• 13.10.2016, 10:00:01
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ORF-Schwerpunkt zum 60. Jahrestag des Ungarnaufstandes 1956

Wien (OTS) - Anlässlich des 60. Jahrestages des Ungarischen
Volksaufstandes vom 23. Oktober 1956 widmen sich mehrere
ORF-Sendungen diesem Thema. Das Spektrum in Ö1 reicht von „Betrifft:
Geschichte“ über „Im Gespräch“ mit Paul Lendvai bis zu „Hörbilder
spezial“ über „Grenzen - Ungarn 1956, 1989 und 2016“. In ORF 2 gibt
es eine „Menschen & Mächte“-Dokumentation, eine ZIB 2 History live
aus Budapest und „Der Bockerer III“, ORF III bringt in „Kultur Heute“
ein Studiogespräch mit ORF-Außenpolitikchef Andreas Pfeifer und
Osteuropa-Experte Paul Lendvai.

Der Historiker Bela Rasky spricht über „Die versuchte Befreiung“
in „Betrifft: Geschichte“ von Montag, den 17. bis Freitag, den 21.
Oktober jeweils um 17.55 Uhr in Ö1. Ihren Ausgang nahmen die
revolutionären Ereignisse in einer von Studierenden der Technischen
Universität ausgehenden Großdemonstration in Budapest am 23. Oktober
1956. Gefordert wurden unter anderem Meinungs-, Presse- und
Versammlungsfreiheit sowie freie Wahlen und die Unabhängigkeit von
der UdSSR. Bereits tagsüber war es zu bewaffneten
Auseinandersetzungen gekommen; in der Nacht trafen schließlich
sowjetische Militäreinheiten in Budapest ein. Der Aufstand gegen die
stalinistische Diktatur und den Machteinfluss der Sowjetunion ergriff
andere Städte in Ungarn und löste einen landesweiten Generalstreik
aus. Ein Angriff von Sicherheitstruppen auf Demonstrierende vor dem
Budapester Parlament forderte am 25. Oktober mehrere hundert Tote und
Verletzte. Es folgten landesweit blutige Kämpfe. Auf politischer
Ebene schien kein Stein auf dem anderen zu bleiben. Nach Absetzung
des Ersten Generalsekretärs des ZK, Ernö Gerö, und des
Regierungschefs András Hegedüs, suchte der neue Ministerpräsident,
Imre Nagy, die Auseinandersetzungen durch Einberufung von
Verhandlungen zu beenden. Nagy, der am 30. Oktober die Umbildung der
Regierung durch Beteiligung der Koalitionsparteien von 1945 bekannt
gegeben hatte, kündigte am nächsten Tag Verhandlungsinitiativen zum
Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt an. Die folgenden
Unterredungen zum Abzug der sowjetischen Truppen aus Ungarn zwischen
der Regierung Nagy und sowjetischen Militärs verliefen ergebnislos.
Und am 4. November 1956 setzte der Angriff sowjetischer Truppen auf
Budapest ein. Die landesweiten Kämpfe der folgenden Wochen forderten
tausende ungarische Todesopfer. Der nationale Aufstand Ungarns für
Freiheit, Demokratie und Unabhängigkeit scheiterte. Die
Koalitionsregierung Nagy wurde abgesetzt und durch sowjettreue
Kommunisten ersetzt (Kádár-Kabinett). Etwa 200.000 Menschen waren auf
der Flucht, mehr als 150.000 flüchteten nach Österreich.

„Das Gift des Nationalismus droht erneut den Kontinent zu
verseuchen“ lautet der Titel von „Im Gespräch“ am Donnerstag, den 20.
Oktober um 21.00 Uhr in Ö1 („Da capo“: 21.10., 16.00 Uhr). Der
Publizist Paul Lendvai ist zu Gast bei Renata Schmidtkunz. Lendvai,
geboren 1929 in Budapest, war selbst einer, der nach dem
niedergeschlagenen Aufstand in Ungarn seine Heimat verließ. Über Prag
und Warschau kam er 1957 nach Wien. Seine Mutter blieb zurück in
Budapest, weshalb der junge Jurist und Sozialdemokrat seine
journalistischen Artikel über den Ostblock und den Balkan oft unter
einem Pseudonym verfasste. Sein erstes Buch erschien 1969 im Fischer
Verlag Frankfurt: „Der rote Balkan“, ein Buch über die Zerrissenheit
zwischen Nationalismus und Kommunismus. Dieses Thema begleitete
Lendvai durch sein gesamtes Leben als Journalist und Publizist. Nun
hat er ein neues Buch geschrieben: „Orbáns Ungarn“. Darin beschreibt
er, wie aus dem einstigen Hoffnungsträger des demokratischen
Aufbruchs in Ungarn, Viktor Orbán, ein autokratischer Herrscher
wurde.

Im Feature „Ungarn ‘56: Das Loch in der Fahne“ in den „Hörbildern“
am Samstag, den 22. Oktober um 9.05 Uhr in Ö1 sprechen Zeitzeugen
über die Flucht der Revolutionäre nach Österreich. Beim Volksaufstand
in Ungarn im Herbst des Jahres 1956 haben rund 2.700 Ungarn ihr Leben
verloren, an die 200.000 Menschen sind in den darauf folgenden
Monaten aus dem Land geflüchtet. Sie alle haben wegen ihrer
revolutionären Aktivitäten, ihres Glaubens und ihrer politischen
Überzeugung oder einfach in der Hoffnung auf ein besseres Leben die
Heimat verlassen. Österreich war für die Flüchtlinge erstes Asyl und
nahm zu dieser Zeit seine Funktion als „Auffang“- bzw. Transitland
unumstritten wahr. Etwa 18.000 „‘56er-Ungarn“ sind hier geblieben.
Ein halbes Jahrhundert später erinnern sich emigrierte Flüchtlinge
und Zeitzeugen, darunter ein Ehepaar aus der „Ungarnsiedlung“ in
Wien-Floridsdorf, ein - einst illegaler - ehemaliger Jesuit, eine
Antiquitätenhändlerin, eine Psychiaterin adeliger Herkunft und ein
Grafiker, die alle drei damals noch zur Schule gingen, an den
spontanen Freiheitskampf.

Ab 14.00 Uhr steht dann am 22.10. in der „Hörspiel-Galerie“ Ursula
Scheidles Stück „Train of Sound“ auf dem Programm. In der heurigen
NDR/ORF-Produktion wirken Chris Pichler, Michael Dangl und Nicole
Heesters mit, für die Musik zeichnet Gunnar Geisse verantwortlich,
Regie führte die Autorin. Zum Inhalt: Endlich ist sie angekommen am
Ende der Welt, in Island im „Guest House Aurora“ in Reykjavik. Für
Berna, leidenschaftliche Soundjägerin für Radio, Online und TV, ist
dies die letzte Station eines rastlosen Jahres. Als sie in ihrer
Firma auf einen Wechselarbeitsplatz versetzt wird, kündigt sie ihr
„digitales Sklavendasein“. Ein Jahr lang bestimmen nun Fahrplan,
Großraumwagen und die Bahncard 100 ihr Leben. Und sie wird berühmt:
„German woman starts living on a train“ titelt der Independent. Mit
ihrem Freund Lazlo, einem Tonmeister, der ihre Sounds nach Hollywood
verkauft, führt sie eine „SMS-, Whats App- und Skype-Beziehung“. Und
da sind plötzlich in den Zügen diese Menschen aus dem Krieg. Bei
Berna werden Erinnerungen an die Großmutter und ihre dramatische
Flucht aus Ungarn 1956 wach. Bernas letzte Soundmischung auf einem
USB-Stick wird zur Hommage an ihre Großmutter …

Am Sonntag, den 23. Oktober bringt die „Erfüllte Zeit“ (7.05 Uhr,
Ö1) einen Beitrag über die Rolle der Kirchen beim ungarischen
Volksaufstand. Diese hofften auf eine Verbesserung ihrer Lage. Eine
Symbolfigur war Kardinal Jozsef Mindszenty, der jahrelang inhaftiert
war und im Zuge des Aufstands aus dem Gefängnis kam. Nicht ganz 14
Tage dauerte der Traum der Freiheit, sowjetische Truppen schlugen den
Volksaufstand nieder. Wenn auch die Kirchen nicht direkt am
Volksaufstand beteiligt waren, so waren doch zahlreiche Pfarrer und
Priester auf Seiten der Aufständischen aktiv. Viele wurden verhaftet
oder mussten ins Ausland flüchten. Die Marginalisierung der Kirchen
war prolongiert.

„Grenzen - Ungarn 1956, 1989 und 2016“ ist Thema der „Hörbilder
Spezial“ am Mittwoch, den 26. Oktober um 10.05 Uhr in Ö1.
Feature-Autor Robert Schmidt hält sich im September 2015 an der
Grenze zwischen Ungarn und Serbien auf, als dort die letzte Lücke im
Grenzzaun geschlossen wird. Die Festung Europa beginnt sich
abzuschotten, der Zaun Viktor Orbáns unterbricht die sogenannte
„Balkanroute“ der Flüchtlinge. 1956 flohen die Menschen aus Ungarn
nach Österreich, im August 1989 kamen die ersten DDR-Flüchtlinge über
die ungarische Grenze nach Westeuropa. 2015 schließt Ungarn als
erstes mitteleuropäisches Land die Grenzen, verschließt sich den
Hilfesuchenden und Flüchtlingen mit nationalistischer Rhetorik und
einem vier Meter hohen, mit Stacheldraht besetzten Grenzzaun mitten
in Europa. Erinnerungen von Schmidts Vater an dessen Flucht aus
Ungarn 1956, die Bilder der DDR-Flüchtlinge 1989 und Schmidts eigene
Erlebnisse an den ungarischen Grenzen 2015 und 2016 verdichten sich
in dieser gemeinsam mit Andreas Kebelmann gestalteten Collage zu
einer eindrücklichen sprachlich-klanglichen Erzählung über Grenzen in
Europa im 21. Jahrhundert.

60 Jahre Ungarnaufstand im ORF-TV

Den 60. Jahrestag des Aufstandes nimmt die „Menschen &
Mächte“-Dokumentation „Flucht in die Freiheit – 60 Jahre
Ungarnaufstand“ von Andreas Pfeifer und Andreas Novak am Mittwoch,
den 19. Oktober um 22.30 Uhr in ORF 2 zum Anlass für eine filmische
Betrachtung über Erfahrungen und Grenzerfahrungen von Flucht und
Flüchtlingshilfe. Sie führt auf drei Ebenen von der historischen
Aufarbeitung der Ereignisse und Beweggründe des Ungarnaufstandes über
den Abbau des Eisernen Vorhangs bis zur Abschottungspolitik der
Gegenwart. In der Dokumentation kommen Menschen zu Wort, die 1956 die
Flucht ergriffen und sich in Österreich beheimatet haben: Der Pianist
und Komponist Bela Koreny wird als Gründer der Broadway-Bar zu einem
Initiator des Wiener Musiklebens. Vilmos Vécsei, der mit seinen drei
Geschwistern aus Sopron flieht, studiert Medizin und wird zum Chef
der Unfallchirurgie am Wiener AKH. Der Journalist Paul Lendvai, der
in Ungarn mit Berufsverbot belegt ist, startet in Österreich eine
Karriere als Außenpolitikexperte mit einem stets kritisch-wachsamen
Auge für ungarische Entwicklungen. Aber auch die Helfenden steuern
Erfahrungswerte bei – Eleonore Trentini, die mit Ungarnflüchtlingen
ihre Kindheit und ihre Wohnung teilt, Altbundespräsident Heinz
Fischer, der im Flüchtlingslager Traiskirchen als Tellerwäscher
gearbeitet hat. Was hat „Freiheit“ für die Flüchtenden bedeutet? Wie
hat die mittlerweile recht groß gewordene „ungarische Community“ den
Fall des Eisernen Vorhanges 1989 erlebt, der viele Ungarn bald als
billige Arbeitskräfte nach Österreich führte? Und wie geht die
Regierung von Viktor Orban im Gedenkjahr 2016 mit der Erinnerung an
eine Flüchtlingskrise um, die die eigenen Landsleute betroffen hat?
60 Jahre nach dem von österreichischer und internationaler
Solidarität begleiteten Kampf um Freiheit und Demokratie sollen Zäune
und Stacheldrähte vor jenen schützen, die heute zu Zehntausenden vor
Krieg, Zerstörung und Terror flüchten. Vor dem Hintergrund der
historischen Ereignisse werden in der ORF-Dokumentation auch
gegenwärtige Eingrenzungen der Willkommenskultur manifest.

Am Sonntag, den 23. Oktober 2016 jährt sich der Aufstand in Ungarn
zum 60. Mal. Aus diesem Anlass kommt die sechste Ausgabe der „ZIB 2
History“ mit Armin Wolf als Moderator (21.55 Uhr, ORF 2) live aus
Budapest. Sie analysiert mit Beiträgen und Live-Gesprächen die
Ereignisse des Jahres 1956 und wie sich das Verhältnis zwischen
Ungarn und Österreichern entwickelt hat. Als Gäste werden der
ungarische Minister Zoltán Balog sowie der Publizist Paul Lendvai
erwartet. Danach sendet ORF 2 ab 22.35 Uhr Franz Antels 1999
entstandenen Spielfilm „Der Bockerer III – Die Brücke von Andau“, in
dem Karl Merkatz als Karl Bockerer in die Wirren des Ungarnaufstandes
von 1956 gerät und am Ende vielen Menschen die Flucht vor dem
kommunistischen Regime in den freien Westen ermöglicht.

ORF III widmet sich dem Thema bereits in „Kultur Heute“ am
Freitag, den 21. Oktober um 19.50 Uhr und begrüßt im Studio
ORF-Außenpolitikchef Andreas Pfeifer, Regisseur der neuen „Menschen &
Mächte“-Doku „Flucht in die Freiheit – 60 Jahre Ungarnaufstand“,
sowie Osteuropa-Experte Paul Lendvai, der auch über sein neues Buch
„Orbáns Ungarn“ spricht. Außerdem ist ein Dakapo der
Pfeifer/Novak-Doku am Samstag, den 22. Oktober um 21.50 Uhr zu sehen.

Das ORF.at-Netzwerk und der ORF TELETEXT werden dem Jahrestag des
Ungarn-Aufstandes im Rahmen ihrer aktuellen Berichterstattung breiten
Raum widmen. Die ORF-TVthek stellt die Sendungen des
ORF-Fernseh-Schwerpunktes als Livestream und Video-on-Demand bereit.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | HOA

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