• 15.12.2016, 10:15:01
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BELVEDERE: Meisterwerke im Fokus - Tina Blau

Wien (OTS) - Einhundert Jahre nach ihrem Tod ehrt das Belvedere die
Wiener Malerin Tina Blau mit einer Ausstellung im Rahmen der Reihe
Meisterwerke im Fokus. Vom 16. Dezember 2016 bis 9. April 2017
präsentiert die von Markus Fellinger kuratierte Schau 49 Gemälde aus
allen Schaffensphasen von Tina Blau. Neben Hauptwerken wie Frühling
im Prater (1882, Belvedere) werden bisher kaum bekannte Arbeiten
gezeigt, die im Zuge der Recherchen zum neuen Werkverzeichnis der
Künstlerin wiedergefunden werden konnten. Als erstes Museum in
Österreich präsentiert das Belvedere eine frei zugängliche
Online-Version des im Research Center des Hauses erstellten
Werkverzeichnisses zu Tina Blau.

"Wir würdigen die Ausnahmekünstlerin Tina Blau mit der Ausstellung im
Belvedere nicht nur als bedeutende Malerin, sondern auch als modern
denkende, unabhängige, emanzipierte Persönlichkeit. Sie hatte in
ihrer Rolle eine große Vorbildwirkung für die nachfolgenden
Generationen junger Künstlerinnen", so Agnes Husslein-Arco,
Direktorin des Belvedere.

"Als wahrscheinlich erste österreichische Künstlerin reiste und
wanderte Tina Blau durch Österreich und halb Europa auf der Suche
nach neuen Motiven. Im Zuge dessen studierte sie verschiedenste
internationale Kunstströmungen und erlangte ein breites Repertoire an
künstlerischen Fähigkeiten. Ihre analytische Herangehensweise und der
bewusste Drang nach eigenständiger kreativer Entwicklung werden vor
allem in ihren zahlreichen kleineren Bildern und Ölstudien offenbar",
so Markus Fellinger, Kurator der Ausstellung.

Leben und Wirken von Tina Blau

1845 als Tochter eines jüdischen Arztes in Wien geboren, zählt Tina
Blau zu den erfolgreichsten Landschaftsmalerinnen ihrer Zeit. Schon
als 14-Jährige erhielt sie privaten Malunterricht von einem Schüler
Waldmüllers. Mit 16 Jahren unternahm sie bereits Studienreisen nach
Böhmen und Siebenbürgen, wo ihre ersten großen Landschaftsbilder
entstanden. Der spätere Direktor des Kunsthistorischen Hofmuseums
August Schaeffer erkannte als erster das Talent der jungen Künstlerin
und wurde zu einem wichtigen Förderer. Er riet ihr auch dazu, die
Natur vor Ort zu studieren.

Die junge Künstlerin finanzierte sich ihren Studienaufenthalt in der
damaligen Kunstmetropole München durch den Verkauf eines ihrer Bilder
im Wiener Künstlerhaus. Noch während ihrer Studienzeit war sie ab
1872 maßgeblich an der Entwicklung des sogenannten „Österreichischen
Stimmungsimpressionismus“ beteiligt. Mit Emil Jakob Schindler verband
sie bis 1879 eine Ateliergemeinschaft. Gemeinsam mit ihm und seinem
Kreis malte sie einfache Motive unter freiem Himmel in den Donauauen
und im Prater, die in Komposition und Aufbau eine moderne Auffassung
der Landschaftsmalerei widerspiegelten.

Reisen verändert die Sichtweise

Durch ausgedehnte Aufenthalte in Ungarn, Holland, Italien,
Deutschland, Frankreich und der Schweiz holte sich Tina Blau die
aktuellsten Anregungen der europäischen Malerei. Außerdem konnte sie
ihre Technik an den unzähligen Motiven schulen, die sich ihr durchs
Reisen erschlossen. In ihrem Hauptwerk Frühling im Prater (1882,
Belvedere) hatte sie ihren eigenen Stil bereits vollständig
entwickelt. Dieser war von der Wiederentdeckung des
Biedermeierrealismus geprägt und bezog stilistische Tendenzen des
Impressionismus mit ein. Für das Gemälde erhielt Tina Blau im Pariser
Salon 1883 eine „Mention honorable“. Dabei handelte es sich um die
einzige an ausländische Künstler vergebene Auszeichnung. Das damals
in Wien beispiellose Gemälde machte Tina Blau zu einer Künstlerin von
europäischem Rang. In der Folge war sie auf fast allen bedeutenden
internationalen Ausstellungen vertreten.

Starke Frau – prägende Künstlerpersönlichkeit

Tina Blau setzte sich mit großem Engagement für nachfolgende
Generationen junger Künstlerinnen ein: Zunächst als Lehrerin an der
1884 gegründeten Damenakademie des Münchner Künstlerinnenvereins und
später als Mitbegründerin und Lehrerin an der Kunstschule für Frauen
und Mädchen in Wien. Zu erwähnen sind auch ihre engen Freundschaften
mit führenden Frauenrechtlerinnen wie Rosa Mayreder, Auguste Fickert
und Marianne Hainisch.

Tina Blau sah sich selbst am Höhepunkt ihres Schaffens damit
konfrontiert, dass ihre künstlerische Leistung immer in Bezug auf ihr
Geschlecht beurteilt wurde. Anlässlich der Eröffnung der Modernen
Galerie im Jahr 1903, dem heutigen Belvedere, wurde ihr ausgestelltes
Gemälde Krieau im Prater (1902, Belvedere) vom Kunstkritiker Adolf
Kronfeld ebenfalls dahingehend beschrieben. Besonders Tina Blaus
Bereitschaft, aus der Schule in die Natur hinauszugehen, um zu malen,
wie es damals lediglich die männlichen Kollegen taten, wird von dem
Kritiker positiv hervorgehoben. Dieser von „positivem Sexismus“
eingeschränkte Blick verwehrte jedoch die genuine Betrachtung ihrer
künstlerischen Produktion. Mit der Ausstellung im Belvedere zu ihrem
100. Todestag soll dies jedoch wieder möglich werden.

Die begleitende Publikation zur Ausstellung enthält Essays u.a. von
Kunsthistoriker Claus Jesina, der sich mit der veränderten Sichtweise
der Künstlerin durch ihre umfangreichen Reisen und dem Studium der
Lichtverhältnisse spezifischer Landschaften befasst. Julie M. Johnson
beschreibt, was die Künstlerin Tina Blau in einer männlich
dominierten Kunstwelt zur Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit machte und
Kurator Markus Fellinger beschäftigt sich in seinem Beitrag mit der
Stilfindung der Künstlerin und der Bedeutung ihrer „Wiederentdeckung“
des Biedermeierrealismus.

Die Online-Version des im Belvedere neu erstellten, kompletten
Werkverzeichnisses von Tina Blau ist unter
werkverzeichnisse.belvedere.at abrufbar.

Ausstellungen der Reihe Meisterwerke im Fokus werden mit freundlicher
Unterstützung des Dorotheum ermöglicht.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | BEL

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