- 31.10.2016, 09:00:16
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Mittelfristige WIFO-Prognose: Verhaltenes Wirtschaftswachstum bis 2021
Wien (OTS) - Die österreichische Wirtschaft expandiert von 2017 bis
2021 mit +1,5% pro Jahr wieder etwas stärker. Die
Investitionsnachfrage entwickelt sich aber weiter verhalten, und die
Außenwirtschaft trägt weiterhin nur wenig zum Wirtschaftswachstum
bei. Der private Konsum nimmt um 1 1/4% pro Jahr zu, in erster Linie
wegen des Anstieges der verfügbaren Einkommen.
Nach der Schwächephase der Jahre 2012 bis 2015 (BIP real +0,6% p.
a.) dürfte das Wirtschaftswachstum wieder etwas an Kraft gewinnen. Im
Durchschnitt der nächsten fünf Jahre wird eine BIP-Steigerung um 1,5%
pro Jahr erwartet (2012/2016 +0,8% p. a.). Das entspricht dem
Durchschnitt des Euro-Raumes.
Das Trendwachstum dürfte in Österreich 2017 bis 2020 1,3% pro Jahr
betragen und damit etwas über dem der letzen Fünfjahresperiode liegen
(2012/2016 +1,0% p. a.). Die österreichische Wirtschaft befindet sich
aber nach wie vor in einer Phase der konjunkturbedingten
Unterauslastung. Die Outputlücke (relative Abweichung des
tatsächlichen Outputs vom Trend-Output) dürfte sich erst zum Ende des
Prognosehorizonts schließen. Sie verringert sich von -1,2% im Jahr
2015 auf 0,0% im Jahr 2020.
Die realen Exporte werden in den Jahren 2017 bis 2021
voraussichtlich um 2,9% pro Jahr ausgeweitet, um gut 3/4
Prozentpunkte stärker als in der vorangegangenen Fünfjahresperiode.
Dem Trend der letzten Jahre folgend, wird sich die internationale
Marktposition der österreichischen Exportwirtschaft weiter
verschlechtern. Da die Importe etwas schwächer zunehmen als die
Exporte, wird der Außenhandel weiterhin einen kleinen positiven
Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten.
Die Ausrüstungsinvestitionen werden trotz günstiger
Finanzierungsbedingungen auch in den nächsten Jahren nur wenig
ausgeweitet (+2,2% p. a), da die Absatzerwartungen im In- und Ausland
nicht günstig sind. Das Bevölkerungswachstum und der damit verbundene
Anstieg der Zahl der privaten Haushalte sowie die hohen
Immobilienpreise sollten die privaten Wohnbauinvestitionen stützen.
Dem steht ein durch den Spardruck der öffentlichen Haushalte
getrübter mittelfristiger Ausblick für den Tiefbau gegenüber. Die
gesamte Bautätigkeit entwickelt sich daher nur mäßig (2017/2021 +1
1/2% p. a.).
Das verfügbare Realeinkommen der privaten Haushalte wächst im
Prognosezeitraum mit +1,1% pro Jahr um 3/4 Prozentpunkte stärker als
im Durchschnitt 2012/2016. Getragen wird diese Entwicklung vor allem
von der Anpassung der Lohn- und Einkommensteuertarife, die mit 1.
Jänner 2016 in Kraft getreten ist. Weiters dürften die
Bruttolohneinkommen wieder zunehmen (pro Kopf real 2017/2021 + 1/4%).
Auch die Selbständigeneinkommen dürften sich günstig entwickeln
(Bruttobetriebsüberschuss 2017/2021 +3 3/4%). Der Anreiz zu sparen
ist im Sektor der privaten Haushalte wegen des niedrigen Zinsniveaus
weiter gering. Der angenommene leichte Anstieg der Sparquote auf 7
1/2% im Durchschnitt des Prognosezeitraumes ist in erster Linie der
unsicheren Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zuzuschreiben. Der
private Konsum dürfte 2017/2021 real um 1 1/4% pro Jahr gesteigert
werden (2012/2016 +0,3%).
Obwohl die Zahl der Beschäftigten weiter steigt, ist keine
Entspannung auf dem Arbeitsmarkt zu erwarten: Die Beschäftigung
(+1,0% im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021) wächst schwächer als
das Arbeitskräfteangebot (+1,1% p. a.). Die Arbeitslosenquote liegt
zum Ende des Prognosezeitraumes bei 9,7%.
Die Bruttoreallöhne pro Kopf steigen jährlich um 0,2%. Damit
bleibt die Entwicklung der Reallöhne leicht hinter jener der
Arbeitsproduktivität zurück und sollte keinen inflationstreibenden
Effekt entfalten. Die gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten erhöhen
sich 2017/2021 um 1,6% pro Jahr.
Im Umfeld aus (leicht) steigenden Preisen von Mineralölprodukten
(diese dämpften 2013/2016 die Inflationsrate um 0,2 bis 0,6
Prozentpunkte) sollte sich der Preisauftrieb wieder verstärken. Für
die Periode 2017/2021 wird mit einer Inflationsrate von
durchschnittlich 1 3/4% gerechnet. Der seit 2011 beträchtliche
Inflationsvorsprung gegenüber Deutschland und dem Durchschnitt des
Euro-Raumes sollte sich merklich verringern.
Das Wachstum der Staatsausgaben wird im Durchschnitt der Jahre
2017/2021 mit 2,7% angenommen. Dabei wird unterstellt, dass Bund,
Länder und Gemeinden ihre Konsolidierungsanstrengungen fortsetzen und
die Verwaltungsausgaben und Förderungen nur mäßig ausweiten. Die
Prognose berücksichtigt Ausgaben aufgrund der Flüchtlingsmigration
von jährlich rund 2 1/4 Mrd. €. Über den Prognosehorizont ändert
sich jedoch die Zusammensetzung der Ausgaben: Die Ausgaben für die
Grundversorgung für zum Verfahren zugelassene Asylsuchende nehmen ab,
die Ausgaben (überwiegend aus der Mindestsicherung) für anerkannte
Asylberechtigte wird hingegen zunehmen. Zur Entlastung des
Staatshaushaltes tragen weiterhin niedrige Zinsausgaben bei.
Die Staatseinnahmen werden trotz der Steuerreform 2016 um
durchschnittlich 3,2% pro Jahr zunehmen. Hauptgrund ist die
progressionsbedingte Dynamik der Lohnsteuereinnahmen, da bisher keine
gesetzliche Grundlage vorliegt und daher keine Maßnahmen zur
Verringerung der Auswirkungen der kalten Progression angenommen
wurden.
Das Defizit der öffentlichen Haushalte lag 2015 bei 1,0% des BIP.
Aufgrund der Steuerreform und der Ausgaben im Zusammenhang mit der
Flüchtlingsmigration wird sich das Haushaltsdefizit im Jahr 2016 auf
voraussichtlich 1,6% des BIP verschlechtern. Ab 2017 wird eine
stetige, aber langsame Verringerung des Defizits erwartet. Zum Ende
des Prognosezeitraumes wird ein negativer öffentlicher Haushaltssaldo
von 0,4% des BIP prognostiziert.
Nach einem strukturellen Überschuss von +0,2% des BIP 2015 wird
der strukturelle Saldo 2016 auf -1,1% drehen und 2017 und 2018
voraussichtlich auf diesem Niveau verharren. Erst ab 2019 ergibt sich
eine schrittweise Verbesserung des strukturellen Saldos (2020 -0,7%
des BIP). Das Ziel eines strukturellen Nulldefizits dürfte frühestens
zum Ende des Prognosehorizonts zu erreichen sein. Die Staatsschuld
wird von 85,5% des BIP 2015 um rund 10 Prozentpunkte auf 75,3% im
Jahr 2021 sinken.
Übersicht 1: Hauptergebnisse der mittelfristigen Prognose für
Österreich - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen)
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
10/2016 (http://monatsberichte.wifo.ac.at/59078)
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