- 24.10.2016, 13:10:28
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„kreuz und quer“ am 25. Oktober: „Generation Dschihad“ und Diskussion zum Thema „Unsichere Zeiten – nur keine Panik!“
Wien (OTS) - Von rund 280 Personen aus Österreich weiß man nach
Angaben von Peter Gridling, Direktor des Bundesamtes für
Verfassungsschutz in Österreich, dass sie nach Syrien und in den Irak
gereist sind, um sich dem sogenannten „Islamischen Staat“
anzuschließen. Rund 50 Personen konnten an der Ausreise gehindert
werden. Um die 80 IS-Anhänger seien, so Gridling, wieder nach
Österreich zurückgekehrt. Weshalb geben Jugendliche – vorwiegend
junge Männer – ihr Leben hier in Österreich und Europa auf, schließen
sich einer Terrororganisation an und geraten in die Fänge des IS? Und
wie kann es gelingen, Jugendliche vor einer Radikalisierung zu
bewahren und in die Gesellschaft zu integrieren? Peter Kullmann und
Magdalena Maier haben in der Dokumentation „Generation Dschihad“, die
„kreuz und quer“ – präsentiert von Doris Appel – am Dienstag, dem 25.
Oktober 2016, um 22.35 Uhr in ORF 2 zeigt, nachgefragt: bei
Betroffenen sowie bei Expertinnen und Experten.
Um 23.10 Uhr folgt die „kreuz und quer“-Diskussion zum Thema
„Unsichere Zeiten – nur keine Panik!“
Für Aufregung sorgt, dass junge Menschen in der westlichen Welt der
Faszination des Dschihadismus erliegen. Ein Grund dafür sind die
Krisen der westlichen Gesellschaften: Die Grunderfahrung, dass nichts
mehr zu gelten scheint, es keine Verbindlichkeiten mehr gäbe, kann zu
einem Gefühl der Unsicherheit, der Leere und der Sinnlosigkeit
führen. Woher kommt diese nihilistische Grundstimmung, wo zeigt sie
sich und was hat sie für Folgen? Welche Gefahren ergeben sich daraus
und wo könnten neue Chancen liegen? Darüber diskutieren u. a. Jürgen
Manemann (Forschungsinstitut für Philosophie, Hannover), Mirja Kutzer
(Theologin, Universitäten Wien und Kassel), Kenan Güngör (Soziologe,
Experte für Integrations- und Diversitätsfragen) und Martin Seel
(Professor für Philosophie an der Universität Frankfurt a. M.). Die
Diskussion leitet Michael Hofer.
„Generation Dschihad“ – Ein Film von Peter Kullmann und Magdalena
Maier
Als Joachim Gerhard erfuhr, dass seine beiden Söhne nach Syrien
gereist sind, um sich dem sogenannten „Islamischen Staat“
anzuschließen, wollte er seinen Ohren nicht trauen. Zwei Jahre sind
seither vergangen. Nachvollziehen kann der Unternehmer aus Kassel die
Entscheidung seiner Söhne, sich von ihrer Familie, ihren Freunden und
ihrem Leben in Kassel abzuwenden und dem Westen den Kampf anzusagen,
bis heute nicht. Es sind – wie der Fall der beiden Jugendlichen aus
Kassel zeigt – längst nicht nur muslimische Jugendliche oder solche
mit Migrationshintergrund, die sich dem sogenannten „Islamischen
Staat“ anschließen. Es wäre also zu einfach, für die Radikalisierung
von Jugendlichen allein den Islam verantwortlich zu machen, sind sich
Expertinnen und Experten einig. Oft seien Jugendliche, die ihren
Platz in der Gesellschaft nicht gefunden haben, die keinen Sinn im
Leben finden und zu den Verlierern unserer kapitalistisch geprägten
Gesellschaft zählen, besonders gefährdet. Radikale Prediger und
Verführer hätten dann leichtes Spiel, dem westlichen Nihilismus ein
besseres, ein erfüllendes Sinnstiftungsangebot gegenüberzustellen,
meint etwa der international anerkannte Politologe und Islamexperte
Olivier Roy. Die Wiener Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie
Gabriele Wörgötter hat Jugendliche, die sich radikalisiert haben und
deshalb in Haft waren, untersucht und begleitet. Aus ihren
Beobachtungen geht hervor, dass die islamistischen Radikalisierer ein
besonderes Gespür für Jugendliche haben, auf die Bedürfnisse der
Jugendlichen eingehen, eine Beziehung aufbauen und einen Ausweg aus
der sozialen Isolation und Deprivation anbieten würden.
Der IS wirbt vor allem im Internet mit Propaganda-Videos um junge
Menschen. Rüdiger Lohlker, Islamwissenschafter an der Universität
Wien, analysiert diese Videos im Rahmen seiner Forschungstätigkeit.
Ein verquerer Gerechtigkeitssinn, antiquierte Männlichkeitsideale und
die Verherrlichung von Gewalt und Terror seien die dominierenden
Themen, mit denen gezielt Jugendliche angeworben werden sollen. Genau
an diesen Punkten versucht der Wiener Verein „Not in God’s Name“
anzusetzen. Man will gezielt gefährdete Jugendliche vom Weg in die
Radikalisierung abhalten. Im Kampfsportverein Tosan im zweiten Wiener
Gemeindebezirk wird trainiert und gemeinsam Zeit verbracht. Der
Verein spricht in erster Linie muslimische Jugendliche mit
Migrationshintergrund an. Erfolgreiche Sportler als Testimonials
werden den Jugendlichen als Idole zur Seite gestellt. „Sport als
Prävention“, lautet hier die Devise. Man könne freilich nicht alle
gefährdeten Jugendlichen erreichen, so der Mitbegründer des Vereins
Alexander Karakas, doch man versuche eine Vorbildfunktion einzunehmen
und den jungen Menschen in ihrer Identitätssuche unter die Arme zu
greifen.
„Im Endeffekt hab ich mein Leben einfach ruiniert, alles kaputt
gemacht, und jetzt langsam bau ich es wieder auf“, erzählt einer der
Jugendlichen, dem es gelungen ist, aus Syrien zurückzukehren. Ein
knappes halbes Jahr lernte er den IS von innen kennen, war Mitglied
jener Terrororganisation, die für unzählige Anschläge verantwortlich
zeichnet. Angst, Misstrauen und Gewalt seien an der Tagesordnung
gewesen, erzählt er. Schnell sei ihm klar gewesen, hier kann und
möchte er nicht bleiben. Einige Monate haben die Fluchtvorbereitung
jedoch gedauert, denn – so der junge Mann – ständig musste er
befürchten, dabei entdeckt und dafür bestraft zu werden: Auf
Desserteure – so erzählt er – warte nämlich die Todesstrafe. Zurück
in Europa wurde der junge Mann für einige Monate inhaftiert. Nun
versucht er mit seiner Vergangenheit aufzuräumen, zu begreifen, was
geschehen war, und zu verstehen, warum gerade er in die Fänge dieser
radikalen Islamisten geraten konnte.
Die Sendungen sind auf der Video-Plattform ORF-TVthek
(http://TVthek.ORF.at) – vorbehaltlich vorhandener
Online-Lizenzrechte – als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung
sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.
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