Verunsicherung überwiegt bei europäischen Finanzchefs, Österreicher sind in ihrer Einschätzung gespalten

Deloitte European CFO Survey

Wien (OTS) - Europas CFOs verspüren große Verunsicherung, nicht zuletzt durch das Brexit-Votum. Österreichs Finanzvorstände wiederum erwarten noch keine großen Auswirkungen durch den geplanten EU-Austritt der Briten. Dennoch verspüren viele österreichische CFOs Verunsicherung – die Risikobereitschaft in Österreich ist gering. Diese Ergebnisse liefert der aktuelle European CFO Survey von Deloitte.

Im Rahmen der Studie befragte Deloitte im dritten Quartal 2016 mehr als 1.000 CFOs in 17 europäischen Ländern. Dabei zeigt sich: Zwei Drittel der europäischen CFOs verspüren eine große Unsicherheit hinsichtlich der aktuellen finanziellen und wirtschaftlichen Situation. Im Vereinigten Königreich und in Deutschland ist die Unsicherheit unter den CFOs am größten, 88 % beurteilen diese dort als hoch. Die Österreicher sind in ihrer Einschätzung gespalten:
Knapp die Hälfte der CFOs hierzulande fühlt sich unsicher. Am besten ist die Stimmung in Finnland, wo nur 36 % hohe Unsicherheit verspüren.

Risikofreude der Österreicher ist gering

Die Risikobereitschaft der österreichischen CFOs nimmt seit Jahresbeginn stetig ab. In der aktuellen Studie hat sie einen neuen Tiefstwert erreicht. Die überwiegende Mehrheit der befragten Österreicher ist überzeugt, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist um ein Risiko einzugehen. Am risikofreudigsten sind hingegen die Russen (50 %), gefolgt von den Spaniern (47 %) und den Finnen (44 %). „Die österreichischen Finanzvorstände sind derzeit besonders vorsichtig und weisen mit 11% den niedrigsten Umfragewert aus. Auch hinsichtlich der strategischen Prioritäten stehen Kosteneinsparungen bei den österreichischen CFOs an erster Stelle“, analysiert Gerhard Marterbauer.

Investitionsbereitschaft in Österreich steigt

Trotz einer geringen Risikogeneigtheit soll in Österreich wieder mehr investiert werden, zumindest wenn es nach den Plänen der CFOs geht. 38 % planen die Investitionen zu erhöhen, nur 8 % verringern ihre Ausgaben im nächsten Jahr. Sehr viel zurückhaltender ist die Investitionsplanung in Großbritannien. Unter den britischen Finanzvorständen planen nur 7 % höhere Investitionen, 58 % wiederum wollen das Investitionsvolumen hinunterschrauben. Marterbauer dazu:
„Der Wirtschaftsstandort Österreich braucht mehr Investitionen, um wachsen zu können. Da stimmt die steigende Investitionsbereitschaft der CFOs zuversichtlich.“

Einfluss von Brexit in Österreich gering eingeschätzt

In Bezug auf den bevorstehenden Brexit geben sich die österreichischen CFOs betont entspannt. 75 % der Befragten sehen keinen Einfluss durch das Votum der Briten auf ihr Unternehmen. Die gesamteuropäische Stimmung zu diesem Thema ist eher pessimistisch. Sehr negativ schätzt die Mehrheit der britischen Finanzchefs die Lage ein: Zwei Drittel befürchten durch den Brexit eine Verschlechterung des Wirtschaftsklimas.

„Bisher hat sich das Brexit-Votum vor allem auf die Stimmung in Großbritannien ausgewirkt. Dennoch ist auch in Österreich Vorsicht geboten“, warnt Ben Trask, Partner bei Deloitte Österreich. „Sollte es zu einem harten Brexit kommen, kann sich die Situation durch die enge Verzahnung zwischen der österreichischen und der deutschen Wirtschaft schnell zuspitzen. Gerade die österreichische Automobilzulieferindustrie ist besonders gefährdet. Die CFOs sind gut beraten, rechtzeitig Vorkehrungen zu treffen.“

Regularien und Personalkosten als größte Risiken in Österreich

Externe geopolitische Faktoren bereiten österreichischen CFOs grundsätzlich in ihrem Arbeitsalltag nicht die meisten Sorgen – sie werden erst an dritter Stelle genannt. Bei den CFOs von neun befragten Ländern, unter ihnen Deutschland und die Türkei, rangieren geopolitische Aspekte als größte Risikofaktoren ganz oben. Die Befragten in Österreich sorgen sich hingegen vor allem in Hinblick auf zunehmende Regularien und steigende Personalkosten. „Den österreichischen Finanzchefs brennen Themen unter den Nägeln, die sie unmittelbar betreffen und die bereits seit langem kritisiert werden. Es braucht für Österreichs Unternehmer dringend eine Entlastung bei den Personalkosten. Und die immer weiter fortschreitende Regulierung muss eingedämmt werden“, fordert Marterbauer abschließend.

Über den Deloitte European CFO Survey

Für die europäische CFO Studie von Deloitte wurden die Ergebnisse von Befragungen aus 17 europäischen Ländern, einschließlich Österreich, zusammengefasst. Insgesamt wurden die Einschätzungen von mehr als 1000 Finanzvorständen analysiert. Die Befragung wurde im dritten Quartal 2016 durchgeführt. Der CFO Survey erscheint zweimal jährlich.

Zum Download

Deloitte European CFO Survey Q3 2016:
bit.ly/2gdGDUn

Foto Gerhard Marterbauer Credits Picco:
bit.ly/2ghW7Ek

Foto Ben Trask Credits APA Hinterramskogler:
bit.ly/2eVhHjh

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