Androsch und Salcher verteidigen die Ganztagesschule und die Schulautonomie gegen ihre Feinde

Wien (OTS) - Die Zielformulierungen der Bundesregierung zur Schulautonomie und der Ausbau der echten Ganztagsschule könnten wichtige Schritte einer dringend notwendigen Schulreform sein. Entscheidend sind jedoch nicht Absichtserklärungen, sondern die konkreten Gesetzestexte, die offenbar von Parteiideologen, machtbesessenen Funktionären und Lobbys blockiert werden. Das Ziel ist offenbar, die geplante Autonomie soweit zu verwässern, dass sie nicht wirksam werden kann, um dann deren Scheitern zu beklagen.

Bildungsvolksbegehren-Initiator Hannes Androsch und Bildungsexperte Andreas Salcher: „Wir finden es richtig, dass Direktoren in Zukunft stärker für die Leistungen ihrer Schule verantwortlich sein sollen und nur mehr auf Zeit bestellt werden. Voraussetzung dafür ist aber, dass sie sich ihre Lehrer aussuchen und sich von ungeeigneten trennen können. Um neue Lernformen umsetzen zu können, brauchen sie die Möglichkeit für mehr Flexibilität bei den Klassengrößen und bei der Ressourcenverteilung. Vor allem die jede Kreativität tötende 50-Minuten-Stunde muss endlich aufgelöst werden. Mit der Autonomie in den Schulen ist es wie mit der Demokratie – ein bisschen funktioniert nicht.“

Österreich ist eines der ganz wenigen Länder Europas, das an der Halbtagsschule festhält. Nur 1.5% (!) aller Klassen in Österreich sind echte Ganztagsschulen im Sinne eines verschränkten Unterrichts. Die OECD sieht in diesem Faktum einen der wesentlichen Gründe für die schlechten Leistungen von Schülern aus bildungsfernen Schichten, die leider durch die aktuellen PISA-Ergebnisse wieder dokumentiert wurden. Androsch und Salcher unterstützen daher die Bildungsministerin Sonja Hammerschmid bei ihrem Bemühen, endlich die echte Ganztagsschule in Österreich massiv auszubauen. Es sei besonders anzuerkennen, dass sie die erste Bildungsministerin ist, die die PISA-Ergebnisse nicht schönzureden versucht, sondern diese deutlich als „inakzeptabel“ bezeichnet hat.

H. Androsch: Das Ergebnis der jüngsten PISA-Studie zeigt mit erschreckender Deutlichkeit die Folgen der durch reaktionäre und bildungsfeindliche Kreise verhinderten Bildungsreform. Diese Einstellung hat sich auch im Umgang mit dem Bildungsvolksbegehren deutlich gezeigt. Es kann nicht länger angehen, dass kleine Gruppen unser Bildungssystem in für unsere Kinder zukunftsschädliche Geiselhaft nehmen. Es gilt daher sicherzustellen, dass die nunmehr von der Regierung beschlossenen Bildungsmaßnahmen als erster Schritt ohne wenn und aber umgesetzt werden.

A. Salcher: „Pädagogisch geht es um eine Frage: Ist es für Schüler besser wenn sie von 8 bis 16 Uhr von ihren Lehrern unterstützt werden oder sollen sie mit Freizeitpädagogen am Nachmittag Hausübungen machen? Der Widerstand gegen die Ganztagsschule in Österreich hängt wesentlich damit zusammen, dass nur wenige Schulpartner echte Ganztagsschulen erlebt haben. Redet man mit Schülern, Lehrern und Eltern von Ganztagsschulen, herrscht dort eine hohe Zufriedenheit. Voraussetzung dafür sind moderne Arbeitsplätze für die Lehrer, Infrastruktur für ein gemeinsames Mittagessen und ausreichende Erholungszeiten. Dann endet die Schule für alle Beteiligten um 16 Uhr. Die Kosten für Nachhilfe sinken deutlich und die Eltern müssen nicht jeden Tag mit ihren Kindern nachlernen.“

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Dr. Hannes Androsch
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Dr. Andreas Salcher
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