• 20.12.2016, 18:00:02
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OÖNachrichten-Leitartikel: "Apocalypse no - Terror kann bezwungen werden", von Christoph Kotanko

OÖNachrichten vom 21. Dezember 2016

Utl.: OÖNachrichten vom 21. Dezember 2016 =

Linz (OTS) - Im Knäuel der Krisen droht der Verstand auszusetzen,
Furcht oder Fatalismus machen sich breit. Das ist nach den
Horrornachrichten aus Berlin (und vorher aus Nizza, Paris, Istanbul,
Brüssel etc.) begreiflich.
Einen Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt zu steuern, um möglichst
viele Menschen zu töten, ist eine ungeheure Grausamkeit, eine
Perversion der Weihnachtsbotschaft, die „Frieden auf Erden“ verheißt.
Der Anschlag vor der Gedächtniskirche macht klar, dass die
Terroristen ihre Ziele unerbittlich weiterverfolgen. Die Motive des
Angreifers in Berlin sind noch unklar, aber sein Vorgehen passt in
das Muster der Terrororganisation Islamischer Staat. Schon das
Attentat von Nizza, bei dem ein IS-Fanatiker am Nationalfeiertag in
eine Menschenmenge raste, entsprach der Dschihadisten-Taktik.
Im liberalen Milieu wird – wie immer bei solchen Anlässen – darauf
gedrängt, sensibel zu sein, das Ereignis „nicht auszuschlachten“.
Doch es bringt nichts, das Offensichtliche zu leugnen. Wer die
Realität aus Ruhebedürfnis verdrängt, hilft bloß den Rechtsradikalen.
Der radikalislamistische Terror hat in den vergangenen Monaten
wiederholt zugeschlagen. Diese Amokläufer sind „getrieben von
paranoidem Vernichtungsdrang, mit einem gestörten Selbst- und
Weltbild, in dem religiöse Überzeugung zur politischen Ideologie
pervertiert wird“ (so der ORF-Kriegsreporter Friedrich Orter in
seinem Buch „Aufwachen! Europa und die neue Weltunordnung“).
Friede, Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit, Wohlstand sind keine
Naturgesetze. Sie sind ein wertvolles, gefährdetes Gut, das
verteidigt werden muss. Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie
geben. Doch das Risiko kann deutlich gesenkt werden.
Die wichtigsten Maßnahmen wären: Bekämpfung der Terrorfinanzierung –
es ist bekannt, dass reiche Privatleute, Stiftungen und
Moscheevereine vor allem aus den Golfstaaten die Gotteskrieger
fördern; Verpflichtung aller europäischen Länder zum umfassenden
Datenaustausch und zu schärferen Kontrollen; besserer Schutz der
Grenzen – jeder Staat muss wissen, wer sich auf seinem Gebiet zu
welchem Zweck aufhält; Anpassung der Rechtslage an neue Bedrohungen;
Förderung eines europäischen Islam.
All das muss rational und rechtsstaatlich erfolgen. Panische
Reaktionen wären der Erfolg, den die Terroristen wünschen. Ihr Ziel
ist die Zerstörung der offenen Gesellschaft.

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