- 22.11.2016, 12:23:38
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„Bosnien, es war einmal Franz Josephs Land“ am 23. November um 22.30 Uhr in ORF 2
Friedrich Orters „Menschen & Mächte“-Doku auf Zeitreise zwischen verklärter Vergangenheit und ernüchternder Gegenwart
Utl.: Friedrich Orters „Menschen & Mächte“-Doku auf Zeitreise
zwischen verklärter Vergangenheit und ernüchternder Gegenwart =
Wien (OTS) - „Es war ein Land, das nicht lange gedauert hat“, sagt
die heute 87-jährige Enkelin jenes k. u. k. Lokomotivführers, der im
Juni 1914 den Thronfolger Franz Ferdinand im Zug nach Sarajewo fuhr.
Es war eine Reise in den Tod, auch der k. u. k. Monarchie. Eine Reise
in den Untergang des alten Europa und seiner Imperien. 100 Jahre nach
dem Tod Kaiser Franz Josephs begibt sich Friedrich Orter mit seinem
Kameramann Akram al Yasiri auf Spurensuche in jenes auch heute wieder
zerrissene Land Bosnien-Herzogowina. 40 Jahre, von 1878 bis 1918, war
es Teil der Habsburger-Monarchie und damit „Franz Josephs Land“. Die
Hauptstadt Bosniens ist ab der Annexion durch Habsburgertruppen 1878
eine Art „k u. k. Enklave“ geworden, von der heute noch einiges zu
spüren ist. Da gibt es ein k. u. k. Museum, Cafés im Wiener Stil oder
ausrangierte, von den Wiener Verkehrsbetrieben nach Sarajevo
verkaufte rote Straßenbahnen.
Bosnien heute: ein Land mit hoher Arbeitslosigkeit, sozialen
Spannungen und zunehmenden Gefahren eines radikalen Islam. Friedrich
Orter hat für die „Menschen & Mächte“-Dokumentation „Bosnien, es war
einmal Franz Josephs Land“, die ORF 2 am Mittwoch, dem 23. November
2016, um 22.30 Uhr zeigt, auch einen besonderen Reisebegleiter
gefunden. Es ist Erwin Steinhauer, der in seiner unnachahmlichen Art
zeitgenössische Reiseberichte und Quellen rezitiert, einen
Spannungsbogen zwischen gestern und heute.
Während des Jugoslawienkrieges flüchteten Tausende Bewohner aus der
bosnischen Hauptstadt Richtung Österreich. Sarajevo wurde beinahe
vier Jahre belagert. Während der Kämpfe starben fast 11.000 Menschen.
Nach dem Waffenstillstand begann der Transformationsprozess der einst
multiethnischen Stadt zur islamischen Metropole. Die immer
manifestere Islamisierung machte auch der von Saudi-Arabien
finanzierte Moscheen-Bau in Sarajevo und Umgebung deutlich. Religion
war die ideologische Verbrämung, die auch ökonomisch motivierte Ziele
tarnte. Am religiösen Transformationsprozess waren abseits
saudi-arabischer Imame auch einige in Wien tätige Bosnier beteiligt,
die immer wieder Islamisten für den bewaffneten Kampf in Europa
rekrutierten. Gerichtsprozesse und Verurteilungen in Wien und Graz
belegen das deutlich.
Die Verbindung heimischer Salafisten zu bosnischen Scharia-Dörfern
reicht bis in die 1990er Jahre zurück. Radikalisiert wurden und
werden viele Islamisten erst in Wien. Heute, 2016, soll es in
Österreich laut Verfassungsschutz bis zu 200 aus Bosnien
eingeschleuste IS-Schläfer geben – ein neues Gewaltpotenzial vor
unserer Haustür.
Bosnien heute: ein zerrissenes Land. Ethnisch, politisch, religiös.
Friedrich Orter präsentiert in seiner Dokumentation eine ebenso
feinsinnige wie analytische Zeitreise zwischen verklärter
Vergangenheit und ernüchternder Gegenwart. Ein im 20. Jahrhundert von
drei mörderischen Kriegen zerstörtes Land, dessen offene Wunden nicht
vernarbt sind. Darüber vermag auch die nostalgische Schönheit der
wieder restaurierten k. u. k. Gebäude Sarajevos und Mostars nicht
hinwegzutäuschen.
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