- 18.10.2016, 13:07:53
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Wirtschaftsmotor mit zwei Geschwindigkeiten – AK setzt ihre Regionaldialoge im Industrieviertel fort
AK-Präsident Wieser: Der Mensch darf bei den Veränderungen in der Arbeitswelt nicht unter die Räder kommen
Utl.: AK-Präsident Wieser: Der Mensch darf bei den Veränderungen in
der Arbeitswelt nicht unter die Räder kommen =
St. Pölten (OTS) - AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB
NÖ-Vorsitzender Markus Wieser lud am Montagabend in die
AK-Bezirksstelle Wiener Neustadt zum zweiten Regionaldialog „Meine
Region – Industrieviertel“. Zahlreiche GemeinderätInnen,
Landtagsabgeordnete, eine große Zahl von BetriebsrätInnen und
BürgerInnen beteiligten sich an der Diskussion über Probleme und
Entwicklungschancen des Industrieviertels. „Der Dialog schärft
unseren Blick und ermöglicht uns eine zielgerichtete und erfolgreiche
Arbeit für das Land“, so Präsident Markus Wieser. Das
Industrieviertel verfügt über eine hohe Standortqualität, ist aber
mit zwei Geschwindigkeiten unterwegs, so Präsident Wieser in seiner
Analyse.
Industrieviertel durch Nord-Süd-Gefälle gekennzeichnet
Das Industrieviertel, bestehend aus den Bezirken Wiener Neustadt,
Neunkirchen, Baden, Mödling und Bruck/Leitha (inkl. Schwechat ab
2017), zeichnet sich durch ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle aus.
Während die Bevölkerung bis 2030 im Industrieviertel um
durchschnittlich 10,7 Prozent steigen wird, liegt der prognostizierte
Zuwachs im Süden dieses Landesteils nur bei 3 Prozent. Diese
Unterschiede sind auch bei den Grundstückspreisen deutlich. So
erfüllt sich der Traum vom Eigenheim in Mödling mit 377 Euro pro
Quadratmeter schwieriger als in Neunkirchen mit 84 Euro. Und das bei
Einkommen, die sich in vier Bezirken (Wien-Umgebung, Mödling, Wiener
Neustadt-Land, Neunkirchen) über dem Landesdurchschnitt (2.014 Euro)
bewegen: Der Bezirk Bruck/Leitha liegt beim Einkommen „als negativer
Ausreißer“ 20 Prozent unter dem Regionsdurchschnitt.
Viele Arbeitsplätze, aber auch viele Arbeitssuchende
Die Zahl der Arbeitslosen im Industrieviertel stieg in
Niederösterreich 2015 um 5,9 Prozent. Umgelegt auf das
Industrieviertel lagen die Bezirke Bruck/Leitha (+2,3 Prozent) und
Neunkirchen (+5,7 Prozent) unter, die Bezirke Wiener Neustadt (+10,7
Prozent), Baden (+8,3 Prozent) und Mödling (+8,2 Prozent) wesentlich
über dem Landesschnitt. Die Arbeitslosenquote im Industrieviertel von
9,5 Prozent (NÖ: 9,1 Prozent) gibt Anlass zur Besorgnis, vor allem da
sich in dieser Region 42 Prozent aller niederösterreichischer
Arbeitsplätze konzentrieren. Von der Arbeitslosigkeit besonders
betroffen sind ältere und gering qualifizierte ArbeitnehmerInnen.
„Qualifikation ist hier mittelfristig der Schlüssel zum erfolgreichen
Kampf gegen die Arbeitslosigkeit“, so AMS-Bezirksstellenleiter Georg
Grund-Groiss. Und Präsident Wieser brach einmal mehr eine Lanze für
die duale Ausbildung: „Facharbeiter haben sehr gute Chancen am
Arbeitsmarkt. Unser Augenmerk muss daher darauf liegen, die Lehre bei
den Jugendlichen wieder attraktiver zu machen“.
Industrieviertel bleibt der Wirtschaftsmotor in Niederösterreich
Mit einer hohen Anzahl an internationalen Großbetrieben und dem
Technopol Wiener Neustadt (inkl. Fachhochschule) bildet das
Industrieviertel den Wirtschaftsmotor in Niederösterreich. Die Nähe
zu Wien muss noch stärker für den Absatz von regionalen Produkten.
Gleiches gilt für die vermehrte Kooperation mit den Nachbarländern.
Trotz einer vielfach hohen Wohnqualität und breitgefächerter
Bildungsangebote im Industrieviertel, gilt es auch vorhandene Lücken
in der Nahversorgung und sozialen Infrastruktur im ländlichen Raum zu
schließen. Angesichts des prognostizierten Bevölkerungswachstums im
Industrieviertel bis 2030 muss der öffentliche Verkehr stärker
gefördert und ausgebaut werden. Vier von zehn Beschäftigten pendeln
aus, um seinen Arbeitsplatz zu erreichen. Die Mobilität gehöre zu
jenen Rahmenbedingungen, die verhindern, dass immer mehr Menschen
abwandern, so die Bürgermeisterin von Grafenbach-St. Valentin, Sylvia
Kögler, die das Industrieviertel als besonders lebenswert
präsentierte. Regionalberater Josef Wallenberger appellierte daran,
nicht nur in den Rückspiegel zu sehen, sondern sich aktiv den
Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Diese liegen vor allem im
demografischen Wandel, in der Digitalisierung und der nachhaltigen
Nutzung unserer Ressourcen.
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