„kreuz und quer“ am 25. Oktober: „Generation Dschihad“ und Diskussion zum Thema „Unsichere Zeiten – nur keine Panik!“

Wien (OTS) - Von rund 280 Personen aus Österreich weiß man nach Angaben von Peter Gridling, Direktor des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Österreich, dass sie nach Syrien und in den Irak gereist sind, um sich dem sogenannten „Islamischen Staat“ anzuschließen. Rund 50 Personen konnten an der Ausreise gehindert werden. Um die 80 IS-Anhänger seien, so Gridling, wieder nach Österreich zurückgekehrt. Weshalb geben Jugendliche – vorwiegend junge Männer – ihr Leben hier in Österreich und Europa auf, schließen sich einer Terrororganisation an und geraten in die Fänge des IS? Und wie kann es gelingen, Jugendliche vor einer Radikalisierung zu bewahren und in die Gesellschaft zu integrieren? Peter Kullmann und Magdalena Maier haben in der Dokumentation „Generation Dschihad“, die „kreuz und quer“ – präsentiert von Doris Appel – am Dienstag, dem 25. Oktober 2016, um 22.35 Uhr in ORF 2 zeigt, nachgefragt: bei Betroffenen sowie bei Expertinnen und Experten.

Um 23.10 Uhr folgt die „kreuz und quer“-Diskussion zum Thema „Unsichere Zeiten – nur keine Panik!“

Für Aufregung sorgt, dass junge Menschen in der westlichen Welt der Faszination des Dschihadismus erliegen. Ein Grund dafür sind die Krisen der westlichen Gesellschaften: Die Grunderfahrung, dass nichts mehr zu gelten scheint, es keine Verbindlichkeiten mehr gäbe, kann zu einem Gefühl der Unsicherheit, der Leere und der Sinnlosigkeit führen. Woher kommt diese nihilistische Grundstimmung, wo zeigt sie sich und was hat sie für Folgen? Welche Gefahren ergeben sich daraus und wo könnten neue Chancen liegen? Darüber diskutieren u. a. Jürgen Manemann (Forschungsinstitut für Philosophie, Hannover), Mirja Kutzer (Theologin, Universitäten Wien und Kassel), Kenan Güngör (Soziologe, Experte für Integrations- und Diversitätsfragen) und Martin Seel (Professor für Philosophie an der Universität Frankfurt a. M.). Die Diskussion leitet Michael Hofer.

„Generation Dschihad“ – Ein Film von Peter Kullmann und Magdalena Maier

Als Joachim Gerhard erfuhr, dass seine beiden Söhne nach Syrien gereist sind, um sich dem sogenannten „Islamischen Staat“ anzuschließen, wollte er seinen Ohren nicht trauen. Zwei Jahre sind seither vergangen. Nachvollziehen kann der Unternehmer aus Kassel die Entscheidung seiner Söhne, sich von ihrer Familie, ihren Freunden und ihrem Leben in Kassel abzuwenden und dem Westen den Kampf anzusagen, bis heute nicht. Es sind – wie der Fall der beiden Jugendlichen aus Kassel zeigt – längst nicht nur muslimische Jugendliche oder solche mit Migrationshintergrund, die sich dem sogenannten „Islamischen Staat“ anschließen. Es wäre also zu einfach, für die Radikalisierung von Jugendlichen allein den Islam verantwortlich zu machen, sind sich Expertinnen und Experten einig. Oft seien Jugendliche, die ihren Platz in der Gesellschaft nicht gefunden haben, die keinen Sinn im Leben finden und zu den Verlierern unserer kapitalistisch geprägten Gesellschaft zählen, besonders gefährdet. Radikale Prediger und Verführer hätten dann leichtes Spiel, dem westlichen Nihilismus ein besseres, ein erfüllendes Sinnstiftungsangebot gegenüberzustellen, meint etwa der international anerkannte Politologe und Islamexperte Olivier Roy. Die Wiener Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie Gabriele Wörgötter hat Jugendliche, die sich radikalisiert haben und deshalb in Haft waren, untersucht und begleitet. Aus ihren Beobachtungen geht hervor, dass die islamistischen Radikalisierer ein besonderes Gespür für Jugendliche haben, auf die Bedürfnisse der Jugendlichen eingehen, eine Beziehung aufbauen und einen Ausweg aus der sozialen Isolation und Deprivation anbieten würden.

Der IS wirbt vor allem im Internet mit Propaganda-Videos um junge Menschen. Rüdiger Lohlker, Islamwissenschafter an der Universität Wien, analysiert diese Videos im Rahmen seiner Forschungstätigkeit. Ein verquerer Gerechtigkeitssinn, antiquierte Männlichkeitsideale und die Verherrlichung von Gewalt und Terror seien die dominierenden Themen, mit denen gezielt Jugendliche angeworben werden sollen. Genau an diesen Punkten versucht der Wiener Verein „Not in God’s Name“ anzusetzen. Man will gezielt gefährdete Jugendliche vom Weg in die Radikalisierung abhalten. Im Kampfsportverein Tosan im zweiten Wiener Gemeindebezirk wird trainiert und gemeinsam Zeit verbracht. Der Verein spricht in erster Linie muslimische Jugendliche mit Migrationshintergrund an. Erfolgreiche Sportler als Testimonials werden den Jugendlichen als Idole zur Seite gestellt. „Sport als Prävention“, lautet hier die Devise. Man könne freilich nicht alle gefährdeten Jugendlichen erreichen, so der Mitbegründer des Vereins Alexander Karakas, doch man versuche eine Vorbildfunktion einzunehmen und den jungen Menschen in ihrer Identitätssuche unter die Arme zu greifen.

„Im Endeffekt hab ich mein Leben einfach ruiniert, alles kaputt gemacht, und jetzt langsam bau ich es wieder auf“, erzählt einer der Jugendlichen, dem es gelungen ist, aus Syrien zurückzukehren. Ein knappes halbes Jahr lernte er den IS von innen kennen, war Mitglied jener Terrororganisation, die für unzählige Anschläge verantwortlich zeichnet. Angst, Misstrauen und Gewalt seien an der Tagesordnung gewesen, erzählt er. Schnell sei ihm klar gewesen, hier kann und möchte er nicht bleiben. Einige Monate haben die Fluchtvorbereitung jedoch gedauert, denn – so der junge Mann – ständig musste er befürchten, dabei entdeckt und dafür bestraft zu werden: Auf Desserteure – so erzählt er – warte nämlich die Todesstrafe. Zurück in Europa wurde der junge Mann für einige Monate inhaftiert. Nun versucht er mit seiner Vergangenheit aufzuräumen, zu begreifen, was geschehen war, und zu verstehen, warum gerade er in die Fänge dieser radikalen Islamisten geraten konnte.

Die Sendungen sind auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) – vorbehaltlich vorhandener Online-Lizenzrechte – als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

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