Schulautonomie ja – aber ohne Ungleichbehandlung!

Wien (OTS) - Die Reaktion der drei größten Dachverbände der freien Schulen zur heutigen Präsentation der Gesetzesvorlage für die Bildungsreform fiel prägnant und einhellig aus: Mehr Schulautonomie der staatlichen Schulen ist zu begrüßen, die Ungleichbehandlung der freien Schulen mit Öffentlichkeitsrecht ist endlich abzustellen! „Der Vorstoß von Bundesministerin Sonja Hammerschmid in Richtung Schulautonomie ist positiv. Gerade die Schulen in freier Trägerschaft praktizieren seit Jahrzehnten erfolgreiche Modelle autonomer Schulen und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Lehrer wurden entsprechend den pädagogischen Schwerpunkten ausgewählt und der Wettbewerb unter den besten Konzepten befeuert. Wir leben damit vor, was jetzt langsam im staatlichen Schulsystem Einzug hält“, so die Reaktion der drei größten Dachverbände freier Schulen in Österreich. Kritik üben der Waldorfbund Österreich, der Förderverband Freier Schulen und die Interessenvertretung privater, nichtkonfessioneller Bildungseinrichtungen hingegen an der nach wie vor eklatanten Ungleichbehandlung in puncto Lehrerbewirtschaftung und Kostenübernahme.

Seit 2012 wurden Förderungen um 25 Prozent gekürzt

Viele Schulen in freier Trägerschaft besitzen ebenfalls das Öffentlichkeitsrecht, werden aber finanziell ausgehungert – trotz gegenteiliger Versprechen der Politik. Mit nicht einmal zehn Prozent der Kosten einer staatlichen Schule werden freie Schulen mit Öffentlichkeitsrecht gefördert. Bei konfessionellen Privatschulen mit Öffentlichkeitsrecht wird die Lehrerbewirtschaftung zu 100 Prozent vom Bund übernommen – bei freien Privatschulen mit Öffentlichkeitsrecht werden hingegen Almosen verteilt. Seit 2012 wurden den Schulen in freier Trägerschaft mit Öffentlichkeitsrecht die Bundesförderungen pro Schüler um 25 Prozent gekürzt. Pro Schüler und Jahr erhalten sie nur mehr rund 750 Euro. Gesetzlich begründet ist diese Ungleichbehandlung durch das Privatschulgesetz aus dem Jahr 1962. Von der Politik holen sich die Dachverbände seither Lippenbekenntnisse ab. Zuletzt sprach sich die Bildungsreformkommission für die Gleichstellung der freien Schulen mit den konfessionellen Privatschulen aus, eine Empfehlung die von Bildungsministerin Sonja Hammerschmid ignoriert wurde.

Vorreiterrolle in puncto Schulautonomie

Dabei übernehmen diese Schulen beim Thema Schulautonomie eine ähnliche Vorreiterrolle wie auch bereits bei vielen pädagogischen Innovationen davor, die später dann von öffentlichen Schulen übernommen wurden. Beispiele für pädagogische Innovationen sind hier etwa der fächer- und jahrgangsübergreifende Unterricht, gemeinsame Klassen über zwölf Jahre hinweg, gelebte Inklusion in Schulen und das Aufbrechen der starren 50-Minuten-Einheiten. Die drei Dachverbände plädieren neben der finanziellen wie rechtlichen Gleichstellung für neue Rahmenbedingungen, um echte Schulautonomie zu etablieren. Ein Lösungsvorschlag wäre ein Opt-in-Modell, bei dem alle Schulen nach bestimmten Kriterien zertifiziert werden und autonom arbeiten können.

Ende der Ungleichbehandlung und Opt-in-Modell

Schulträger können Gemeinden, Verbände, Kirchen und Vereine sein. Die Mittelzuteilung soll durch den Bund sozialindexbasiert erfolgen, um faire Chancen für alle Standorte zu gewährleisten. Der Bund soll für Zielvorgaben, Qualitätsrahmen, Mittelzuteilung und Kontrolle verantwortlich sein. Die operative Umsetzung erfolgt an den einzelnen Schulen in echter Schulautonomie. Die Schulautonomie muss wissenschaftlich begleitet und laufend evaluiert werden.

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