- 27.10.2016, 10:15:01
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Belvedere: HIMMLISCH! Der Barockbildhauer Johann Georg Pinsel
Wien (OTS) - Das Belvedere würdigt den genialen, jedoch weithin
unbekannten Bildhauer des Spätbarock Johann Georg Pinsel erstmalig
mit einer Ausstellung in Österreich. Vom 28. Oktober 2016 bis 12.
Februar 2017 wird im Winterpalais des Prinzen Eugen von Savoyen ein
barockes Spektakel expressiver Mal- und Schnitzkunst geboten. Neben
den rund zwanzig Exponaten von Pinsel und seiner Werkstatt werden
auch Werke österreichischer Maler aus dem Spätbarock gezeigt.
Johann Georg Pinsel gibt der Forschung bis heute Rätsel auf: Über
sein Leben, seine Herkunft und seine Ausbildung ist wenig
überliefert. Seine Vornamen sind erst vor wenigen Jahren
identifiziert worden, Geburtsdatum und -ort liegen gänzlich im
Dunkeln. Pinsel war in den Gebieten der heutigen Westukraine, vor
allem rund um Lemberg tätig. Zu seinen Lebzeiten gehörte dieses
Gebiet zu Polen, danach wurde es in das Habsburgerreich
eingegliedert, nach 1918 kam es zur Sowjetunion und 1991 wurde es
Teil der heutigen Ukraine
Während Pinsels Leben und Wirken florierte die Region. Vermögende
polnische Adelsfamilien sorgten für eine gute Auftragslage der
Künstler. Es ist anzunehmen, dass Pinsel zugewandert ist. Die
Migration von Künstlern stand im Zeitalter des Barock auf der
Tagesordnung. Sie waren auf der Suche nach Aufträgen oder wollten
ihre künstlerischen Fähigkeiten erweitern.
"Mit der Ausstellung über Johann Georg Pinsel wollen wir einen
unbekannten Barockbildhauer präsentieren, der fernab der üblichen
Kulturzentren einen außergewöhnlichen Stil entwickelte. Jeder, der
die ausdrucksstarken Skulpturen sieht, wird zustimmen, dass Pinsel in
den Kanon der internationalen Kunstgeschichtsschreibung aufgenommen
werden muss", so Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere.
Pinsels Oeuvre ist im Vergleich zu seiner Biografie besser bekannt.
Gemeinsam mit seinem Architektenfreund Meretyn stattete er vor allem
Kirchen zwischen Lemberg und Butschatsch (poln. Buczacz) mit
ausdrucksstarken Skulpturen aus Holz und Stein aus. Die expressiven
Bildwerke entstanden innerhalb eines Jahrzehnts, von 1750 bis 1760.
"Pinsel erhielt binnen kurzer Zeit mehrere umfangreiche Aufträge.
Dies erforderte bald die Einstellung von Mitarbeitern und die
Ausbildung von Schülern, die seinen expressiven Stil durchaus mit
eigener Prägung fortführten", so die Kuratoren der Ausstellung, Maike
Hohn und Georg Lechner über den weitreichenden Einfluss des
Barockbildhauers.
Die große Ausdruckskraft seiner Figuren geht nicht nur von deren
Mimik und Gestik aus, sondern vor allem von der oft ausufernden
Gestaltung der Gewänder. In der Expressivität zeigen sich Parallelen
zur Malerei derselben Zeit im Umfeld der Akademie der bildenden
Künste in Wien. Insbesondere die Gemälde von Franz Anton Maulbertsch
mit ihren bisweilen bizarren Gestalten stehen den exaltierten
Skulpturen besonders nahe.
Unter sowjetischer Herrschaft wurde ein wesentlicher Teil von Pinsels
Werken aus Sakralbauten entfernt oder zerstört. Viele seiner
Skulpturen wurden dem Verfall überlassen, andere konnten gerettet und
in Museen aufgenommen werden. Viele der in der Ausstellung gezeigten
Statuetten und Skulpturen waren ursprünglich in Klöstern oder Kirchen
zu sehen, der ursprüngliche Aufstellungsort kann heute jedoch oft
nicht mehr bestimmt werden.
Um die Bildwerke verstehen und einordnen zu können, ist der Kontext
jedoch maßgeblich. Gerade im Zeitalter des Barock wurden Architektur,
Malerei und Skulptur bis zur Perfektion miteinander verwoben. Die
isolierte Präsentation der Skulpturen verleitet heute mitunter dazu,
sie als unabhängige Kunstwerke einzustufen. Sie waren jedoch formal,
kompositorisch und inhaltlich in ein übergeordnetes sakrales
Gestaltungsprogramm eingebunden. In der Ausstellung werden daher
Gemälde und Statuetten gemeinsam arrangiert, um den Eindruck der
ursprünglichen Anordnung um einen Altar zu vermitteln.
In dem begleitenden Katalog zur Ausstellung werden Leben und Wirken
des Bildhauers, die Region um Lemberg im 18. Jahrhundert sowie Johann
Georg Pinsels Skulpturen und sein Werk im europäischen Kontext näher
betrachtet.
Die Ausstellung "Himmlisch! Der Barockbildhauer Johann Georg Pinsel"
ist von 28. Oktober 2016 bis 12. Februar 2017 im Winterpalais des
Prinzen Eugen (Himmelpfortgasse 8, 1010 Wien) zu sehen.
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