TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 27. November 2016 von Michael Sprenger "Das Ende einer Ära "

Fidel Castro war ein real existierender Revolutionär und eine Ikone der Revolution. Doch was von alledem wird bleiben?

Innsbruck (OTS) - Kuba war Fidel Castro. Fidel Castro war Kuba. So wie die dicke Cohiba-Zigarre, Salsa-Musik und Rum. Die kommunistische Sowjetunion wurde aufgelöst, der Kalte Krieg wurde beendet, das Ende der Geschichte ver-
kündet. Die Globalisierung griff weit um sich. Doch Fidel Castro war immer noch da. Die USA erklärte ihn zum Erzfeind. Von John F. Kennedy bis George Bush. Doch der Maxímo Líder trotzte ihnen allen. Dies machte ihn nicht nur bei den Linken zum Idol.
Castro schien ewig zu leben. So als hätte er auf all jene Rücksicht genommen, die in kleinrevolutionärer Gesinnung immerzu erklärten, Kuba besuchen zu müssen, so lange er noch lebt. Jetzt ist es zu spät. Der Comandante ist tot. Und die Zukunft der Karibikinsel ungewiss. Die Annäherung zwischen USA und Kuba, die von Raúl Castro und Barack Obama eingeläutet wurde, ist zu einem offenen Prozess geworden. Gelingt es Raúl Castro, die Errungenschaften der Revolution mit menschlichem Antlitz so auszustatten, dass sie auch nach seinem Tod noch Bestand haben? Die Ansätze, dass ihm dies gelingen könnte, sind zumindest sichtbar geworden. Doch was passiert in den USA? Barack Obama wollte seinen Eintrag in die Geschichtsbücher, die Aussöhnung der Erzfeinde, mit einem Wandel durch Annäherung erreichen. Doch dies gehörte noch zum Handwerk konventioneller Politik.
Was will aber Donald Trump? Bevor Castro 1959 in Havanna den Sieg der Revolution feierte, war Kuba ein korruptes Land, das Casino und Bordell im Hinterhof der USA. Was heute Kuba fehlt, sind Jobs und ein friedlicher Wandel hin zur Demokratie. Was Kuba braucht, ist eine Führung in Washington, die dies alles nicht unterwandert. Fidel Castro wäre hierbei wohl skeptisch.

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