OÖGKK: Nächste Primärversorgung startet in Haslach an der Mühl

Linz (OTS) - Primärversorgung – kurz PV – ist ein international anerkanntes Modell zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Die Gesundheitsreform bringt das Modell auch nach Österreich: Nach Enns startet voraussichtlich im Jänner 2018 in Haslach die nächste Primärversorgungs-Einheit (PVE) als Pilotprojekt.

Land OÖ und die OÖGKK haben sich auf eine gemeinsame Finanzierung der Mehrkosten geeinigt. „Primärversorgungseinheiten sind ein Meilenstein in der Weiterentwicklung der heimischen Gesundheitsversorgung“, freuen sich Gesundheitsreferent Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und OÖGKK-Obmann Albert Maringer anlässlich der Präsentation des „Mühlviertler Piloten“.

Hausärzte, Spitäler, Therapeuten, Institute, Rehabilitation, Beratungsstellen: Die Gesundheitsversorgung in Oberösterreich ist sehr vielschichtig und dicht. Doch nicht immer ist es für die Patientinnen und Patienten einfach, sich „im System“ zu orientieren – gerade in längeren Genesungsprozessen. Besser wäre es, wenn sich das System an den Patientinnen und Patienten orientiert. Hier setzt der Kerngedanke von PV an: Regionale PV-Einheiten oder PV-Netzwerke sollen der Bevölkerung eine bedarfsgenau abgestimmte Betreuung ermöglichen – indem vor Ort Ärzte, Krankenschwestern, Therapeuten und weitere Gesundheitsberufe wie Hebammen oder Sozialarbeiter, etc. im Team zusammenarbeiten. So aufgestellt, kann ein PV-Team eine enorme Bandbreite an Gesundheitsanliegen stets im richtigen Ausmaß erledigen:

Von Gesundheitsförderungs- und Präventionsangeboten über die rasche Abklärung akuter Krankheitssymptome bis zur dauerhaften Begleitung auf langwierigen Genesungswegen. Das erspart den Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen nicht zuletzt belastende Spitalskontakte. Dazu werden auch Leistun¬gen aus dem Sozialbereich integriert.

Primärversorgung konkret: Das Haslacher Pilotprojekt

Anfang 2018 soll im ehemaligen Webereimuseum am Kirchenplatz die zweite Primärversorgungseinheit in OÖ entstehen. Nach dem Umbau soll im ca. 550 m² großen Gebäude voraussichtlich folgendes Team zusammenarbeiten: Zwei Allgemeinmediziner, zwei Diplomkrankenschwestern, vier Ordinationsassistenten, ein Physiotherapeut und ein Psychologe für 20 Wochenstunden. Ergänzt wird das Team durch Teilzeitstellen aus den Berufsgruppen der Diätologie, Ergotherapie, Logopädie, Geburtshilfe und Sozialarbeit. Alle Leistungen werden unter einem Dach erbracht.

Die Bevölkerung Haslachs profitiert neben dem vergrößerten Leistungsangebot auch von erweiterten Öffnungszeiten: Diese sind von Montag bis Freitag jeweils von 7:30 bis 12:30 Uhr. Darüber hinaus öffnet die PVE an zwei Nachmittagen pro Woche von 15.00 bis 18:00 Uhr sowie an einem Nachmittag von 15:00 bis 19:00 Uhr. Die drei konkreten Wochentage für die Nachmittagsöffnung werden derzeit noch geplant. An Samstagen öffnet die PVE Haslach von 7:30 bis 10:00 Uhr.

Überdies nimmt die PVE Haslach am regionalen Hausärztlichen Notdienst (HÄND) teil und stellt jeden siebten Tag eine Bereitschaftsdienst-Ordination.

Das Pilotprojekt in Haslach ist – wie auch das Ennser Modell – vorläufig mit einer Dauer von 5 Jahren festgesetzt. Das Projekt wird laufend evaluiert, sodass zeitge¬rechte Adaptierungen und Verbesserungen möglich sind. Sobald der Umbau fertig ist, wird das Projekt voraussichtlich mit Jänner 2018 in Betrieb gehen.

Einigung bei Finanzierung

PV-Einheiten sind in Österreich etwas völlig Neues. Ihr Leistungsspektrum umfasst neben der bekannten hausärztlichen Betreuung auch Bereiche und Aufgaben, die sowohl in die Zuständigkeiten der Krankenversicherungsträger als auch des Landes fallen. Entsprechend mussten Finanzierung und die rechtlichen Rahmenbedingungen im Vorfeld grundlegend geregelt werden. Dabei wird Haslach – wie jede PV-Einheit – nach verschiedenen Kostenpositionen beurteilt: etwa ob es sich um einmalige Kosten handelt, die durch die Financiers gestützt werden (z.B. Umzugskosten, EDV) oder um laufende Kosten. Zum grundlegenden Aufbau der Behandlungsleistungen vor Ort rechnet man derzeit mit einer Anschub¬finanzierung von rund EUR 90.000,-. Der aktuell kalkulierte jährliche Mehrauf¬wand im Vergleich zur bisherigen hausärztlichen Versorgung liegt bei ca. EUR 240.000,--, wovon das Land OÖ 35 Prozent trägt und die Sozialversicherung
65 Prozent.

Weil PV-Einheiten immer individuell – nach regionalen Erfordernissen – ausge¬stattet sind und unterschiedliche Leistungsbereiche (Berufsgruppen) mitein¬schließen, ist die Finanzierung für jede Einheit stets individuell zu bewerten.

Die PVE Haslach wird als Gruppenpraxismodell voraussichtlich in der Rechtsform einer OG (Offene Gesellschaft) geführt sein. Die Einbindung des erweiterten Primär-versorgungsteams (nicht-ärztliche Gesundheitsberufe) erfolgt über ein Anstellungs-verhältnis oder über Zukauf der Leistung.

Zufriedenheit bei allen System-Partnern

Ob nun „Bürgerin und Bürger“, „Versicherte und Versicherter“ oder „Patientin und Patient“: Der gut versorgte Mensch steht gleichermaßen für die OÖGKK (namens der Sozialversicherung), das Land OÖ sowie die Ärztekammer im Zentrum des jeweiligen Bemühens. Auch wenn die Verhandlungen zur Primärversorgung zum Teil sehr hart verliefen: Die System-Partner ziehen aus ihrer jeweiligen Sicht ein positives Fazit zum Primärversorgungs-Piloten:

OÖGKK

• OÖGKK-Obmann Albert Maringer: „Der Leistungsanspruch der OÖGKK lautet: Unsere Versichertengemeinschaft muss zur richtigen Zeit, am richtigen Ort vom richtigen Behandler, in der richtigen Qualität versorgt werden – und zwar lückenlos und überschneidungsfrei. Primärversorgungsein¬heiten ermöglichen eine flexible, rasche, sichere und bedarfsgenaue Versorgung. Aus persönlicher Sicht als Versicherter bedeutet das: Information, Abklärung, Sicherheit und Orientierung für alle meine gesundheitlichen Bedürfnisse.“

• Zudem betont Maringer auch große Vorteile für die gesamte Versicherten-gemeinschaft der OÖGKK: „Eine durchgängige Betreuung – aus einem Guss – erspart Patienten und Angehörigen Umwege und fördert eine rasche Genesung. Und wo Umwege wegfallen, freut sich nicht nur der einzelne Versicherte, sondern die ganze Gemeinschaft: Weil automatisch auch kostenbewusst versorgt wird. Außerdem bekommen Gesundheitsförderung und Gesundheitskompetenz einen neuen institutionellen Rahmen: In der PVE werden Beschwerden nicht nur richtig bewertet und behandelt. Das Team um den Hausarzt kann den Patienten auch das praktische Know-how für eine gesunde Lebensplanung mitgeben – und alles kommt aus einer koordinierten Hand.“

Gesundheitsreferent Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer:

• „Eine PVE leistet einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung in der Region. Denn die Versorgung erfolgt dort, wo die Patientin bzw. der Patient zu Hause ist. Dazu kommt das zeitgemäße, bedarfsgerechte Angebot. Diese Doppelstrategie aus Tradition und Moderne sichert nachhaltig unser hohes Versorgungsniveau in Oberösterreich. Wir sichern, durch die Entwicklung von PVE Pilotprojekten wie in Enns und in Haslach, die medizinische Versorgung in den Regionen und gleichzeitig stehen sie für die ständige Weiterentwicklung im Gesundheitswesen. Wir haben die PV-Modelle in OÖ lange und umfassend vorbereitet. Wir sind führend mit PV-Modellen in Österreich. Hier werden zukunftsträchtige Strukturen geschaffen.“

Ärztekammer für Oberösterreich

• „Für die Entwicklung solcher Modelle braucht es gute Partnerschaften, auf die wir in Oberösterreich bauen können. Die notwendigen Voraussetzungen für Primärversorgungseinheiten entstehen im Konsens zwischen dem Land OÖ, der OÖGKK und der Ärztekammer für OÖ. Dazu benötigen wir kein PVE-Gesetz“, sagt Dr. Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer für OÖ.

• „Wir suchen laufend neue Formen der Zusammenarbeit im Sinne moderner Varianten von Gruppenpraxen, um die medizinische Versorgung zu gewährleisten. Die Modelle in Enns und Haslach sollen dafür die Pilotprojekte sein“, sagt MR Dr. Wolfgang Ziegler, Kurienobmann-Stv. der niedergelassenen Ärzte in der Ärztekammer für OÖ.

• „Der Hausarzt beziehungsweise die Hausärztin bildet auch in der Primärver-sorgungseinheit den Dreh- und Angelpunkt für die Patientinnen und Patienten – das ist uns besonders wichtig“, sagt Dr. Erwin Rebhandl, Gemeindearzt und Projektleiter der Primärversorgungseinheit Haslach. „Die gewünschte verbesserte strukturierte Zusammenarbeit mit den anderen Gesundheitsberufen speziell in den ländlichen Regionen kann so besser organisiert werden“, so Rebhandl weiter.

An diesem Beispiel zeigt sich, dass Primärversorgungseinheiten nicht „von der Stange“ geplant werden können, sondern stets auf die regionalen Bedürfnisse individuell zugeschnitten werden müssen. Zwei wichtige Schlüsselkriterien zur „passenden“ Ausgestaltung einer PV-Einheit sind die Einwohneranzahl der Umgebung sowie die bereits bestehende regionale Versorgungsinfrastruktur. So muss für das PV-Einheit in Haslach unter anderem die Nähe zum Krankenhaus Rohrbach mitgedacht werden, damit Synergien genutzt werden können und sich beide Einrichtungen ergänzen.

Ausblick: Primärversorgung als Sprungbrett für Versorgungs-Innovationen

Die Pläne zu Enns und Haslach zeigen eine grundsätzliche Gemeinsamkeit: Der PV-Kerngedanke eröffnet innovative Wege der Gesundheitsversorgung. Die Schlag¬worte lauten „Vernetzung“ und „Bündelung“ von Kompetenzen. Fest steht: OÖGKK, Land OÖ und Ärztekammer haben als Organisatoren, Planer, Finanziers und Erbringer der Gesundheitsversorgung jeweils viel Expertise in ihrem Bereich aufgebaut. Im Rahmen der Gesundheitsreform wird diese Expertise in gemeinsamen Projekten zusammengeführt, die den Patientinnen und Patienten eine zukunfts¬sichere, moderne Gesundheits-versorgung bringen.

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