• 09.11.2016, 13:16:04
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  • OTS0178

Nachhaltige Gebäude: Es geht auch um Komfort!

Wien (OTS) - Durch ihr Verhalten konterkarieren Menschen die
Energieeffizienz von Gebäuden. Das verursacht Mehrkosten und
vergeudet Ressourcen. Forscher der FH Campus Wien arbeiten an einer
Gegenstrategie.

Gebäude verursachen weltweit rund 40 Prozent der Primärenergie –
Tendenz steigend. Energieeffizienz ist ein wesentliches Kriterium für
die ökologische Qualität von Gebäuden. Aber Energieeffizienz dank
moderner Gebäudetechnik reicht alleine nicht aus, wenn der Mensch die
Technik durch fehlerhafte Nutzung „sabotiert“. Christian Hölzl und
Edmund Spitzenberger vom Department Bauen und Gestalten der FH Campus
Wien arbeiten an einem Modell zur Vorhersage des
NutzerInnen-Verhaltens in Gebäuden. Ziel ist, Kosten einzusparen und
die Leistungsfähigkeit von Gebäudetechniksystemen den Bedürfnissen
der NutzerInnen effizient anzupassen.

Menschliche Verhaltensmuster

„Es gibt ohne Zweifel sehr gute, ausgeklügelte und effiziente
Gebäudetechniksysteme. Offensichtlich stehen sie aber im Widerspruch
zu den Verhaltensmustern, die NutzerInnen an den Tag legen. Denken
wir nur beispielsweise an die geöffneten Fenster, während die
Klimaanlage läuft“, erklärt Christian Hölzl. Die Idee der beiden
Forscher ist, die Verhaltensmuster von NutzerInnen anhand von
Modellen bereits vorab zu untersuchen und entsprechend in die
Gebäudeplanung einfließen zu lassen. Ausgangspunkt ihrer
Untersuchungen ist die Raumluftqualität in Räumen für eine größere
Zahl von Personen. Konkret wird aktuell das Verhalten von
Studierenden und Lehrenden der FH Campus Wien in einem ca. 80 m2
großen Lehrsaal untersucht.

Gemessen und simuliert

Anhand von Beobachtungen und Messungen im Lehrsaal wird ein
agentenbasiertes Modell entwickelt: Jede Person im Seminarraum ist
ein Agent, dessen Verhalten einzeln betrachtet und analysiert wird.
Zudem werden auch heterogenes Verhalten und Abhängigkeiten von oder
Kommunikation mit anderen Personen abgebildet. Das Raumklima wird
anhand von Parametern wie Luftqualität, Luftaustausch etc. möglichst
exakt gemessen. Auf Basis dieses Modells erfolgen dann die
Simulationen. Es werden die Zusammenhänge zwischen Raumklima und dem
Verhalten der Agenten untersucht und die Simulation mit den Messungen
verglichen.

Hölzl und Spitzenberger sind mit den Ergebnissen ihrer bisherigen
Arbeit zufrieden: „Die Simulationen stimmen in hohem Maß mit unseren
Messungen überein.“ In einem nächsten Schritt wollen die Forscher
daher Vorhersagen zum NutzerInnen-Verhalten in drei unterschiedlichen
Raumszenarien entwickeln und analysieren.

Bedürfnisse bestimmen das Verhalten

Ihre Arbeit sehen Hölzl und Spitzenberger als Beitrag für eine
ökologisch, ökonomisch UND sozial nachhaltige Gebäudenutzung. „Bei
unseren Untersuchungen legen wir unser Augenmerk auf den Komfort“,
sagen Christian Hölzl und Edmund Spitzenberger. Die NutzerInnen
verhalten sich so, wie es ihren Bedürfnissen entspricht und wie es
komfortabel für sie ist. Das hat wiederum – meist negative –
Auswirkungen auf den Energieverbrauch. Das NutzerInnen-Verhalten im
Vorhinein abbilden zu können, ermöglicht es, die Gebäudetechnik
exakter darauf abzustimmen und den Energieverbrauch ressourcen- und
kostenschonender zu gestalten: „Die ‚Sabotage‘ kann man nicht
verhindern, sie ist den Menschen oft gar nicht bewusst, aber man kann
sie durch andere, auch bewusstseinsbildende Maßnahmen ausgleichen“,
so die Forscher.

Nach Abschluss ihrer Untersuchungen im Frühjahr 2017 planen Hölzl und
Spitzenberger ihre Forschungsarbeit in größerem Rahmen fortzusetzen.

Forschung an der FH Campus Wien

Die FH Campus Wien forscht anwendungsorientiert und interdisziplinär.
In sieben Departments und insgesamt 19 Forschungsfeldern arbeiten
Forscherinnen und Forscher an Lösungen für Problemstellungen aus
Wirtschaft, Industrie, dem öffentlichen Sektor und dem Sozial- und
Gesundheitsbereich: in Kooperation mit Unternehmen und öffentlichen
Einrichtungen, oft gefördert von der Österreichischen
Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), dem Wissenschaftsfonds FWF
(Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) oder der Stadt
Wien MA 23. Geforscht wird auch im Auftrag von Unternehmen und
Organisationen, denen die interdisziplinären Forschungsaktivitäten
der FH als wissenschaftliche Dienstleistungen angeboten werden.
Auftragsforschungs- und -entwicklungsprojekte werden in eigenen
Forschungsgesellschaften abgewickelt.

Gelebter Grundsatz an der FH Campus Wien ist die forschungsgeleitete
Lehre: Ergebnisse aus Forschungsprojekten fließen unmittelbar in die
Lehre ein bzw. sind Studierende aktiv in Forschungsprojekte
eingebunden.

FH Campus Wien

Mit rund 5.800 Studierenden ist die FH Campus Wien die größte
Fachhochschule Österreichs. In den Departments Applied Life Sciences,
Bauen und Gestalten, Gesundheitswissenschaften, Pflegewissenschaft,
Public Sector, Soziales und Technik steht ein Angebot von 59
Bachelor- und Masterstudiengängen sowie Masterlehrgängen in
berufsbegleitender und Vollzeit-Form zur Auswahl:
www.fh-campuswien.ac.at/facts

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