesworten, dass diese
Gratwanderung entlang des Objektivitätsgebots des ORF notwendig sei,
um die journalistische Glaubwürdigkeit zu stärken und kündigte an,
dass das neue Medienmagazin im Mai 2017 auf Ö1 auf Sendung gehen
würde und der Preis dafür ein wichtiger Ansporn sei.
Peter Lachnit wurde mit den Dr. Karl Renner Publizistikpreis 2016 für
sein Lebenswerk ausgezeichnet. Laudator Peter Klein hatte sich dafür
eigens aus seinem Urlaub in Sri Lanka mit einem launigen Beitrag
zugeschaltet. Lachnit freute sich in seiner Dankesrede darüber, dass
die Nominierungsliste des Preises auch quasi ein Treffen seiner
Diagonal-Redaktion sei. Er wies mit Nachdruck darauf hin, dass das
nie erhöhte Budget für den Kultursender Ö1 zwangsweise zur
Einstellung von Sendungen führe. Er bedankte sich für die
Auszeichnung seines Lebenswerkes mit dem Vorbehalt, das ein
Lebenswerk nie zu Ende sei, auch wenn man es notfalls Spätwerk nennen
kann.
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