• 25.11.2016, 09:05:35
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  • OTS0027

Pharmaindustrie: Medizin für den Wirtschaftsstandort Österreich

Expertendiskussion im Biotech Campus Pfizer/Shire in Orth (NÖ)

http://www.apa-fotoservice.at/galerie/8440 Im Bild
v.l.n.r.: Mag. Daniela Homan (American Chamber of Commerce,
Austria), Dr. Helmut Brandstätter (Chefredakteur Kurier), Dr. Ulrike
Unterer (BMWFW), DI Karl-Heinz Hofbauer (Vorstand Baxter AG, now
part of Shire), Martin Dallinger (Site Leader PGS-Orth/Pfizer),
Prof. Dr. Robin Rumler (Geschäftsführer Pfizer Austria), DI Dr.
Christa Wirthumer-Hoche (Leiterin der AGES Medizinmarktaufsicht und
Vorsitzende des EMA Management Board), Ing. Alexander Herget, MBA
(Site Lead Orth/Shire), Dr. Marcus Scheiblecker (Stellvertretender
Leiter WIFO)

Utl.: Expertendiskussion im Biotech Campus Pfizer/Shire in Orth (NÖ) =

Wien/Orth (OTS) - Ganz im Zeichen der jüngst präsentierten
„Zukunftsstrategie Life Sciences und Pharmastandort Österreich“ von
Staatssekretär Dr. Harald Mahrer stand am 24. November die
Veranstaltung: "Medizin für den Wirtschaftsstandort Österreich," zu
dem die American Chamber of Commerce, Pfizer Austria und Shire
Österreich in den Biotech Campus Pfizer/Shire in Orth an der Donau
(NÖ) luden. Im Fokus des hochkarätig besetzten Expertentalks stand
der Wirtschaftsstandort Österreich im Wandel der Zeit und mit Blick
auf die Zukunft. Die Thematik wurde dabei aus einem 360° Blickwinkel
umfassend von den Experten betrachtet.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Globalisierung und
Digitalisierung steht die heimische Wirtschaft, als klassisches
„Exportland“, verstärkt im weltweiten Wettbewerb. Pioniergeist und
Unternehmertum sorgten in der Vergangenheit für eine gute
Ausgangslage. Dennoch gilt es, sich nicht auf den Erfolgen der
Vergangenheit auszuruhen. So ergab etwa die Studie „Deloitte.Radar
2016“ für das Jahr 2015 eine im Vergleich zum Vorjahr gesunkene
wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes. Österreich
erreichte 2,86 von 5 möglichen Punkten, 2014 waren es noch 3 Punkte.
Die Studie identifizierte dabei 7 kritische Standortfaktoren.
Besonders im Bereich der Kosten sieht sie dringenden Handelsbedarf –
sowohl bei der Steuer- und Abgabenlast als auch hinsichtlich der
Lenkungseffekte der heimischen Fiskalpolitik. Als weitere Bereiche
mit Handlungsbedarf wurden die Standortfaktoren „Politisches und
makroökonomisches Umfeld“, „Regulatorisches Umfeld“, sowie die
Verfügbarkeit von (qualifizierten) Arbeitskräften festgestellt.
Standortvorteile sieht die Studie in den Bereichen
„Unternehmensinfrastruktur und Umfeld“ sowie „Innovation, Forschung &
Technologie“. Hier positioniert sich Österreich im internationalen
Vergleich gut. [1] 2015 betrug die Forschungsquote in Österreich (die
Pharmaindustrie leistet hierzu einen wesentlichen Beitrag) rund 3%
des BIP – die Ausgaben für Forschung und Entwicklung überstiegen
damit erstmals 10 Mrd. Euro. Damit positioniert sich Österreich
deutlich über dem EU-28 Durchschnitt von 2%, hinter Schweden. [2]
Bestnoten erhält der heimische Wirtschaftsstandorts bei Betrachtung
der sehr hohen Lebensqualität. Diesen Standortvorteil gilt es jedoch,
so die Studie, gegen drohende Verschlechterungen abzusichern. [1]

Forschung & Entwicklung weiter vorantreiben

Moderiert von Dr. Helmut Brandstätter, Chefredakteur der Tageszeitung
KURIER, erfolgte die Begrüßung der knapp 100 Gäste durch Mag. Daniela
Homan (Executive Director American Chamber of Commerce, Austria),
Prof. Dr. Robin Rumler (Geschäftsführer Pfizer Austria) und DI
Karl-Heinz Hofbauer (Vorstand Baxter AG, now part of Shire). „Wir
sind stolz darauf, dass unsere Mitgliedsfirmen hier in Orth ein
internationales Kompetenz-Center betreiben und damit tausende
Arbeitsplätze in Österreich sichern. Allerdings muss uns bewusst
sein, dass es kontinuierlicher Anstrengungen bedarf, um die
internationale Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes
Österreich zu sichern. Die Amerikanische Handelskammer setzt sich
dafür ein, die Rahmenbedingungen hierfür zu verbessern. Von
entscheidender Bedeutung sind insbesondere die Standortfaktoren
Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte, Lohnnebenkosten,
Bürokratie und Besteuerung von Expatriates“, so Norbert B. Lessing,
Präsident der American Chamber of Commerce, Austria.

Prof. Dr. Robin Rumler ging in seiner Begrüßung auf Vor- und
Nachteile des österreichischen Wirtschaftsstandorts ein: „Österreich
ist ein Land im Herzen Europas, mit hervorragender Akademia, und
erweist sich über viele Jahre als wirtschaftlich, politisch und
sozial stabil. Wir verfügen über ausgezeichnete Lebens- und
Arbeitsbedingungen, ein hochentwickeltes Gesundheits- und
Sozialsystem und über hohe Qualität der allgemeinen Infrastruktur.
Auch in den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie Biotech kann
Österreich international mithalten, aber wir gehören nicht zu den
Vorreitern. Die Investitionen in diesen Sektor sind sicherlich
ausbaufähig, damit Österreich vom Innovations-Follower zum
Innovations-Leader wird. Als Geschäftsführer eines weltweit tätigen,
forschenden pharmazeutischen Unternehmens, mit sowohl Vertriebs- als
auch Produktionsniederlassung in Österreich, wünsche ich mir mehr
Aktivitäten, um Österreich als Wirtschaftsstandort attraktiver zu
machen. Denn Österreich spielt unter den globalen Wirtschaftsplayern
eine geringere Rolle als noch vor einigen Jahren. Wir müssen
effizientere Maßnahmen setzen, um hier ansässige Unternehmen besser
zu unterstützen, effektivere Standortpolitik betreiben und mehr
darüber kommunizieren. Wir haben es in der Hand, aus unserem Land
einen Hotspot der Forschung, Entwicklung und High Tech Produktion zu
machen!“.

DI Karl-Heinz Hofbauer vermerkte im Rahmen seiner Begrüßung, dass
Österreich, mit über 4.000 Beschäftigten, einen der wichtigsten
Standorte bei Shire darstellt. Er verwies dabei zum einen auf die
beeindruckende Erfolgsgeschichte, gab jedoch auch kritisch zu
bedenken, dass bei internationalen Neuansiedlungen vor allem
langfristige Standortfragen eine Rolle spielen: „Mit über 4.000 der
weltweit 22.000 Mitarbeiter, betreibt Shire in Österreich einen
seiner weltweit größten Standorte. Hier werden lebenswichtige
Therapien für Menschen mit seltenen und speziellen Erkrankungen
produziert und in 100 Länder exportiert. Standortentscheidend für
Shire ist, dass wir in Österreich weiterhin wirtschaftliche
Rahmenbedingungen vorfinden, die es uns ermöglichen, diese Position
im internationalen Wettbewerb zu halten oder sogar auszubauen. Dazu
zählen neben hoch qualifizierten Mitarbeitern, niedrigen
Abgabenquoten, Anreize für Forschung und Investitionen, modernste
Infrastruktur auch ein effizientes Zulassungsverfahren.“

360° Expertentalk zum Wirtschaftsstandort Österreich

„Österreich als kleine Volkswirtschaft braucht einen Fokus auf
Stärkefelder, um Mittel zu bündeln und zu den innovativsten Ländern
der Welt aufzuschließen. Life Sciences sind so ein Stärkefeld, wo
bereits exzellente Grundlagen- und angewandte Forschung stattfindet.
Dieser Sektor hat sich in relativ kurzer Zeit sowohl wirtschaftlich
als auch wissenschaftlich mit enormer Dynamik entwickelt. Daher
müssen wir die notwendigen Maßnahmen umsetzen, um auch für künftige
Herausforderungen vorbereitet zu sein und wettbewerbsfähig zu
bleiben“, so Harald Mahrer. In Vertretung des Staatssekretärs im
Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft hielt
Dr. Ulrike Unterer (technisch-wirtschaftliche Forschung im
Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft) die
Keynote und nahm auch am darauffolgenden 360° Expertentalk teil.

Als weitere Experten des 360° Talks engagierten sich Martin Dallinger
(Site Leader PGS-Orth/Pfizer), Ing. Alexander Herget (Site Lead
Orth/Shire), Dr. Marcus Scheiblecker (Stellvertretender Leiter WIFO)
und DI Dr. Christa Wirthumer-Hoche (Leiterin der AGES
Medizinmarktaufsicht und Vorsitzende des EMA Management Boards). Der
Themenbogen spannte sich dabei vom Wirtschaftsstandort Österreich aus
Sicht der produzierenden und forschenden pharmazeutischen Industrie
bis hin zu Vorteilen und Herausforderungen des heimischen
Wirtschaftsstandorts in einem zunehmend vom globalen Wettbewerb
gekennzeichneten Umfeld. Danach charakterisierte man den Medizin- und
Pharmastandort Österreich, zeigte Perspektiven zur Verbesserung der
Außenkommunikation auf und erörterte die Zusammenarbeit zwischen
staatlichen Institutionen und (pharmazeutischer) Wirtschaft.

Als Vertreter der forschenden und produzierenden pharmazeutischen
Industrie boten Martin Dallinger und Ing. Alexander Herget spannende
Einblicke in ihre Tätigkeitsfelder. Martin Dallinger wusste dabei zu
berichten: „Die Impfstoffherstellung in Österreich ist eine
rot-weiß-rote Erfolgsgeschichte, die auf eine inzwischen 40jährige
Tradition zurückblickt. Diese Tradition bringt ein hohes Maß an
Wissen und Erfahrung mit sich. Die Kombination mit innovativen
Technologien, hochqualifizierten Fachkräften und einem sicheren
wirtschaftlichen und politischen Umfeld schaffen die ideale Basis für
unser oberstes Ziel: die zuverlässige Versorgung unserer Patienten
mit Produkten von höchster Qualität. Dennoch, Österreich muss als
Produktionsstandort wieder international attraktiver werden, dies
gilt insbesondere in der Herausforderung eines globalisierten
Umfelds. Für ein produzierendes Pharmaunternehmen gilt die Balance
von Lieferzuverlässigkeit, Kosten und Qualität der Produkte als ein
wesentlicher wettbewerbsentscheidender Faktor. Schnelligkeit,
Flexibilität, Networking und Best-Practice-Sharing auf
internationaler Ebene fördern außerdem die Effizienz. Langfristige,
strategische Ziele zusammen mit dem stetigen Streben nach
kontinuierlicher Verbesserung der Unternehmensprozesse tragen
zusätzlich dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit fortwährend an die
Anforderungen der nationalen und internationalen Märkte anzupassen.
Eine gezielte Kundenorientierung und ein starkes
Dienstleistungsbewusstsein als Säulen eines pharmazeutischen
Produktionsbetriebs rücken das Wohl jedes einzelnen Patienten in den
Fokus aller Bemühungen.“

Im Anschluss ging Ing. Alexander Herget auf das Modell des Standorts
in Orth an der Donau ein, das als Best-Practice-Beispiel angeführt
werden kann, wenn es darum geht dringend benötigte Produkte rasch für
den Patienten verfügbar zu machen: „Das Werk in Orth spielt eine
bedeutende Rolle im gesamten pharmazeutischen Prozess von Shire – von
der Entwicklung über die Produktion für klinische Studien bis zur
Lizenzierung von hoch innovativen Therapien. Die Gentherapie ist nur
ein Beispiel von vielen. Die räumliche Nähe von Forschung und
Entwicklung der Produktionsprozesse und der klinischen Produktion,
sind die Grundlage für die spätere kommerzielle Produktion und somit
ein kritischer Erfolgsfaktor, um Therapien schnell auf den Markt zu
bringen. Denn gerade im Bereich der seltenen Erkrankungen zählt bei
der Zulassung neuer Produkte jeder Monat für Patienten, die mit
diesen seltenen Krankheiten leben müssen.“

Österreichischer Pioniergeist für globalen Wettbewerb

Dr. Marcus Scheiblecker attestierte dem Wirtschaftsstandort
Österreich, vor allem bei der Infrastruktur, der Ausbildung und dem
sozialen Frieden eine hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Gleichzeitig wies er auf strukturelle Schwächen hin. „Auch wenn
Österreich gewisse Schwachpunkte in der Struktur aufweist und
diesbezüglich wichtige Reformen anstehen, besitzt unser Land im
internationalen Vergleich eine hohe Wettbewerbsfähigkeit. Diese
zeichnet sich aus durch eine gut ausgebaute Infrastruktur, einen
hohen Qualifizierungsgrad der Arbeitskräfte und ein hohen Grad an
sozialem Frieden, der sich in einer äußerst geringen Streikneigung
niederschlägt. Eine der Herausforderungen der Zukunft wird darin
bestehen, diese Vorteile durch wirtschaftspolitische Maßnahmen und
Zukunftsinvestitionen im Bereich Bildung und Ökologisierung
abzusichern und auszubauen.“

Auch die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Unternehmen wurde
diskutiert. DI Dr. Christa Wirthumer-Hoche führte zur Rolle der AGES
Medizinmarktaufsicht im Zusammenhang der Zusammenarbeit mit der
produzierenden und forschenden pharmazeutischen Industrie an: „Wir,
die AGES Medizinmarktaufsicht, bewerten im Auftrag des Bundesamtes
für Sicherheit im Gesundheitswesen alle Verfahren im Lebenszyklus
eines Arzneimittels in hoher Qualität und innerhalb der gesetzlichen
Fristen. Offene Kommunikation mit den Antragstellern und anerkannte
wissenschaftliche Expertise in der Behörde ermöglichen die Stärkung
des Forschungs- und Wirtschaftsstandortes Österreich. Wir
unterstützen damit den Ausbau des Zukunftspotenzials des
österreichischen Pharma-Marktes. Durch den Zuwachs an Know-how,
Forschungstätigkeit und Gesamt-Wertschöpfung in diesem Bereich kann
letztlich auch der gesamte Wirtschaftsstandort Österreichs
attraktiver werden. Ein bedeutender Wirtschaftsstandort Österreich im
Pharmabereich braucht somit letztlich auch eine starke regulatorische
Behörde!“

Im abschließenden Resümee waren sich die Experten einig, dass
Biotechnologie-, Pharma- und Medizintechnologie-Unternehmen ein
starker Motor für den Wirtschaftsstandort Österreich sind. In einer
sich ständig wandelnden Welt gilt es auch in Zukunft mit Pioniergeist
und Forschertum voranzugehen und Herausforderungen – vom globalen
Wettbewerb bis hin zur zunehmenden Digitalisierung aller
Lebensbereiche – anzunehmen und aktiv zu bewältigen, um Chancen für
die Wirtschaft, die Gesellschaft und damit einhergehend für jeden
Einzelnen bestmöglich nutzen zu können.

Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/8440

Referenzen:
[1] Deloitte.Radar 2016. Cockpit. Online unter:
http://www.ots.at/redirect/deloitte9 (18.11.2016)
[2] Deloitte.Radar 2016. Seite 39. Online unter:
http://www.ots.at/redirect/deloitte9 (18.11.2016)

PP-PFE-AUT-0186/11.2016

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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