OÖNachrichten-Leitartikel: "Apocalypse no - Terror kann bezwungen werden", von Christoph Kotanko

OÖNachrichten vom 21. Dezember 2016

Linz (OTS) - Im Knäuel der Krisen droht der Verstand auszusetzen, Furcht oder Fatalismus machen sich breit. Das ist nach den Horrornachrichten aus Berlin (und vorher aus Nizza, Paris, Istanbul, Brüssel etc.) begreiflich.
Einen Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt zu steuern, um möglichst viele Menschen zu töten, ist eine ungeheure Grausamkeit, eine Perversion der Weihnachtsbotschaft, die „Frieden auf Erden“ verheißt. Der Anschlag vor der Gedächtniskirche macht klar, dass die Terroristen ihre Ziele unerbittlich weiterverfolgen. Die Motive des Angreifers in Berlin sind noch unklar, aber sein Vorgehen passt in das Muster der Terrororganisation Islamischer Staat. Schon das Attentat von Nizza, bei dem ein IS-Fanatiker am Nationalfeiertag in eine Menschenmenge raste, entsprach der Dschihadisten-Taktik.
Im liberalen Milieu wird – wie immer bei solchen Anlässen – darauf gedrängt, sensibel zu sein, das Ereignis „nicht auszuschlachten“. Doch es bringt nichts, das Offensichtliche zu leugnen. Wer die Realität aus Ruhebedürfnis verdrängt, hilft bloß den Rechtsradikalen. Der radikalislamistische Terror hat in den vergangenen Monaten wiederholt zugeschlagen. Diese Amokläufer sind „getrieben von paranoidem Vernichtungsdrang, mit einem gestörten Selbst- und Weltbild, in dem religiöse Überzeugung zur politischen Ideologie pervertiert wird“ (so der ORF-Kriegsreporter Friedrich Orter in seinem Buch „Aufwachen! Europa und die neue Weltunordnung“). Friede, Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit, Wohlstand sind keine Naturgesetze. Sie sind ein wertvolles, gefährdetes Gut, das verteidigt werden muss. Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben. Doch das Risiko kann deutlich gesenkt werden.
Die wichtigsten Maßnahmen wären: Bekämpfung der Terrorfinanzierung – es ist bekannt, dass reiche Privatleute, Stiftungen und Moscheevereine vor allem aus den Golfstaaten die Gotteskrieger fördern; Verpflichtung aller europäischen Länder zum umfassenden Datenaustausch und zu schärferen Kontrollen; besserer Schutz der Grenzen – jeder Staat muss wissen, wer sich auf seinem Gebiet zu welchem Zweck aufhält; Anpassung der Rechtslage an neue Bedrohungen; Förderung eines europäischen Islam.
All das muss rational und rechtsstaatlich erfolgen. Panische Reaktionen wären der Erfolg, den die Terroristen wünschen. Ihr Ziel ist die Zerstörung der offenen Gesellschaft.

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